14. Sonntag im Jahreskreis

Ich möchte mit Ihnen heute Morgen/Abend das Evangelium ein wenig nachgehen:
1. Die Gesandten sollen ohne Vorräte, ohne Vorsichtsmaßnahmen, aber auch ohne falsche Vorstellungen gehen. Die Mission ist gefährlich. Sie gehen wie Schafe unter Wölfe und sind doch nicht schutzlos: Sie gehen „im Namen Jesu“. Sie haben Vertrauen, dass das, was dem Glauben entgegensteht und lebenszerstörerisch wirkt, ihnen nicht schaden wird, weil sie zu Jesus, zu Gott gehören.
2. Die Jünger sollen zu zweit gehen, nicht alleine. Es tut gut, einen Weggefährten an der Seite zu haben – zum Austausch, zur Beratung, aber auch zum Feedback und zur geschwisterlichen Zurechtweisung. Jesus sendet die Jünger zu zweit vor sich her. Zu zweit! Zu meinem Weihekurs 2004 gehören noch 6 Kollegen. Ich war damals sehr dankbar, dass der Focus nicht alleine auf mich gerichtet ist – mit all den Erwartungen. Heute steht der Neupriester alleine vor dem Bischof. Der Priester - ein Exot, der sich ein Netzwerk aufbauen muss, über die Kirchengemeinde hinaus, um seinen Dienst gut ausüben zu können.
3. Auffällig ist die unaufdringliche Weise, in der die Zweiundsiebzig bei ihrer Mission handeln sollen. Sie erzwingen nicht die Aufnahme in einer Stadt. Sie bieten Frieden und Begegnung an. Doch nur bei denen, die selbst friedliebend sind, „bleibt“ der Friede auch. Nicht einmal die von Jesus ausgesandten Menschen können also jemandem Frieden bringen, der dazu nicht fähig oder bereit ist. Eine unheimliche Gelassenheit wird in dieser Haltung deutlich, nichts zu erzwingen und dem Menschen die Entscheidungsfreiheit zu schenken.
4. Ähnlich ist es mit der Begegnung: Dort, wo Begegnung gewollt wird, findet ein heilsamer Austausch statt – die Kranken werden geheilt, die Botschaft vom Reich Gottes übermittelt. Im Gegenzug werden die Gesandten mit Essen und Trinken versorgt. Dort, wo Begegnung verweigert wird, behält jeder, was er hatte: Die Krankheit bleibt beim Kranken, die Botschaft bei seinem Verkünder, Speise und Trank bei den Hausbewohnern. Sogar der Staub auf den Füßen wird zurückgelassen. D. h. auch Jesus bietet die Begegnung an, doch der Mensch kann sich weigern, sie anzunehmen – aus Angst, Desinteresse oder Misstrauen. Dann jedoch entsteht ein Bruch in der Beziehung zu Gott.
5. Was heisst das nun für unsere Kirche und unser Christsein? Manchen Menschen ist die katholische Kirche zu lasch und zu unverbindlich geworden. War es früher besser, dass z. B. die Kinder und Jugendlichen in die Kirche gezwungen wurden? Dass sie gar nicht erst gefragt wurden, wenn es zum Beispiel um Beichte ging? Natürlich brauchen gerade Kinder und Jugendliche Entscheidungshilfen und Wegbegleiter, die sie vorbereiten und ermutigen, „Solange du deine Füße unter meinem Tisch...!“ Diese Worte kennen wir...! „Geschadet hat es uns nicht“, heisst es oft im Nachhinein. Der soziale Druck war doch in einer Dorfgemeinschaft groß, auszuscheren. Wie soll da die Gnade wirksam werden?
6. Die jesuanische Haltung spricht mich an:
Menschen sind eingeladen, ihn und seine Botschaft aufzunehmen.
Menschen sind eingeladen, ihm zu folgen und Gemeinschaft zu erfahren.
Menschen sind eingeladen, ihm in Tat und Wort zu antworten: freiwillig, aus freien Stücken, aus ganzem Herzen.