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Advent buchstabieren

Adventskranz St. Pius 2022
Datum:
Veröffentlicht: 27.11.22
Von:
Stefan Fleischmann
Jedes Jahr sind wir eingeladen, auf dem Hintergrund unseres Lebens, unserer Welt und unserer Zeit den Advent neu zu buchstabieren. Nehmen wir uns ein wenig Zeit und Ruhe hierfür.

Liebe Schwestern und Brüder,

jedes Jahr sind wir eingeladen, auf dem Hintergrund unseres Lebens, unserer Welt und unserer Zeit den Advent neu zu buchstabieren. Nehmen wir uns ein wenig Zeit und Ruhe hierfür:

A wie Ankunft:

Wir feiern im Advent die Ankunft Jesu Christi bei uns, sein Ankommen in unseren Herzen. Karl Valentin sagte einmal: „Ich bekomme heute Abend Besuch. Ich hoffe, dass ich zu Hause bin.“ Oft gibt es ein großes Durcheinander und Zertreutsein – in den Gedanken und Gefühlen. Die Adventszeit lädt ein, mit sich selbst in Berührung zu sein, damit er bei und in mir ankommen kann.

D wie Dasein

Dasein, hellwach sein, präsent sein, ganz gegenwärtig im Hier und Jetzt- wie eine Kerze, die leuchtet, um Augen und Ohren aufzutun für den Moment und den Augenblick, der mir geschenkt ist und dem ich wertschätzend begegne – ob Freud oder Leid. Dasein und Wachsein – im hier und jetzt leben – geöffnet wie eine Schale, die empfängt: Gnade.

V wie Versöhnen

Wenn man sich auf ein großes Fest vorbereitet, kann ein schwelender Streit bei aller Geschäftigkeit die Festtagsstimmung trüben. Wer unbeschwert feiern will, der sucht Wege der Versöhnung, mit sich, mit anderen und mit Gott. Sich Versöhnen und verstehen- wer wünscht sich das nicht?! Der Advent lädt ein, um das Weihnachtsgeschenk des Friedens und der Versöhnung zu bitten. 

E wie Erlösung 

Als Erlöste und Gerettete seine Wege gehen im Licht und in der Gegenwart des Herrn. Das lässt aufatmen und befreit leben. . Was kann schon passieren für den, der Ursprung und Ziel des Weges kennt?! Der Heilige Augustinus beschreibt das in seinen Bekenntnissen so: „Mit einander reden und lachen, sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen, zusammen schöne Bücher lesen, sich necken, sich aber einander Achtung erweisen, mitunter sich auch streiten- ohne Hass, wie man es wohl auch mit sich selber tut, manchmal in den Meinungen auseinandergehen und damit die Eintracht würzen, einander belehren und voneinander lernen, die Abwesenheit schmerzlich vermissen, die Ankommenden freudig begrüssen – lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen, die sich äussern in Miene, Wort und tausend freundliche Gesten, und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entflammen, so dass aus Vielfallt Einheit wird.“

N wie Nachbar und Nächster

Einen Blick für den Nächsten bewahren. Ein freier Platz an Weihnachten ist ein Zeichen dafür, mit seinem Nächsten zu rechnen, der in Not ist und der Hilfe braucht. Ob ich sein Klopfen höre? Was ist, wenn er wirklich vor der Türe steht? 

T wie Trösten oder Trauern

Karl Rahner spricht von einer „getrösteten Trauer“. Der Advent lädt ein, Trauer zuzulassen und sie anzuschauen. Und zugleich den Trost Gottes zu spüren, der mir gerade jetzt nahe sein möchte. Der Advent lässt erahnen, sich nie mehr alleine zu fühlen, sondern getröstet von dem, nach dem ich mich sehne. 

Vielleicht haben Sie diese Woche einmal Zeit, diesen Advent ganz persönlich in Ihren Alltag hinein zu buchstabieren. Anschließend dürfen Sie gerne Stille halten und Ihre Gedanken in einem freien Gebet zusammenzufassen und an Gott richten. In diesem Sinne wünsche ich uns einen gesegneten Advent.