Albatros, Alcatraz, Akanthus?


Die Kolpingsfamilie trägt nicht umsonst die Bezeichnung Familie im Namen. Wir sind eine Gemeinschaft, die in Freud und Leid zusammensteht. Dementsprechend stand auch der Ausflug zu den Akanthusaltären in der Oberpfalz am 7. September nicht nur im Zeichen von Entdeckungsfreude und Reiselust, denn leider war der Ideengeber für diese Fahrt eine Woche zuvor verstorben. Umso tröstlicher war es für die Angehörigen zu erleben, welch großen Anklang der Ausflug bei den 35 Teilnehmern fand und wie begeistert alle von dem, was sie an diesem Tag zu sehen bekamen, waren.
Dabei hatte im Vorfeld nicht jeder so genau gewusst, was ein Akanthusaltar war, was zu sehr originelle Wortneuschöpfungen wie Albatros-, Akazien- oder Alcatraz-Altären geführt hatte. Was also hat es mit den Akanthusaltären auf sich?
Akanthus ist eine Pflanzengattung aus dem Mittelmeerraum. Die distelartigen Blätter wurden bereits in der Antike als Schmuckelement in der Kunst verwendet. Eine weitere Hochzeit erlebte das Ornament im Barock. Man könnte sagen, dass die Akanthusaltäre eine Gegenströmung zu den mächtigen und kolossal aufragenden Altararchitekturen bilden, die während des 17. Jahrhundert in Kathedralen und Klosterkirchen üblich waren. Das Blattwerk auf dem Altaraufsatz kann sich nämlich optimal in jede Raumform und jede noch so kleine Kirche mit beengten Verhältnissen einfügen. Die Form erinnert an eine Monstranz. Akanthusaltäre sind eine für die Oberpfalz typische Sonderform hochbarocker Altäre. Sie sind aber nicht nur in der Oberpfalz zu finden, sondern zahlreich auch im benachbarten Böhmen sowie in Niederbayern, in Österreich, vereinzelt in Schlesien, Ungarn und Slowenien. Die meisten Beispiele entstanden zwischen 1680 und 1720 abseits der großen Zentren – geschaffen nicht etwa von berühmten Künstlern, sondern meist von örtlichen Handwerkern.
Die Kolpingsfamilie besichtigte sowohl den ältesten datierbaren Akanthusaltar der Oberpfalz in der 1687 geweihten Wallfahrtskirche St. Quirin in Püchersreuth als auch den jüngsten in der 1935 erbauten katholischen Herz-Jesu-Kirche in Thumsenreuth. Außerdem stand ein Besuch in der 1717 errichteten Schlosskirche St. Katharina in Reuth bei Erbendorf, die einen der prächtigsten Akanthusaltäre der Region beherbergt, auf dem Programm. Die Brotzeit in einer Zoiglwirtschaft durfte natürlich auch nicht fehlen.







