„Amoi seg ma uns wieder“

Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt Schlager, die sich Angehörige zur Trauerfeier ihres lieben Verstorbenen immer wieder wünschen. Das Lied von Andreas Gabalier...“Amoi seg ma uns wieder. Einmal seh‘n wir uns wieder. Einmal schau ich auch von oben zu. Auf meine alten Tage, leg ich mich dankend nieder und mach für alle Zeiten meine Augen zu.“ Während der christlicher Glaube in der Gesellschaft allmählich verdunstet und wir hinsichtlich unseres eigenen Glaubens sprachlos und müde werden, findet Andreas Gabalier die richtigen Worte für seine verstorbenen Vater und seine Schwester und für alle Menschen, die mit dem Tod konfrontiert werden und Abschied nehmen müssen. „Alles was bleibt ist die Erinnerung und so langsam wird mir klar, dass nichts mehr ist wie’s war. Dann soll die Hoffnung auf ein Wiedersehn, mir die Kraft in den Herzschlag legen um weiter zu leben.“
Alle Ostergeschichten beginnen damit, dass ihre Liebsten zum Grab gehen. Das ist kein gewöhnlicher Gang, wie wenn man zum Einkaufen geht. Und auch kein Spaziergang. Ein beschwerlicher Weg voller Schmerz, einen geliebten Menschen nicht mehr – wie in gewohnter Weise - bei sich zu haben. Ein Weg zerplatzter Träume, das eine oder andere nicht mehr so miteinander erleben zu dürfen. Ein Weg, der einen letzten Liebesdienst an seinen Liebsten zum Ausdruck bringt: „Die Frauen gehen am Ostermorgen mit ihren wohlriechenden Salben zum Grab.“ Der Ort des Grabes wird zum Wendepunkt und zum Ort der Hoffnung, der aber jede Erfahrung übersteigt: „Ich weiss, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Welcher Trost! Und später: Welch innere Freude! Der Gott, der das Leben will, hat das letzte Wort. Ich darf aufatmen und leben!
„Einmal seh‘n wir uns wieder. Einmal schau ich auch von oben zu. Ein Licht soll dir leuchten bis in die Ewigkeit, zur Erinnerung an die Lebenszeit.“Andreas Gabalier bleibt nicht am Grab stehen, so wie es die Jüngerinnen und Jünger auch nicht tun: „Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werden ihr ihn sehen“. Sie laden uns ein, nicht bei den leeren Gräbern und dem erstorbenen Vertrauen, der erstorbenen Hoffnung, der erstorbenen Liebe zu bleiben, sondern uns bewegen zu lassen von der unzerstörbaren Lebens- und Liebeskraft unseres Gottes und seines auferstandenen Sohnes, auch wenn es für Viele, wie damals zu biblischen Zeiten, nur Geschwätz ist. Auch wenn es innere ABERS des Wiederstandes gibt, bewegt uns das TROTZDEM wider alle Hoffnung zu glauben und zu vertrauen, dass es dennoch weitergeht und gut ausgeht. Denn: Ostern ist ein Fest des Sieges über den Feind der Sünde und des Bösen, es ist ein Fest des Aufstandes gegen Not und Tod, ein Fest des Auferstehens für das Leben in Fülle für alle Menschen.
Liebe Schwestern und Brüder,
das ist mein größter Wunsch an diesem Ostern, dass der Auferstandene uns ermutigt, nicht am Grab der Enttäuschung und Wut, der Ohnmacht und des Zweifels stehenzubleiben, sondern ohne Furcht weiterzugehen und uns neues Vertrauen schenken zu lassen – auch in dieser unserer Kirche.
Ach ja, zum Thema Kirche – ein Osterwitz:
„Der Pfarrer, ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker, ist in Gedanken noch ganz bei seinem Frühstück, und so erzählt er in seiner Predigt: Der heutige Tagesheilige ist Konrad von Parzham. Er war Mönch im Cappucino-Orden“
Nun ja, sich nicht mit den Gräbern zufrieden geben, rein ins neue Leben und tatkräftig Zeugnis geben vom Lebendigen!
Ein gewisser Donald hat das für seine Situation so gedeutet:
„Ein Gefängnisaufseher in New York teilt seinem Kollegen mit: In dieser Nacht ist der Gefangene Donald aus Zelle 313 ausgebrochen.“
Na Gott sei Dank! Sein Gefeile tagelang ging mir mächtig auf die Nerven.“
Liebe Schwestern und Brüder,
„Amoi seg ma uns wieder. Einmal seh‘n wir uns wieder“, in dieser und in der kommenden Welt, weil EINER uns vorangeht, der auch nicht am Grab stehen geblieben ist.
Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.
Amen.