Auf den Spuren des Seligen Bernhard Lichtenberg

In den vergangenen Tagen habe ich mich auf Spurensuche begeben. Ich wollte mehr wissen über unseren Pfarrpatron, den Sel. Bernhard Lichtenberg. So habe ich an der gestrigen Bernhard Lichtenberg Wallfahrt in Berlin teilgenommen. Der 5.11.1943 ist sein Sterbetag, als er auf dem Weg von Berlin nach Dachau ins KZ war und schließlich in Hof (genauer gesagt im Krankenhaus) starb. - Es war mir ein inneres Bedürfnis, seinen Lebensweg nachzuspüren: was er tat und für wen und für was er eintrat und seine Stimme erhob. Es war für mich als Pfarrer einfach dran! Vor allem das Gebet an seinem Grab und in der Gedenkkirche Regina Martyrum.
Im Diözesanarchiv bekam ich Einblick in seine Gefangenenakte 1941-1943. Minutiös hatte der Staatsapparat alles genau dokumentiert und festgehalten: seine Anträge, seine Besuche, seine Briefe, seinen Lebenslauf, u. v. m. Der letzte Brief beeindruckte mich sehr; er schrieb ihn am 27. September 1943 – also 5 Wochen vor seinem Tod:
„Wenn ich von hier aus die letzten zwei Jahre überblicke, will und muss ich Gott aus ganzer Seele danken, auch allen, die Seinen heiligen Willen an mir zur Ausführung brachten. Es ist mein fester Entschluss, die Exerzitienvorsätze mit Gottes Hilfe zur Ausführung zu bringen, die ich vor Jahren nach den dreißigtätigen Exerzitien gefasst habe, nämlich:
a) Ich will alles, was mir widerfährt, Freudiges und Schmerzliches, Erhebendes und Niederdrückendes, im Lichte der Ewigkeit ansehen.
b) Ich will meine Seele besitzen in meiner Geduld.
c) Ich will in keinem Gedanken, in keinem Worte und in keinem Werk sündigen.
d) Ich will alles aus Liebe tun und alles aus Liebe leiden.
Ich habe noch Lebensmut für 20 Jahre, aber wenn der liebe Gott will, dass ich noch heute sterben, so soll sein heiliger Wille geschehen.“
Ich muss gestehen, es war für mich ein bewegender Moment, diese Zeilen im Archiv zu lesen. - Wir wissen: Der sel. Bernhard Lichtenberg ging aufs Ganze und bezeugte seinen christlichen Glauben. Ich habe mich dann selbst gefragt: Wie ernst ist es jeden Einzelnen von uns mit dem christlichen Glauben – heute?
Der Petrusbrief (1 Petr. 3,15ff) spricht von der Hoffnung, die uns erfüllt, die in uns lebendigen Menschen lebt. Bernhard Lichtenberg findet dafür andere Worte: „Alles im Licht der Ewigkeit sehen“. Im Petrusbrief steht weiter: Ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren Lebenswandel in schlechten Ruf bringen, beschämt werden. „Ich werde meinem Gewissen folgen“, so bekennt Bernhard Lichtenberg. Es ist das Gewissen, das Maß nimmt an der Stimme Gottes, an seinem hl. Wort, das den Menschen in seinem Innersten erreichen will!
Bernhard Lichtenberg hat mich deswegen innerlich bewegt, weil er uns Christen heute noch an ein Profil des Christseins erinnert, nämlich in zweierlei Hinsicht...
a) die Hoffnung, eine Perspektive der Hoffnung zu haben und unseren Mitmenschen hoffnungsvoll zu begegnen;
b) die Wahrheit, an die unser Gewissen immer gebunden bleibt und die wir immer wieder neue (auf) suchen müssen!
Seliger Bernhard Lichtenberg, bitte für uns und unsere ganze Pfarrgemeinde, damit wir auf dem hoffnungsvollen Weg der Nachfolge Jesu Christi bleiben, der sagt: „Ich bin Weg, Wahrheit und Leben!“

