Begegnung mit dem Heiligen Geist im Alltag

Begegnungen im Alltag, Teil 1
Wir kennen Lebenssituationen, in denen wir gut einen Beistand brauchen können: Mutter, Vater, einen Freund, eine Freundin, Ehepartner, etc. – „Ohne dich hätte ich das nicht geschafft und durchgestanden.“ Die Hilfe besteht oft darin, dass ein mir wichtiger Mensch einfach da ist und mir beisteht.
Jesus spricht nochmals von einem anderen Beistand, dem Heiligen Geist. In vielfältigen Lebenslagen ist er ein wichtiger Ratgeber, Tröster und Mutmacher. Er befähigt, in die Fußspuren Jesu zu treten, so zu handeln wie er gehandelt hat.
Zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten betet die Kirche um die sieben Gaben des Heiligen Geistes: um den Geist der Weisheit und der Einsicht, des Rates, der Erkenntnis und der Stärke, den Geist der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.
Jeden Morgen bin ich eingeladen, um diese sieben Gaben des Heiligen Geistes zu beten, damit ich
- in einem wichtigen Gespräch gute Worte finde;
- das Wichtige vom Unwichtigen unterscheide;
- eine Perspektive sehe in einer großen Herausforderung;
- im Nächsten Gottes Geschöpf erkenne;
- innere Kraft und Ausdauer erhalte;
- den Willen Gottes erkenne;
- ….
Ich sitze im Bus, im Zug, am Computer, im Wartezimmer: Ich schließe die Augen, bilde mit meinen Händen eine kleine Schale, öffne mein Herz. Ich spreche: „Komm, heiliger Geist.“
Begegnung mit dem Heiligen Geist im Alltag, Teil 2
Ich walke am Fluss entlang. Ich sehe vor allem junge Menschen. Die genießen diesen herrlichen Frühlingstag kurz vor Pfingsten – freilich jeder auf seine Weise: sie unterhalten sich zu zweit auf einer Bank; andere sitzen in kleinen Gruppen im Gras und bereiten ihr Mitgebrachtes auf dem Grill. Ich höre Gitarrenklänge und Vogelgezwitscher, Kinderlachen und den Aufprall eines Volleyballs. Und ich sehe Menschen verschiedener Nationalitäten: Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche – in Eintracht beieinander; sie spielen, lachen, essen, trinken, musizieren. Ich spüre im Herzen: Hier herrscht wirklich ein guter, friedvoller Geist.
Ich walke weiter am Ufer entlang. Ob die jungen Leute mit dem Heiligen Geist etwas anfangen können? Was antworten sie mir, wenn ich sie jetzt nach der Bedeutung des Pfingstfestes fragen würde?
Auf dem Rückweg denke ich: Gottes Geist, der das Antlitz der Erde erneuert, ist doch schon da, mitten unter uns, mitten im Alltag, … ob die Menschen es wissen oder nicht. Der Heilige Geist ist spürbar, wo Menschen friedlich miteinander leben, einander wertschätzen, sich lieben und achten, Freude in ihrem Leben verspüren, im Einklang mit der Schöpfung stehen.
Für diese Begegnungen im Alltag darf ich dankbar sein. Und bitte darum, dass alle Menschen auf der Welt sich diesem guten Geist Gottes öffnen, damit sie
- ein Band der Einheit in der Verschiedenheit knüpfen;
- einen Bund des Friedens und der Eintracht schließen;
- ein Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht setzen;
- ein Volk von Brüdern und Schwestern sammeln;
- eine Stadt voll Licht und Wärme bauen;
- EINE Welt schaffen, in der DU wohnst.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes Pfingstfest 2023.
Stefan Fleischmann, Pfarrer