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Beten – ganz leicht: Mein Draht zu Gott

Heiliger Geist
Datum:
Veröffentlicht: 31.5.25
Von:
Stefan Fleischmann
Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit - Einladung zum Gebet um den Heiligen Geist

Liebe Schwestern und Brüder,

wir hören heute einen Ausschnitt aus dem sog. hohenpriesterlichen Gebet. Der Evangelist Johannes schenkt Jesu Fürbittgebet viel Raum. Nun, wenn wir zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten in besonderer Weise um den Heiligen Geist beten und bitten, dann stoßen wir auf verschiedene Fragen:

  • Was ist beten eigentlich genau?
  • Theresa von Avila sagte einmal: „Mit IHM kann ich reden wie mit einem Freund, obgleich er der Herr ist.“ Das ist eine wunderschöne Formulierung, was das Beten bedeutet. Wie mit einem guten Freund tritt der Beter mit Gott in Beziehung, sozusagen:
  • „Was gibt’s Neues?“
  • „Was steht gerade an!“
  • „Wo drückt der Schuh?“
  •  „Was liegt mir auf dem Herzen?“
  • “Was liegt mir am Herzen?“
  • Wie ist das möglich?

Als Christen können wir mit Gott in Beziehung treten, weil er in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus zu einem DU geworden ist. Ist das nicht großartig? Die Emmausjünger, die von Jerusalem nach Emmaus unterwegs sind, erfahren diesen unbekannten Weggefährten als einen guten Gesprächspartner. Er gesellt sich dazu, hört zu und ist einfach da. Am Abend stellt sich heraus: der treue Wegbegleiter ist Jesus selbst. Und sie sagen zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“

Wofür soll beten gut sein?

Ich sage es einmal so: Bei der Taufe hat Gott jeden von uns ganz liebevoll beim Namen gerufen: „Du, ich liebe dich! Aus meinen Händen fällst du niemals heraus.“ Das Gebet ist quasi die Antwort darauf – jeden Tag neu. Man könnte auch sagen: Der liebe Gott und ich haben eine Beziehung und treten immer wieder in Beziehung zueinander. In guten Tagen, aber besonders in schlechten Tagen und dunklen Zeiten ist Gott im Gebet wertvoller Anker und letzte Zuflucht.

Was bringt es mir?

Im Gebet komme ich mit meinem Innersten in Berührung, das in Worte zu geben, was ich fühle, was ich spüre, was ich bestaune, was ich in Frage stelle, was mich zweifeln lässt, was mich zum Jubeln bringt und worüber ich mich freuen darf. Außerdem besitzt das Gebet eine besondere Kraft: Es führt zusammen und schafft ein Gemeinschaftsband, geliebt zu werden und füreinander da zu sein. Dieses erfahrene Liebesband stärkt das Vertrauen zu Gott und in Gott, dass ER ein liebender Gott ist und ER über allem steht.

Die Heilige Mechthild von Magdeburg gibt eine sehr schöne Antwort, was das Gebet eigentlich bringt, welchen Nutzen es hat:

„Das Gebet macht ein bitteres Herz süß, ein trauriges Herz froh, ein armes Herz reich, ein törichtes Herz weise, ein zaghaftes Herz kühn, ein schwaches Herz stark, ein blindes Herz sehend. Es zieht den großen Gott in ein kleines Herz. Es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle.“

Wie geht das eigentlich – beten?

Jesus wurde das auch einmal gefragt: „Herr, lehre uns beten?“ „Wie geht das überhaupt?“ „Und wie spreche ich – den großen Gott - überhaupt an?“ Jesus hat eine sehr gute Beziehung zu seinem Vater und sagt einfach: „Abba“, „Vati“. Was dann kommt ist das „Vater unser“, das Gebet, das von allen Christen weltweit in verschiedenen Sprachen gebetet wird. Ist das nicht toll? Es ist das Alltagsgebet schlechthin, denn es geht um Gott und die Welt: um tägliches Brot, um eine bessere Welt, um Vergebung, Versuchung und Not. So ist das Vaterunser eine wertvolle Hilfestellung, das Beten wieder einzuüben, zu praktizieren und im Alltag zu integrieren.

Wo kann ich überhaupt beten?

Eine dumme Frage: in der Kirche natürlich! – Aber, beten kann ich eigentlich überall und jederzeit: vor der Mahlzeit, beim Spaziergang, beim Nordic Walking, in der Kirche. Die Glocken, die am Morgen, am Mittag und am Abend läuten, erinnern mich, an Gott zu denken und in seiner Gegenwart bewusst zu leben. Da braucht es nicht viel Worte: „Hej, super, dass du da bist!“ Oder: Ich habe ein konkretes Anliegen und zünde in der Kirche eine Kerze an. Ich bin einfach da in dem Bewußtsein, dass auch ER da ist. Sie sehen: Unser Alltag bietet viele Möglichkeiten, dem liebenden Gott Raum zu schenken und mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Wie wertvoll und gehaltvoll ist das Gebet?

Wie wertvoll das Gebet für andere ist, spüre ich immer wieder, wenn ich Kranken oder verzweifelten Menschen sage: Ich zünde abends für Sie eine Kerze an und bin im Gebet mit Ihnen verbunden. Ihnen ist die Dankbarkeit und Erleichterung anzumerken. Das Gebet für uns und für andere muss uns Christen ein Herzensanliegen sein, so wie Jesus es auch verstanden und gelehrt hat. Karl Rahner hat dazu einmal geschrieben: „Wenn die Worte des Gebetes nur von Herzen kommen. Und wenn sie der Geist Gottes mitbetet. Dann hört sie Gott. Dann wird ER keines dieser Worte vergessen. Dann wird ER die Worte in seinem Herzen aufbewahren, weil man die Worte der Liebe nicht vergessen kann. Und dann wird ER uns geduldig, ja selig weiter zuhören, ein ganzes Leben lang, bis wir ausgeredet haben, bis wir unser ganzes Leben ausgeredet haben. Und dann – wird ER ein einziges Wort der Liebe sagen, aber ER ist dieses Wort selbst. Und dann wird der Schlag unseres Herzens stehen bleiben über diesem Wort. In Ewigkeit!“(aus Rahner, Karl. Von der Not und dem Segen des Gebetes).

Liebe Schwestern und Brüder,

es sind sehr schöne Tage bis Pfingsten – getragen und geprägt vom Gebet. Indem wir einmütig wie die vorpfingstliche Urgemeinde – mit den Aposteln, mit den Frauen, die Jesus begleitet haben und mit seiner Mutter und seinen Brüdern – im Gebet verharren, entsteht das Volk Gottes, entsteht die Kirche Jesu Christi inmitten unserer Welt und unserer Zeit – als Brückenkopf in die Ewigkeit. Amen.