Bleibt in meiner Liebe

1. „Bleibt und haltet zusammen.“ Ich habe mich erst kürzlich ertappt, dass ich diesen Satz relativ oft am Ende eines Gesprächs sage: den Taufeltern, den Brautleuten, die Hinterbliebenen. „Bleibt und haltet zusammen!“
2. Das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern könnte in dieser Weise gemeint sein: „Bleibt und haltet zusammen!“ Das ist für die Truppe Jesu sicherlich eine Mammutaufgabe, zu unterschiedlich waren die Interessen und Sichtweisen seiner Jünger, z. B. Wer Jesus ist? Welche Ziele eigentlich gemeinsam angestrebt werden? Welche Rollen und Aufgaben zu vergeben sind? Wie man miteinander umgehen möchte? Ganz abgesehen von den zwischenmenschlichen Beziehungen untereinander und der jeweiligen Person mit seinen ganz menschlichen Bedürfnissen und Lebenskontexten.
3. Spannend! Da kommt einiges zusammen, kennt aber viele Parallelen zum Heute, wenn ich z. B. Teams in Unternehmen und kirchlichen Einrichtungen begleite. Mit einem signifikanten Unterschied oder auch Mehrwert, der für eine christliche Gemeinde ausschlaggebend sein sollte und Dreh – und Angelpunkt ist.
4. Das Johannesevangelium beschreibt den Abend vor seinem Leiden so: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt.“ Die Jünger haben sich offenbar – trotz aller Widrigkeiten - für das Bleiben entschieden, nicht wegzulaufen, nicht aufzugeben, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern gerade jetzt in dieser Stunde seines Handelns, in dem seine Herrlichkeit offenbar wird, beieinander zu bleiben und mit ihm das Abschiedsmahl zu seinem Gedächtnis zu feiern!
5. „Jesus stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.“ In der Fußwaschung kniet in Jesus Gott, der Schöpfer selbst, vor seiner Schöpfung und vor seinen Geschöpfen nieder, und bietet ihnen seine Liebe an, bittet sie um die Annahme seiner Liebe. Dieser Dienst Jesu an seinen Jüngern macht sie tisch –und gemeinschaftsfähig voreinander und füreinander, in seiner Liebe zu bleiben und manches mit IHM und seiner Liebe auszuhalten. „Du, Herr, willst mir die Füße wachen!“ Diese Frage des Petrus stimmt nachdenklich, indem er in dieser grenzenlosen Liebe plötzlich Schranken aufrichten möchte.
6. Das Mahl mit Brot und Wein als erinnerndes und dankbares Gedenken an Jesus ist die immerwährende Begegnung mit dem Herrn,
- in der eigenen menschlichen Begrenztheit, im Misserfolg und in der Ohnmacht mit seiner Liebe verbunden zu sein,
- in den Versuchungen des Lebens und unserer Zeit bei IHM zu bleiben,
- umgeben von Zwietracht, Unfrieden und Menschenfurcht in seiner Gemeinschaft zu bleiben, zu leben, zu arbeiten, zu beten, zu hoffen, zu glauben – ja Leben miteinander und füreinander zu gestalten und zu teilen (=Agape).
7. Der Heilige Paulus sagte einmal: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Im Empfang der hl. Kommunion kommt das leibhaft zum Ausdruck, ja noch mehr, durch mein Leben in Christus führe ich andere zur Freundschaft mit ihm.
8. „Bleibt und haltet zusammen!“ Das ist keine Floskel, sondern auch ein Wunsch für heute Abend und für unsere Pfarrgemeinden im Seelsorgebereich Hofer Land.