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Da pacem Domine in diebus nostris!

Puer natus est
Datum:
Veröffentlicht: 14.12.22
Von:
Dr. Ludger Stühlmeyer
Grüße des Kantors Dr. Ludger Stühlmeyer an alle Musizierende, Musikliebhabende und Fördernde, Sängerinnen / Sänger und Bands sowie die ganze Pfarrei Bernhard Lichtenberg

Liebe Musizierende, Musikliebhabende und Fördernde,

liebe Sängerinnen und Sänger und Bands,

liebe Pfarrei Bernhard Lichtenberg!

 

Da pacem Domine in diebus nostris! (Einsiedeln 12. Jh., Martin Luther 1529)

 

Ein Video ging um die Welt und das Bild hat sich vielen eingeprägt: eine junge Musikerin, die in einem Keller in der Ukraine per Livestream für ihre Mitmenschen spielt. Die friedensstiftende Wirkung der zu Herzen gehenden Melodien war selbsterklärend, sie vermittelte sich ohne Worte.

Im althochdeutschen bedeutet das Wort fridu (Frieden) u.a. Freundschaft und wird als ein heilsamer Zustand definiert. Durch die Musik zieht sich der Friedensgedanke wie ein rotes Band, vom Psalm 122, einem Wallfahrtslied des Altertums und weiter über frühmittelalterliche Antiphonen. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges vertonte beispielsweise Heinrich Schütz das „Da pacem Domine, in diebus nostris“: Verley uns frieden gnediglich, Herr Got zu unsern zeyten. Es ist doch ya keyn ander nicht, der für uns künde streitten. Denn du unser Godt allaine. Im Barock, der Klassik und der Romantik sowie in der Moderne entstanden zahlreiche weitere Friedensmusiken, etwa der Popsong John Lennons: Give Peace a Chance (1969) oder The Peacemakers von Karl Jenkins (2011).

Dass Musik Wegbereiterin des Friedens sein kann, erhellt beim Diktum bis orat qui cantat, doppelt betet wer singt. Denn da es Gesinnung und Ausrichtung sind, die das Wesen der Töne bestimmen, wird eine Musik umso friedenstiftender sein, je mehr sie gesungenes, inniges Gebet ist.

Ganz gleich ob als flehende Bitte, wie in zahllosen Vertonungen des Agnus Dei (Ἀμνὸς τοῦ Θεοῦ), der liturgischen Lamm-Gottes-Bitte: …dona nobis pacem oder bei kriegerischen Auseinandersetzungen, Musik bricht sich an entscheidenden Wendepunkten unseres Lebens ganz automatisch Bahn.

Grund genug, Melodien anzustimmen, die dazu beitragen, dass Gewalt dem Frieden weicht. In meiner Osnabrücker Heimat, die 2023 die 375. Wiederkehr des Westfälischen Friedens feiert – geschlossen 1648 in den Städten Münster und Osnabrück am Ende des 30-jährigen Krieges – wird dies u.a. mit der Aufführung meiner Friedensmotette Gib Frieden, Gott, zu unserer Zeit geschehen.

 

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen… (Lk 2,14)

Musik vermag Brücken zu bauen von Mensch zu Mensch, von Land zu Land, zwischen Himmel und Erde. Darum ist es kein Zufall, dass Weihnachten ein so musikalisches Fest ist, dass die Geburt Jesu Christi auch der Quellgrund der Kirchenmusik ist. Im Urklang kommt Gott zu uns. Mit dem Gloria der Engel beginnt jene Klangspur des Glaubens, die im Himmel ihren Ursprung hat und uns Menschen genau dorthin führt, wo wir im tiefsten Zuhause sind, zum Kind in der Krippe, das uns mit dem lichten Lächeln aus der Krippe heraus zur Nachfolge verlockt.

Dass wir die Wirren des Alltags am besten mit einem Lied auf den Lippen bewältigen, auch in der Nachfolge dessen, der für uns geboren, gestorben und auferstanden ist, leuchtet ein und uns immer wieder neu auf.

In unserer Stadt Hof wird Musikkultur großgeschrieben. Dass Sie alle sich um eine gute Musik in unseren Kirchen immer wieder bemühen und sich einbringen, ist ein Geschenk!

Darum ein von Herzen kommender Dank allen, die das Jahr 2022, sei es als Gestaltende, Hörende oder Unterstützende, zum musikalischen Erlebnis gemacht haben – auch im Namen unseres Leitenden Pfarrers Stefan Fleischmann, der die Kirchenmusik so sehr schätzt und zu unserer Freude auch genießt!

Mit besten Wünschen für ein lichtvolles Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes und gesegnetes neues Jahr 2023 verbleibe ich,

 

Ihr / Euer

Dr. Ludger Stühlmeyer                                                

Musikdirektor ACV

Stadt- und Dekanatskantor