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„Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke!“ (Epheserbrief 1)

Chorraumfenster
Datum:
Veröffentlicht: 4.1.25
Von:
Stefan Fleischmann
Predigt zum zweiten Sonntag nach Weihnachten

 

Liebe Schwestern und Brüder,

1. vor dem Heiligen Paulus hatten wir im Theologiestudium großen Respekt. Nicht vor ihm selbst, sondern vor seinen Briefen, die „hochtheologisch“ waren. Unser Professor für Neues Testament hatte besonders den Brief des Apostels Pauls an die Römer ins Herz geschlossen. Und weil das nicht genügte –in der Ursprache „griechisch“.

2. Nun, man mag sich fragen, ob die ersten Christen den hl. Paulus überhaupt so richtig gut verstanden haben, was er in seinen Briefen schrieb: Im Brief an die Hebräer, an die Galater oder an die Gemeinde in Ephesus, aus dem die Lesung des heutigen Sonntags stammt. Kommentare hierzu gibt es genug; und auch mein Bücherschrank ist davon gut gefüllt. Oft sind die Bibelwissenschaftler selbst uneins, wie nun dieser oder jener Abschnitt wohl zu verstehen ist.

3. Der Heilige Paulus kann aber auch anders: Man muss kein großer Theologe sein, um festzustellen, dass seine Briefe oft mit einem Gebet beginnen oder enden; in ganz einfacher Sprache hören wir heute den Beginn seines Briefes an die Gemeinde in Ephesus: „Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke!“

4. „Ich denke an Sie!“ Das tut gut. Das merkt man am Gesichtsausdruck. Und noch mehr: „Darf ich heute Abend für Sie beten?“ Da leuchten oft die Augen. „Ja, gerne, Herr Pfarrer. Ich danke Ihnen!“ Gerade Menschen nehmen dieses Angebot gerne an, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr beten können. Und ich nehme diesen Auftrag ernst, für diese Menschen dann auch zu beten und sie in meinen Gedanken zu segnen, für sie eine Kerze anzuzünden.

5. „Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke!“ Mit diesem Satz kommt viel zum Ausdruck, nämlich eine Beziehung, eine innige Beziehung des Heiligen Paulus zu seinen Gemeinden. Paulus war ein Gemeindegründer und zog auch immer weiter zur nächsten Gemeinde, aber er blieb mit seinen Gemeinden verbunden. Was hielt diese Verbindung, diese Beziehung aufrecht: seine Briefe, das Aneinander-Denken, das Gebet, ohne dass er selbst vor Ort präsent war. Paulus verkörpert in seiner Haltung wohl ein wesentliches Merkmal des Priesterbildes im 21. Jahrhundert.

6. Paulus betet regelmäßig für die Gemeinden, die er gegründet hat und die er jetzt nur alle paar Wochen oder Monate leibhaftig wiedersieht: „Gott gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen sein!“ Es sind wunderbare Worte: Herz, Verstand, Weisheit, Hoffnung der Menschen – all das umfasst sein Gebet.

7. Für andere zu beten, das schafft Beziehung. Bei den eigenen Familienangehörigen ist das kein Problem. Aber das Gebet kann auch eine Beziehung zu denen stärken oder auch reinigen, mit denen man in Konflikt steht, die einem nicht so nahe sind, die man leicht vergisst oder auch die Verstorbenen: „So lange ihr an mich denkt, bin ich nicht ganz tot!“ So hört man manchmal Sterbende sagen. Stimmt! Und so lange man für sie betet, bleibt die Beziehung zu ihnen stark, wenngleich in neuer Weise.

8. „Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke!“ Vor über 20 Jahren kam unser Ausbildungsleiter, der Regens des Priesterseminars Bamberg, in den Frühstückraum uns sagte: „Es werden Gebetspatenschaften vergeben!“ Es war ungefähr 2 Stunden vor der Priesterweihe. Ich habe erst einmal ungläubig drein geschaut, was er denn schon wieder möchte. „Eine Ordensgemeinschaft betet für den jeweiligen Neupriester.“ Die Gemeinschaft der „Englischen Fräulein“, die Congregatio Jesu, hat mich auserkoren, für mich zu beten. Diese Gebetspatenschaft hat bis heute gehalten, sie stärkt mich für meinen Dienst und stimmt mich froh, dass Menschen an mich denken und für mich beten. „Schauen Sie“, sagte einmal eine Ordensschwester, „sie liegen in meinem Gebetbuch!“ Solche Gebetspatenschaften könnte es auch innerhalb unserer Pfarrei geben, z. B. für die Täuflinge oder Erstkommunionkinder.

9. „Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke!“