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Das Sprachenwunder von Pfingsten

Pfingstgottesdienst 2023
Datum:
Veröffentlicht: 30.5.23
Von:
Bernhard Kuhn

Festgottesdienst zum Geburtstag der Kirche

Die katholische Pfarrgemeinde Bernhard Lichtenberg hatte zum „Geburtstag der Kirche“ zu einem Festgottesdienst in verschiedenen Sprachen nach St. Konrad in Hof eingeladen.
Pfingstgottesdienst 2023

Die katholische Pfarrgemeinde Bernhard Lichtenberg hatte zum „Geburtstag der Kirche“ zu einem Festgottesdienst in verschiedenen Sprachen nach St. Konrad in Hof ein.

Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer hatte mit dem Bernhard-Lichtenberg Chor ein pfingstliches Musikprogramm vorbereitet. Die Sängerinnen und Sänger ließen das Lob Gottes in lateinischer, italienischer, französischer, deutscher, englischer und polnischer Sprache erklingen. Lea Stühlmeyer und Tomasz Kuśmierz brachten Solobeiträge zu Gehör. Mit den Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Robert Jones, Perangelo Sequieri und Ludger Stühlmeyer waren zudem Werke aus dem gesamten Spektrum der Kirchenmusik vertreten. Die Pauken, die Dr. Ludger Stühlmeyer von einem ehemaligen Mitglied der Hofer Symphonikern zum Geschenk gemacht worden waren, unterstrichen mit ihrem tiefen Klang das auf Deutsch und Polnisch erklingende Schlusslied “Großer Gott, wir loben dich”. Auch die Liturgie , die der Leitende Pfarrer Stefan Fleischmann zusammen mit dem polnischen Priester P. Pawel Hardej zelebrierte, fand teilweise in Latein und Polnisch statt. Die Fürbitten wurden in italienisch, englisch, indisch, philippinisch, und tschechisch vorgetragen.

Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann geht in diesem Festgottesdienst auf dieses Sprachenwunder von Pfingsten ein und nimmt dabei u.a. Bezug auf die Welt- und Ortskirche:

„Wenn auch manche Spötter meinen, dass an Pfingsten die Geschenke, im Vergleich mit anderen Hochfesten am kleinsten ausfallen, wage ich zu behaupten: An Pfingsten erbeten und feiern wir etwas Großartiges – nämlich die großen Geistesgaben, die wir weltweit, politisch, kirchlich und persönlich so dringend brauchen!“ begann Pfarrer Stefan Fleischmann seine Festpredigt. Gerade weil uns oft ein rauher Gegenwind ins Gesicht peitscht, ersehnen wir den schützenden Rückenwind und die stärkende Rückendeckung der Ermutigung. Eben weil wir uns manchmal von allen guten Geistern verlassen vorkommen, weil Vieles immer weniger und komplexer wird, ja weil alles auf Veränderung und Erneuerung ausgerichtet ist, wünschen wir uns einen beständigen Beistand.

Die biblischen Lesungen erzählen vom Pfingstwunder auf sehr unterschiedliche Weise. Zum einen: Pfingsten ist in den Augen des Evangelisten Lukas ein dynamisches Geschehen. Da ist Feuer im Kessel, könnte man sagen. In bildhafter Sprache wird der Geist Gottes beschrieben: Brausen, Sturm, Feuer: „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

Trotz unterschiedlicher Sprachen und Kulturen wären wir im Glauben an den einen Herrn Jesus Christus miteinander vereint und verbunden - weltweit. Einheit in der Vielfalt – auch hinsichtlich kirchenpolitischer Ausrichtungen mit dem Ziel: Gottes große Taten zu verkünden, folgerte der Geistliche. „Wir beißen uns in der großen Kirche an Widersprüchlichkeiten fest und verhaken uns in Absurditäten, wenn ernsthaft behauptet wird, die Kirche müsse zuerst ganz untergehen, ehe man überhaupt daran denken kann, sie geistlich zu erneuern. Oder: Die Vollmacht der Leitung immer mehr aufzusplitten und zugleich, wenn etwas nicht klappt, die Verantwortung auf Pfarrer und Priester zu schieben, die damit zu Zielscheiben und Sündenböcken werden! Wenn ich so manches bedenke, frage ich mich: Wo sind wir gelandet? Wo wollen wir als Kirche in Deutschland und in unseren Gemeinden überhaupt hin? Geht hinaus in die ganze Welt, an die Ränder unserer Gemeinden und verkündet die frohe Botschaft in und mit eurem Leben ... das ist der Auftrag unserer Kirche, eines jeden Christen, noch heute, das geht nicht ohne Friede und Freude in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes!“, folgerte Pfarrer Stefan Fleischmann. Es ginge nicht alleine um die Sprachen, so wie wir sie heute im Gottesdienst zum Teil hören. Vielmehr sei das Verstehen und "verstanden werden" der eigentliche Kern des Sprachenwunders an Pfingsten. Das Verstehen und verstandenwerden der Generationen, der Religionen und der Kulturen und da sei guter Wille eines jeden Einzelnen gefragt: Einander hören, verstehen und wohlwollend annehmen – das Wort des anderen retten, sage ich manchmal, das Gute und Positive im Wort des anderen entdecken und wertschätzen.

Der Evangelist Johannes beschreibt im Tagesevangelium Pfingsten als ein mystisches Geschehen – nach innen ausgerichtet. Die Türen sind zu, verschlossen, dicht – aus Furcht! Jesus kommt in die Mitte seiner Schüler, er ist keine Randerscheinung, eine Nebensächlichkeit: Er kommt in die Mitte! Da freuten sich die Jünger. Und jetzt geschieht etwas ganz Intimes: „Friede sei mit euch ... Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist.“

Die Coronapandemie hätte unsere Gesellschaft, unsere Gemeinden und jeden Einzelnen verändert, stellt Pfarrer Stefan Fleischmann fest. Wir seien innerlich aufgerieben, aufgebracht, gereizt – man könnte auch sagen: dünnhäutig geworden! „Friede sei mit euch. Empfangt den Heiligen Geist.“ Wenn wir uns innerlich versöhnen lassen, dann können wir uns für seine Überraschungen offen und empfänglich sein, um uns auch von ihnen beschenken, beseelen und beflügeln zu lassen. Dann sind wir fähig, das Wunderbare im Einfachen, das Kostbare im Gewöhnlichen sehen zu lernen. Dann bekommt unser Glaube einen neuen Auftrieb und unsere Hoffnung eine große Weite“, schloss der Leitende Pfarrer seine tiefgründende Predigt an diesem Hochfest.

Pfingstgottesdienst 2023