Die Jesuiten waren eine Bereicherung für die Stadt
Der wolkenverhangene Himmel am 24. und 25. Juli über Hof passte genau zur Stimmung der Menschen von St. Konrad: Der Rückzug der Jesuiten aus Hof nach fast 60 Jahren löste bei vielen Wehmut aus. Nicht erst beim Gottesdienst am Sonntag und anschließendem Empfang mit Erzbischof Ludwig Schick und vielen Patres, die in Hof gewirkt hatten, flossen bei vielen Frauen, Männer und Kindern die Tränen.
Am 31. Juli – dem Namenstag des Ordensgründer Ignatius von Loyola – verließen die Jesuiten endgültig Hof. P. Waibel wurde von der Ordensleitung nach Köln versetzt, P. Mader übernimmt die beiden Pfarreien Großhabersdorf und Dietenhofen bei Nürnberg und P. Wisgickl kann nach St. Kunigund in Nürnberg zurückkehren – zumindest für ein Jahr, denn der Jesuiten-Orden hat bereits angekündigt, aus Personalmangel auch die Betreuung dieser Pfarrei wieder ans Erzbistum Bamberg zurückzugeben.
Die Pfarrgemeinde nahm sich ein ganzes Wochenende Zeit, um sich von den Jesuiten zu verabschieden. Der Einladung waren auch viele frühere Hofer Patres gefolgt: P. Singer, P. Wopperer, P. Krämer, P. Liesenfeld, P. Linster, Bruno Gittinger. Und für die Oberzeller Schwestern, die in den 50er Jahren gemeinsam mit den Jesuiten die Pfarrei aufbauten, war Sr. Alexandra Gambitz zum Abschieds-Wochenende gekommen.
Am Samstag Nachmittag veranstaltete die Pfarrgemeinde ein großes Abschieds-und Dankes-Fest auf der Pfarrwiese. Zur Einstimmung ließen Herr Wittke und Herr Böhner in einer Bilder-Schau in der Kirche die fast sechs Jahrzehnte des segensreichen Wirkens der Jesuiten in Hof Revue passieren. Die zahlreichen historischen Fotos sowie ausführliche Beiträge zur Geschichte der Jesuiten in Hof und viele kleine Anekdoten und Geschichten von Gemeindemitgliedern und von zahlreichen Patres selbst wurden auch in einem eigenen Abschieds-Buch zusammengefasst – die fast 600 Exemplare waren schnell vergriffen.
Ein ganz spezielles Erinnerungs-Buch für Pater Waibel konnte Sieglinde Palitza überreichen – auf über 100 Seiten hatten sich viele Menschen mit Texten, Bildern, Fotos von P. Waibel verabschiedet. Und alle Gruppierungen der Pfarrei hatten sich viel einfallen lassen, um auf ihre ganz eigene Art P. Waibel, seinen Mitbrüdern P. Wisgickl und P. Mader sowie ihren Vorgängern zu danken. Daran beteiligten sich die Kirchenverwaltungen von St. Konrad, St. Pius, Konradsreuth und Leupoldsgrün, der Pfarrgemeinderat, die Kindergärten St. Konrad und St. Pius, die Krabbelgruppe, der Eine-Welt-Kreis, der Seniorenclub, der Kirchenchor St. Konrad, die Pfarr- und Dekanatsjugend – aber auch die Kolpingfamilie und der Pfarrgemeinderat von St. Marien.
Provinzial Pater Dartmann, der die Entscheidung zum Rückzug der Jesuiten im Frühjahr 2009 bekanntgegeben hatte, war sichtlich beeindruckt – er wünschte sich, dass das Gemeindeleben auch weiterhin so blühe. „Die eigentliche Bewährungsprobe für die Arbeit der Jesuiten kommt jetzt, wenn wir wegen sind.“
Bei dem großen Abschieds-Gottesdienst am Sonntag dankte Erzbischof Schick den Jesuiten für ihr segensreiches Wirken. Beim Empfang überreichte Schick P. Waibel stellvertretend für alle Patres, die in Hof waren, die Verdienstmedaille in Silber, die höchste Auszeichnung des Erzbistums. Schick bedauerte den Rückzug, der Nachwuchs-Mangel lasse dem Orden aber keine andere Wahl. Gleichzeitig rief der Erzbischof alle Gläubigen des Seelsorgebereichs St. Konrad auf, sich der neue Situation realistisch zu stellen - da, wo bisher drei, vier Patres im Einsatz waren, ist Pfarradministrator Wiedow ab 1. September als Geistlicher alleine tätig. Umso wichtiger sei der Einsatz der Laien, so Erzbischof Schick und rief alle zur Mitarbeit auf –sei es als Ministranten, Lektoren, Kommunion- und Firmhelfer, Pfarrgemeinderäte und mehr.
Bei dem anschließenden Empfang dankten u.a. auch Dekan Cibura, sowie Oberbürgermeister Fichtner, der evangelische Studentenpfarrer Koller, Pastoralreferentin Prause und der evangelische Dekan Saalfrank den Jesuiten. Dekan Saalfrank brachte es auf den Punkt: „Die Jesuiten waren eine Bereicherung für die Stadt“ und dankte besonders P. Waibel für das gute ökumenische Miteinander: „Sie sind ein Theologe mit weitem Horizont und herzhaftem Lachen“.
Annerose Zuber