„Die Marienkirche steht falsch“

Kirchweih-Festgottesdienst in St. Marien
Die katholische Stadtpfarrkirche „St. Marien“ feierte ihr Kirchweihfest. Pfarrvikar Holger Fiedler zelebrierte den Festgottesdienst mit Orgelklängen von Vladimir Plakidin.
Die Thematik des wunderbaren Eingangsliedes „Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land. Aus ewgem Stein erbauet von Gottes Meisterhand.“ von Joseph Mohr, das wohl bei jeder Kirchweih die Gottesdienstbesucher erfreut, zog sich wie ein rotes Band durch den Gottesdienst. Aber, wussten es alle der zahlreichen Gottesdienstbesucher schon, dass die wunderschöne Marienkirche falsch steht?! Mit dieser Tatsache müssen wohl die Hofer leben! Als am 4. April 1864 der Grundstein gelegt wurde, war man sich darüber im Klaren – es ging baulich nicht anders, erklärte der beliebte Pfarrvikar Holger Fiedler in seiner emotionalen Predigt. „Die Lage, der Stadt, dass St. Marien nicht geostet ist, machte das erforderlich. Fiedler erklärte, warum die Kirchen alle geostet sind. Der Priester am Hochaltar mit dem Volk Gottes hat in die gleiche Richtung geschaut ,zur aufgehenden Sonne, zur Heiligen Stadt Jerusalem, wie es in der Offenbarung heißt, und gebetet. „Stellen Sie sich vor, die Kirche würde richtig stehen“, fuhr der beliebte Pfarrvikar fort, sie würde die Lorenzstraße und die Bismarckstraße behindern, so dass man sich an der Kirche vorbeizwängen müsste, um durchzukommen: Sie wäre dann ein Hindernis!“ „ Aber so sehen viele Menschen die Kirche, nämlich als Hindernis!“, fuhr der Redner fort. „Glaube ja, Institution nein ! Kirche soll sich nicht öffentlich zu Wort melden – sie stört in der modernen Zeit!“ Aber: Nichts, was wichtig sei, komme ohne Strukturen aus: Organisation sei wichtig, um etwas in die Zukunft zu tragen. „Und: Wir dürfen nicht so tun, als ob Werte und ein gutes Menschsein einfach so da wären. Es braucht immer eine prägende Kraft – Europa wie es bisher war, ist durchs Christentum geprägt worden!“, betonte Holger Fiedler. Kirche müsse im Wege stehen, wo Menschen Gott vergessen; sie müsse aber auch Wege aufzeigen ihn zu finden zum Beispiel in der Liturgie! Kirche müsse im Weg stehen, wo die Kleinen und Schwachen um ihr Lebensrecht gebracht würden; sie müsse aber auch zeigen, wie Leben auch unter Schwierigkeiten gelingen könne, wo Ehe und Familie als unmodern abgetan würden; müsse sie helfen,auch mit dem Scheitern umzugehen. Kirche stehe nur falsch wo sie sich vereinnahmen lässt von anderen Themen, die nicht die ihren sind, wo sie nicht bereit ist, Buße zu tun für in ihr begangenes Unrecht und die richtigen Lehren daraus ziehe, wo sie Parolen der Welt nachplappere anstatt nach Weisungen aus dem Evangelium zu suchen, wo Traditionen, die uns getragen haben, gekappt werden; aber nicht Asche bewahren, sondern Feuer weitertragen. Die Kirche sei da um zu dienen! Jesus gäbe uns ein Beispiel: „Ich bin gekommen, zu dienen“ Und er erläutert uns, was zeitlos gilt: „Die Herrscher dieser Welt missbrauchen ihre Macht; bei Euch aber solle es nicht so sein!“ Dienen heißt nicht, sich zum Sklaven.zu degradieren, sich innerlich zu zerbrechen, sich ausnutzen zu lassen Dienen sei ein Zeichen innerer Stärke, großen Selbstbewusstseins: Als Schlussgedanken stellte Holger Fiedler fest, dass Kirche falsch stehe, wo sie herrschen will – das betreffe sowohl Papst, Bischöfe, Priester – aber auch Laien! Auch sie seien nicht davor gefeit, herrschen zu wollen! Aber Kirche stehe richtig, wo sie bereit sei zu dienen, in allen ihren Gliedern! „Wenn unsere Marienkirche ein Ort ist, wo wir das lernen, dann steht sie zwar von der Himmelsrichtung her falsch – aber von der Christus-Richtung her richtig !!!“
Mit einem schallenden „Te Deum :Großer Gott wir loben dich“, wurde dieser Festgottesdienst beendet. Zu einem Frühschoppen, wie es sich an Kirchweih gehört, wurde in den „Trompeter“ eingeladen, um noch ein bisschen gesellig beisammen zu sein und unsere schöne Marienkirche zu feiern!

