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Ein Haus voll Glorie schauet

St. Konrad innen
Datum:
Veröffentlicht: 16.10.22
Von:
Stefan Fleischmann

1. „Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land.“ Mit welcher Stimmung und mit welchem Gefühl singen Sie heute dieses Lied zur Kirchweih? - Noch heute prägen die Kirchen das Bild unserer Städte und Dörfer. Uns werden herrliche Kirchen vor Augen gestellt -  –oft lichtdurchflutet, prunkvoll ausgeschmückt: Altäre, Heilige, Kreuze. Sie laden ein, unser Haupt zu erheben und Gott zu loben und zu preisen. Und wer sucht nicht auch Geborgenheit und Schutz in diesen Tagen – ganz persönlich, aber auch in den Anliegen und Sorgen dieser Welt und unserer Zeit: „O lass im Hause dein, uns all geborgen sein.“

1. Strophe

2. Das Lied stammt ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert, in der sich die Kirche im Kulturkampf behaupten musste. Die folgenden Strophen – gedichtet  von Josef Mohr - waren völlig andere, geprägt von einer reichen Kriegsmetaphorik; die Kirche als  Trutzburg:  starke Türme, wehrhafte Mauern, die es zu verteidigen gilt. Es war ein Widerstand, der die katholische Kirche nach Innen enorm stärkte und ihr lange Zeit unverwechselbares Profil verlieh: „ein Haus voll Glorie, aus ewgem Stein!“

Der Text ab der 2. Strophe  wurde grundlegend verändert – zurecht. Wir leben heute in einer anderen Zeit, und auch die Kirche als Institution wird in einem ganz anderen Licht wahrgenommen! Mit welchem Bild würden wir heute die Kirche vergleichen? Mit einem „Lazarett“, so wie es Papst Franziskus zum Ausdruck gebracht hat.  Mit einer Raststation oder einer Tankstelle? Oder die Kirche als eine heruntergekommene, alte  Ruine, deren Botschaft – in den Irrungen und Verwirrungen -  keiner mehr hört, geschweige denn versteht? Die Botschaft des Evangeliums ist verdunkelt, und unsere krisengeschüttelte Welt bräuchte diese Botschaft doch so sehr, um Zuversicht zu gewinnen“. Diese Email hat mich erst kürzlich erreicht und bewegt.

Der Dichter der 2. Strophe Friedrich Dörr lenkt den Blick vom Haus auf eine ganze Stadt, gemeint ist das himmlische Jerusalem, von der Endzeit betrachtet:  „ER, Christus, wird in ihrer Mitte wohnen. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“ (Offenbarung des Johannes).  Für alle Menschen, die sehnsuchtsvoll und leidgeprüft Ausschau halten -  ein Trost und Hoffnungsschimmer – schon jetzt, hier und heute: „Denn du hast uns bestellt, zu Zeugen in der Welt.“

2. Strophe

3. „Einen anderen Grund, vermag niemand zu legen als den, der gelegt ist, und das ist Jesus Christus“ (1 Kor 3,11), so schreibt Paulus in seinem Brief an die Korinther.  Was hat man auf diesem Fundament alles für Schindluder in den vergangenen Jahrhunderten bis in unsere Gegenwart getrieben?! Für welche

Zwecke hat man den christlichen Glauben missbraucht und Jesu Botschaft ins Gegenteil verkehrt? Ich frage mich manchmal, was würde Jesus dazu sagen? In der Bibel heisst es einmal: „Jesus weint.“

 

„Lass fest auf diesem Grund uns stehn zu aller Stund.“ Auf seinem Grund geht es zu allen Zeiten um die Einübung  einer jesuanischen  Haltung: dass wir uns wirklich auf das Leben der Menschen einlassen und uns den verschiedenen Zielgruppen außerhalb der Kerngemeinde öffnen;  dass wir uns bemühen, sie besser zu verstehen; dass wir mit ihnen zusammen auf der Suche sind und voneinander lernen. Dass wir Trauer und Angst, ihre Hoffnung und Freuden der Menschen teilen und einander  dienen. In unserem Pastoralkonzept sprechen wir von einer Kirche als dienende Kirche Jesu Christi „Wenn sie auf ihn nur schauet, wird sie im Frieden sein.“ Die dritte Strophe  ist deshalb Zuspruch und Anspruch zugleich, eine solche Kirche – erfüllt von Gottes Geist - sichtbar und erfahrbar zu machen – jeden Tag neu auf unterschiedlichste Weise in den Grundvollzügen der Kirche „Liturgie, Diakonie und Verkündigung“: „Herr dich preisen wir, auf dich bauen wir; lass fest auf diesem Grund und stehn zu aller Stund.“

3. Strophe

Die 4. Strophe ist meine Lieblingsstrophe. „Seht Gottes Zelt auf Erden, verborgen ist er da.“ Jesus wurde einmal gefragt: „Wo wohnst du?“ Sozusagen, „wo hast du deine Bleibe, wo hast du dein Zelt aufgeschlagen.“  Und Jesus sagt: „Kommt und seht.“ Und er nimmt seine Jünger mit auf den Weg, damit sie hören, was er sagt, und sehen, was er tut.  Die Bleibe, das Zelt Gottes, hat sozusagen in diesem Jesus ein menschliches Antlitz bekommen. Dazu zählt jede Kirche, in der Gottesdienst gefeiert und gebetet wird;  dazu zählt jede Familie- sozusagen Kirche  im Kleinen -, in der man aufeinander achtet und liebt.
Welche Eigenschaften hat dieses Zelt Gottes auf Erden noch: es ist einfach gehalten und ist nicht an Prunk gebunden;  es ist flexibel und braucht keine passgenauen  Konzeptionen;  es ist menschenfreundlich und eröffnet Raum und Zeit,  zu kommen oder zu bleiben, um Gnade und Segen zu empfangen für die Menschen und zu unserem Heil. Vielleicht nehmen Menschen deshalb so gerne an einer Pilger- und Wallfahrt teil, weil sie genau das in diesem Unterwegssein mit anderen und mit IHM erfahren.
4. Strophe

„Sein wandernd Volk will leiten, der Herr in dieser Zeit; er hält am Ziel der Zeiten, dort ihm sein Haus bereit.“ Gerade in dieser Stunde – wenn wir heute Kirchweih feiern -fallen uns Menschen ein, die uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg begleitet haben;  dazu gehören auch die  Gönner und Förderer, die haupt- und ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger dieser Kirchengemeinde,  und  Menschen, die uns – oft im Stillen und ganz Lautlos – Gutes tun und getan haben. Es ist ein Trost für uns, die  Lieben in Gottes Hand zu wissen. Dieser  Glaube schenkt Hoffnung, wenn wir - gestärkt vom Tisch des Wortes und des Brotes – immer wieder  in den Alltag zurückkehren und die Herausforderungen unserer Zeit annehmen, dass das Leben nicht ins Ungewisse geht, sondern um ein Ziel weiss: Gott, der die Liebe ist! „Gott wir loben dich, Gott wir preisen dich. O lass im Hause dein uns all geborgen sein!

5. Strophe