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Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen

Saat
Datum:
Veröffentlicht: 16.7.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann
„Ein Sämann ging auf Feld, um zu säen.“ Ganz selbstverständlich tut der Sämann das, was er kann und wofür er sich berufen fühlt: Er streut den kostbaren Samen freigebig aus ohne zu wissen, was daraus werden wird.

Liebe Schwestern und Brüder,

„ein Sämann ging auf Feld, um zu säen.“ Ganz selbstverständlich tut der Sämann das, was er kann und wofür er sich berufen fühlt: Er streut den kostbaren Samen freigebig aus ohne zu wissen, was daraus werden wird. Freilich hofft er und vertraut, dass der Samen auf guten Boden fällt. Aber er weiß es einfach nicht: Da ist von den Vögeln die Rede, vom felsigen Boden, von den Dornen, aber auch vom guten Boden. Er tut es und lässt sich nicht entmutigen, dass aus etwas Kleinem Großes werden kann. Ist das nicht eine wichtige und wertvolle Haltung, die wir als Gesellschaft und Kirche brauchen? – Gegen alle Resignation und Ohnmacht, gegen alle Vorurteile und Verurteilungen! Letzten Endes geht es um die Vision Jesu vom Gottesreich, das schon hier und jetzt, mitten unter uns angebrochen ist - in ihm „Jesus Christus“ selbst.

Das Evangelium schließt: „Wer Ohren hat, der höre.“ Wir werden aufgefordert, unseren Verstand zu gebrauchen, um dann die Frage zu stellen, wieso trifft das mich, was hat das mit mir zu tun? Man könnte aber auch anders herumfragen: Warum schafft es der Sämann nicht überall zu vielfältiger Frucht? (Die letzte Frage gebe ich als Hausaufgabe mit auf den Weg!)

1. „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen“: Großzügig – wie der Landwirt den Samen aufs Land wirft- verschenkt sich dieser Gott an uns. Spüren wir es nicht?! Können wir seine Spuren in unserem Leben entdecken?! Gott handelt wie ein Sämann. Einige Kapitel vorher heißt es im Matthäusevangelium: „Der Vater im Himmel lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Angelehnt an den Psalm 145: „Jahwe ist gut gegen alle, voll Erbarmen gegen alles, was er geschaffen.“ Gott teilt aus, das ist die Lebens-und Glaubenserfahrung der Menschen, die hier betend beschrieben wird. Er bestellt das Land großzügig in seiner Verschiedenheit. Er macht sich von den Erfolgsaussichten, den Prognosen der einen oder der anderen nicht abhängig: „Macht doch keinen Sinn! Haben wir schon alles probiert!“ Er wagt es einfach, und dann lässt er die Erntezeit auf sich zukommen. Man wird sehen, wo es wächst. Man wird sehen, wie viel wächst. Er tut das, was er tun kann. Aber er lässt auch einfach wachsen, er vertraut in großer Gelassenheit, weil er sich dem Größeren anvertraut und IHM etwas zutraut.

2. „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen“: Das ist das Evangelium, das uns heute anvertraut ist, und von dem sich der Dienst als Getaufte und Gefirmte in einer Kirchengemeinde herleitet. Mit vollen Händen gilt es, das Evangelium des freundlichen Gottes in Tat und Wort auszuteilen, ja hineinzuwerfen in den Alltag dieser Welt. In den alltäglichen Momenten, noch mehr in den besonderen Schwellensituationen und Krisenmomenten. Geiz oder Berechnung vertragen sich nicht mit dieser Frohbotschaft. Sie vertragen sich nicht mit dem Gedanken einer am Evangelium ausgerichteten Kirche, die einladend, gastfreundlich und vielschichtig sein will. Mit einer Kirche, die Grenzen zu überwinden sucht. Die den Frieden herbeisehnt und Wege einer gerechten Gesellschaft folgt. Den Sprachlosen ihre Stimme leiht. Die Menschen, die kleinen und die großen, mit Gott „groß“ werden lässt. Mit einer Kirche, die Menschen einen täglichen Neuanfang zutraut, im Vertrauen darauf, dass Gott an ihnen immer schon gehandelt hat, wenn wir ihnen begegnen.

3. „Ein Sämen ging aufs Feld, um zu säen.“ Es geht in unserem besonderen Dienst als Haupt und Ehrenamtliche nicht nur darum, das Evangelium großzügig auszuteilen, zu bezeugen und weiterzusagen, sondern eben auch darum, hinzuschauen, wo etwas wächst, das andere ausgesät haben. Und sich darüber zu freuen. Allerdings ist dieses Wachstum, anders als auf dem Acker zu sehen, nicht immer offensichtlich, es ist nicht immer sichtbar. Das Reich Gottes wächst im Verborgenen. Für dieses Wachstum braucht es unsere besondere Aufmerksamkeit, ein besonderes Hinschauen und Hinhören für das, was durch Gespräche, Impulse, Gottesdienste, Seelsorge u. v. m. angeregt wird und zum Wachsen kommt. Vieles davon ist unsichtbar. Der Same des Evangeliums wird auch fruchtbaren Boden finden. Mal mehr und mal weniger und auch dort, wo wir es nicht erwartet hätten, ganz automatisch und überraschend.

4. „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.“ Der Samen, den Gott in uns gesät hat, auch dieser Same möge immer wieder Frucht bringen. Manche Idee versandet. Manche Leidenschaft wird getrübt. Mancher Plan wird im dornigen Gestrüpp des Alltags hängenbleiben. Doch anderes wird immer wieder auf gutes Land fallen und hundertfach Frucht bringen. Der reiche Segen Gottes, seine Gnade und seine gute Botschaft, die die Begeisterung für seine Sache in uns geweckt hat, mögen uns in unserem Dienst – in welchem Kontext und in welcher Rolle auch immer - ermutigen, bestärken und beflügeln! Amen.