Erstkommunion - Predigt

Liebe Kinder,
kennst Du auch diese Erfahrung:
Du warst einige Tage der Schule fern gebliebenErkältung, Bauchschmerzen, Fieber, was auch immer.
Nach einiger Zeit geht es wieder.
Du verabschiedest dich von der Mama oder vom Papa,
und gehst wieder zur Schule.
Du betrittst den Pausenhof und dann das Klassenzimmer,
alles ein wenig ungewohnt. Du schaust dich um, da hängt ein neues Plakat, hier ein Foto, das Du nicht kennst. Die Tafelanschrift steht noch vom Vortag.
Welche Gedanken gehen Dir da durch den Kopf.
Frau Fröh:
Habe ich etwas verpasst?
Wie werden mich die Kameraden wieder aufnehmen?
Werden sie mich fragen, was los war?
Wie fühlst Du dich da?
Frau Fröh:
Ich fühle mich nicht sooo gut.
Ich habe ein wenig Angst.
Was sagt dir dein Körper?
Frau Fröh:
Ich habe Bauchgrummeln.
Meine Hände schwitzen ein wenig.
Theo kommt auf dich zu und sagt:
Frau Fröh:
Schön, dass Du wieder da bist.´
Du bist erst einmal erleichtert. Ein Stein vom Herzen wird dir genommen.
Und Lea erzählt
Frau Fröh:
Du, ich sage Dir, letzte Woche war eine Menge los.
Ich erzähle dir ganz genau, was du verpasst hast.
Du bist jetzt froh, dass Du Lea hast.
Du bist gespannt! Und gleichzeitig beschäftigt dich die Frage:
Aber kannst du ihr alles so glauben?
Liebe Kinder,
in einer ähnlichen Situation befindet sich Thomas im heutigen Evangelium.
Die Jünger kennen sich untereinander gut; sie sind sich vertraut, vergleichbar mit einer Klassengemeinschaft.
Thomas war aber bei der Erscheinung des Auferstanden zunächst nicht dabei.
So haben die Jünger Jesu Thomas etwas voraus.
Denn sie sind dem Auferstandenen Jesus begegnet.
Diese Erfahrung fehlt Thomas komplett.
Er kann sich darunter nichts vorstellen. Jesus ist doch tot. Er ist gekreuzigt worden. Wir haben es selbst gesehen.
Kann er das Gehört, was die Jünger ihm erzählen, so annehmen?
Und nehmen die Jünger ihn wieder auf in ihre Runde?
Und die Jünger? Sie fragen sich vielleicht:
Frau Fröh:
Warum fehlte Thomas gerade jetzt?
Warum war er nicht da?
Jetzt möchte er wieder zu uns gehören, und zweifelt sogar:
„Wenn ich nicht…!“
Jesus erscheint den Jüngern, seinen Freunden, noch einmal, also ein zweites Mal.
Jetzt hat Thomas selbst die Chance, ich sage einmal eine Sehnsucht, Jesus dem Auferstandenen zu begegnen:
- mit den eigenen Augen zu sehen,
- mit den eigenen Ohren zu hören,
- mit dem eigenen Herzen Jesus aufzunehmen.
Jesus sieht ihn.
Jesus kennt ihn, so wie die anderen Jünger auch!
Jesus versteht ihn.
Jesus möchte ihn weiter führen, ja tiefer zum Glauben führen:
- Berühre meine Wunden und Verwundungen.
- Berühre meine Lebensgeschichte, was ich gelehrt und getan habe.
- Berühre meine Leidensgeschichte, wie sie mich aufs Kreuz gelegt haben.
- Berühre mein neues Leben, das auch dir – durch mich - geschenkt ist.
Und: Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.
Und Thomas, der das Ganze erst nicht glauben kann, sondern zweifelt,
spricht das kürzeste Glaubensbekenntnis der Christen: „Mein Herr und mein Gott!“.
Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Schwestern und Brüder,
die Wissenschaftlicher sind sich nicht ganz sicher, ob Thomas wirklich die Wunden des Auferstandenen mit seinen Händen berührt hat. Aber wir wissen: Wir können auch unabhängig davon im Innersten berührt sein und berührt werden und andere berühren. In dieser Begegnung zwischen Thomas und Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, geschieht etwas Einzigartiges, was man sicherlich nur schwer beschreiben kann. Der Evangelist Johannes, der uns diese Geschichte aufgeschrieben, lässt das auch deshalb offen.
Liebe Kinder,
liebe Schwestern und Brüder,
manchmal fehlt uns eine Lebens- und Glaubenserfahrung, andere haben uns etwas voraus. Das gibt’s, beispielsweise wenn jemand einige Zeit mit Kirche und Glauben wenig Berührungspunkte hatte. Oder man mit vielen anderen Dingen beschäftigt war oder auch in Beschlag genommen wurde: Das ist gar nicht so schlimm, weil wir glauben, dass in der Taufe die Verbundenheit mit Jesus Christus begründet wurde- für immer und ewig. Zwei Haltungen stellt uns das heutige Evangelium vor Augen:
Einmal ist es die Sehnsucht nach „Mehr“ im Innersten zu spüren, oder auch den Kairos, den rechten Augenblick zu ergreifen, tiefer zu sehen und Gott nahe sein zu wollen, die Liebe und das Vertrauen zu ihm wieder neu zu entfachen. Die Sehnsucht nach „Mehr“ kann auch im Zweifel zum Ausdruck kommen. Und zum Anderen: Braucht es Mitmenschen, die immer wieder den Kreis der „geschlossenen Vertrautheit“ öffnen, damit diese Erfahrung mit Gott auch anderen ermöglicht wird. Eine Gemeinschaft, die aufeinander wartet; Menschen, die Verständnis zeigen, wenn jemand nicht gleich kapiert, weil ihm Vorwissen oder eine Vorerfahrung fehlt. Ich glaube, das macht eine christliche Gemeinschaft aus.
Liebe Eltern, liebe Erstkommunionkinder,
die heutige Jesusgeschichte ist eine Mutmachgeschichte für uns alle. Bei uns Christen heisst es nicht, wer zu spät kommt, der muss schauen, wo er bleibt. Jesus lädt immer wieder ein, unzählige Male im Evangelium: sein ganzheitliches und allumfassendes „Friede sei mit euch“ stiftet Gemeinschaft zwischen ihm und den Jüngern, auch den Zuspät- gekommenen, zwischen ihm und allen Getauften – das gilt bis heute, wenn wir diesen Wunsch zugesprochen bekommen – heute und hier - versammelt um den Tisch des Brotes. Amen.