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Fest soll mein Taufbund immer stehen

Taufe des Herrn
Datum:
Veröffentlicht: 9.1.22
Von:
Stefan Fleischmann
Jeder von uns kennt Kirchenlieder, die er ganz besonders gerne singt. Eines meiner Lieblingslieder ist die Nr. 870 „Fest soll mein Taufbund immer stehn.“. Dieses Lied passt sehr gut zum heutigen Fest „Taufe des Herrn“, da wir uns heute auch an unsere je eigene Taufe erinnern.

Liebe Schwestern und Brüder,

- jeder von uns kennt Kirchenlieder, die er ganz besonders gerne singt. Eines meiner Lieblingslieder ist die Nr. 870 „Fest soll mein Taufbund immer stehn“. Dieses Lied passt sehr gut zum heutigen Fest „Taufe des Herrn“, da wir uns heute auch an unsere je eigene Taufe erinnern.

- Die vier Strophen unseres Taufliedes sind nicht aus einem Guss. Die erste Strophe, so wie wir sie heute kennen, erschien in einem Gesangbuch von Christoph Bernhard Verspoell, Priester und Kirchenlieddichter in Münster, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: „Fest soll mein Taufbund immer stehn, ich will dem Herrn gehören. Er soll mich allzeit gläubig sehn, gehorsam seinen Lehren.“

- Seitdem ist einiges anders geworden, bei den Menschen wie auch in der Kirche. Schon damals musste man mit einer veränderten Situation zurecht kommen. Die Kirche hatte durch Napoleon und seine Reformen ihre frühere Macht eingebüßt und musste zu einer neuen Rolle finden. Vielleicht war es in dieser Situation wichtig, dass die Gläubigen sich mit dem Lied bewusst machten: Wir gehören noch dazu. In dieser Taufe hat sich Gott zum „Du“ für uns Menschen gemacht, er hat quasi einen Liebesbund geschlossen, und wir sind sozusagen die Verpflichtung eingegangen, ihm mit unserem Leben zu antworten – gehorsam seinen Lehren.

- Freilich: Mit Gehorsam können heute die Meisten – auch in der Kirche – wenig anfangen. In gewisser Weise ist das auch gut so, ein kritischer Geist zu sein, denn verantworten muss jeder selbst sein Handeln vor Gott. Schon Jesus macht den Pharisäern Vorwürfe, indem er differenziert: „Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“ (Mt 23,3) Gehorsam kommt vom Hören, genau hinhören. Von Jesus heißt es im Philipperbrief: „Er erniedrigte sich, war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.“ Jesus hat in besonderer Weise auf Gott, seinen Vater, gehört.

- Was heißt also dieses Hören, dieses Sich-hineinhören, für uns heute? Eine Möglichkeit: „Was möchte mir heute Gott in den Worten der heiligen Schrift für meine konkrete Lebenssituation sagen?“ Freilich geschieht das Hinhören auf Gott und den Menschen auch in einer Gemeinschaft, sprich Kirche, in die ich durch Taufe berufen und gerufen wurde. Das beginnt im Kleinen in unseren Familien, in unseren Gremien, im Pfarrgemeinderat oder in der Kirchenverwaltung.
Die Frage bleibt: Ob ich diese Euphorie des Dichters immer teilen kann, Gott für diese Gnade und Berufung in die Kirche zu danken, Glied dieses Leibes Christi zu sein? 

- Mich fesseln immer die Worte: „Dank sei dem Herrn der mich aus Gnad, in seine Kirch berufen hat.“ Gnade ist ein unverdientes Geschenk. Das Sakrament der Taufe ist Zeichen der vorbehaltlosen Liebe Gottes zu den Menschen, damit sie glauben können. So ist die Taufe an keine Bedingung oder gar Vorleistung gebunden, was dann auch bedeutet, keine künstlichen Hürden in unseren Kirchengemeinden aufzubauen oder gar Menschen zu beschämen. Was diese Bedingungslosigkeit der Gnade Gottes bedeutet, müssen wir uns immer wieder bewusst machen, wenn Eltern ihr Kind zur Taufe anmelden und wir mit ihnen ins Gespräch kommen. Der Pastoraltheologe Ottmar Fuchs hat einmal gesagt: „Es ist gut, wenn sich die Pastoral des Mysteriums verbinden lässt mit Verstehen, Teilhabe und Bildung, doch kann das nicht zur Bedingung des Mysteriums und seiner Erfahrung gemacht werden (…) Es reicht offensichtlich, etwas vom Mysterium der Gnade zu erahnen.“

- In zweiter Hinsicht ist das Sakrament Zeichen des Glaubens. Was der Glaube schenkt, wird in der 2. Strophe beschrieben: „Von aller Schuld bin ich befreit, erlöst ist, was verloren.“ Ein Zeichen der Taufe weist in besonderer Weise auf diesen Neuanfang und die Erlösung hin: Das weiße Gewand. In der Urkirche hatte dieses Zeichen eine große Bedeutung, als sich nämlich ausschließlich Erwachsene am Ostertag taufen ließen. Mit der Taufe begann für sie ein neues Leben in Jesus Christus: Das alte Gewande des „Unglaubens“ und der Schuldverstricktheit wurde abgelegt - als Zeichen der Umkehr und der Sündenvergebung; das neue Gewand des Glaubens an Jesus Christus angezogen: „In Christus neu geboren.“

- Und heute: Das Kleinkind hat ja noch keine Schuld begangen, und trotzdem bekommt das Kind ein weißes Gewand angezogen. Warum? Der Priester spricht dabei: „In der Taufe bist du eine neue Schöpfung geworden und hast –wie die Schrift sagt – Christus angezogen. Das weiße Gewand sei dir ein Zeichen für diese Würde. Bewahre sie für das ewige Leben.“ Das weiße Gewand steht für den Herrschaftswechsel. Von der Herrschaft einer Sünden- und Todesmacht hin zu einer Herrschaft des Heiligen Geistes, im Geist Jesu Christi zu leben. Wir wissen aber: Dieses weiße Gewand wird im Laufe des Lebens- und Glaubensweges schmutzig, weil der Mensch sich immer wieder vom Guten, von Gottes Geboten, abbringen lässt: Der Mensch, der zu Jesus Christus gehört, weiß sich jedoch eingeladen, von Gott rein waschen zu lassen und umzukehren: „Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde“, so betet der Psalmist. Der Dichter des Liedes greift die paulinische Theologie auf, wenn er sagt: „Wer kann ermessen, welche Gnad, mir Gott der Herr erwiesen hat?“ Paulus führt im Römerbrief aus, dass dort, wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß geworden ist (vgl. Röm 5,20). Wie sich doch die Taufgnade entfalten darf, immer wieder umzukehren und an Jesus Christus zu glauben. „Mein Leben soll es danken“. Auf diese Weise wird durch die Antwort des Menschen das Sakrament der Taufe erst fruchtbar.

- In der dritten Strophe wird von der Seligkeit getauft zu sein gesprochen Welche Seligkeit verheißt die Taufe eigentlich? Diese Strophe gibt eine doppelte Antwort: In jeder Taufe wird durch Übergießen des Wassers der Tod und die Auferstehung versinnbildlicht – in Christus eingesenket. Was kann uns der Tod noch anhaben, wenn wir zu Jesus Christus gehören? Schon jetzt ist uns das neue Leben verheißen und geschenkt. Die Eltern werden zu Beginn der Taufe gefragt: „Was erbitten Sie von der Kirche Gottes für Ihr Kind?“ Eine mögliche Antwort ist „Das ewige Leben“.

- Welche Seligkeit verheißt die Taufe noch? Eine zweite Antwort: „Am Leben der Dreieinigkeit ward Anteil mir geschenket.“ Das heißt soviel wie: Ich habe Anteil an dieser göttlichen Würde. In mir hat Gott etwas Wunderbares und Einmaliges hineingelegt, Talente und Fähigkeiten, die zur Entfaltung kommen sollen und die ich in den Leib Christi, der Kirche, mit einbringen darf. In der christlichen Erziehung unserer Kinder darf dieser Gedanke nicht fehlen: „Ich bin Kind Gottes.“ - „Ich bin wertvoll, egal was ich kann und wer ich bin.“

- Der Kreis des Individuums wird nun geweitet: „Ich bin der Kirche Christi Glied“. Teil dieses Leibes Christ zu sein – der Kirche – ist nicht immer leicht, weil dieser Leib aus verschiedenen Gliedern besteht, aus Menschen, Jung und Alt, Gesund oder Krank, die mit mir Wege des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe gehen. Und
manchmal ist der eine oder andere Weggenosse sicherlich auch zum Auf-und Davonlaufen. Kirchenaustritte bleiben nicht aus.

- Johannes vom Kreuz hat einmal ungefähr so gesagt: „Schaue nicht immer nur, was die Anderen machen. Schaue auf dich!“ Eine Antwort, auf diesen Weg der Liebe Gottes mit den Menschen zu bleiben, lautet: „Ich bete an und glaube“.

- Die 4. und letzte Strophe markiert nochmals die einmalige Verbundenheit mit Jesus Christus, dem Paschamysterium. Die Worte in der 4. Strophe deuten diesen Spannungsbogen an: Priestertum, Opferdienst, Gotteslob, Heilger Streit, Königreich. Das Ziel des zu Jesus Christus Gehörenden ist klar. Enden die vorliegenden Strophen mit der Einladung… „Gehorsam seinen Lehren“ ... „Mein Leben soll es danken“ ... "Ich bete an und glaube“ ... heisst es nun im großen Finale: „Ihm will ich leben, sterben.“

- Mit ihm leben, heißt auch mit ihm sterben und auferstehen. Ein großartiges Bekenntnis! Das Lied „Fest soll mein Taufbund immer stehn“ enthält – wie ich meine eine großartige Tauftheologie, die uns immer wieder deutlich macht, was es heißt: „Getauft zu sein“.