Fragen zu Benedikt XVI.

Interview der Frankenpost mit Pfarrer Stefan Fleischmann
FP: Uns würde in erster Linie interessieren, wie Sie auf das Lebenswerk und natürlich auch explizit das Pontifikat des Verstorbenen zurückblicken. Für was steht Benedikt XVI.?
Fleischmann: Er ist – auch als Papst - ein herausragender und faszinierender Theologe gewesen, der die Gabe hatte, Glaube und Vernunft zusammenzubringen. Das Bild eines knieenden Theologen ist hierfür sicherlich passend. Seine Werke – ob als Professor Josef Ratzinger und Papst Benedikt XVI. - bleiben uns als geistliche Quelle für immer erhalten, ein unerschöpflicher Schatz für viele Generationen.
FP: Haben Sie ihn kennengelernt, wenn ja, wie war der Mensch Joseph Ratzinger abseits medialer Aufmerksamkeit?
Fleischmann: Ich hatte keine Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Leider. Von der Ferne sah ich ihn auf dem Schiff. Das war beim Weltjugendtag 2005 in Köln. Die Jugend war damals aus dem Häuschen, voller Begeisterung. Und nochmals beim Deutschlandbesuch in Erfurt, das war 2011. Die Deutschlandbesuche verdeutlichen, dass er sehr heimatverbunden war und seiner Verwurzelung treu geblieben ist. Das hat ihn als Menschen ausgezeichnet, sein „woher“ und „wohin“ zu kennen!
FP: Was bleibt von seiner Amtszeit? Was konnte er als Papst bewegen?
Fleischmann: Ich möchte es an ganz persönlichen Beispielen deutlich machen: In der Zeit seines Pontifikats habe ich seine Enzykliken und Predigten, z .B. „Gott ist die Liebe“, regelrecht verschlungen. Sie waren mir geistliche Nahrung und haben meine ersten Jahre als Priester und Pfarrer sehr geprägt. - Menschen waren von Papst Benedikt in der Zeit seines Pontifikats so angerührt, dass sie in die Kirche eintreten wollten. Ich sehe noch heute einen Mann vor meinen Augen: Er stand an der Pfarrhaustüre und sprach davon, dass er wieder zum Glauben gefunden hat. Dabei hatte er Tränen in den Augen und zitierte Papst Benedikt. - Und dann noch ein letztes Beispiel: Ich war Subregens und Ausbildungsleiter im Priesterseminar. Ich weiss: Für viele Priesterkandidaten war Papst Benedikt auch ausschlaggebend, dass sie ihrer Berufung folgten und Priester werden wollten.
FP: Da es jedoch auch kritische Stimmen zu seiner Person und seinem Wirken gibt, würde uns natürlich auch Ihre Meinung dazu interessieren.
Fleischmann: Wissen Sie: Wer heute ein öffentliches Amt innehat, ob in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft oder auch Kirche, weiss, dass die Messlatte sehr hoch ist. Oft vergessen wir, dass der Amtsinhaber selbst Mensch ist und bleibt, und immer hinter den Ansprüchen und Anforderungen, die solche Ämter mit sich bringen, zurückbleibt. Das gilt auch für den Papst. Gott schaut auf das Herz und auf den guten Willen, das Böse zu bekämpfen, damit die Liebe umso mehr aufstrahlt. Gott selbst ist es, der das Begonnene zur Vollendung führt. Darauf dürfen wir alle vertrauen.
FP: Und abschließend wäre es interessant zu erfahren, was es für die Katholische Kirche in Deutschland bedeutet hat und noch heute bedeutet, dass mit Benedikt ein Deutscher die Ehre des Pontifikats zuteil wurde.
Fleischmann: „Wir sind Papst“, werden wir nicht mehr so schnell erleben. Papst Benedikt hat an seinen Wirkungsorten seine Spuren hinterlassen, die noch lange nachwirken werden. Und selbst das Gotteslob enthält ein Lied, das zu seinen Ehren geschrieben wurde und auf sein Glaubenszeugnis zurückgeht: „Wer glaubt ist nie allein! Du, Herr, wirst mit uns sein.“