Frauen in der Kirche - Tag der Diakonin am 29.4.2023


Am Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena begeht der Katholische Frauenbund seit 25 Jahren den Tag der Diakonin. Nicht erst mit der Thematisierung der Rolle der Frauen in der Kirche im Synodalen Weg und dessen Abschlusspapier beschäftigt diese Frage viele Kirchenmitglieder, aber auch Menschen außerhalb der Kirche. Studierten Theologinnen und anderen qualifizierten Frauen ist bislang offiziell der Weg zu sakramentalen Ämtern versperrt, mir gefällt der Vergleich einer gläsernen Decke gut, an die hier Frauen immer wieder stoßen.
Der Zweigverein Bernhard Lichtenberg hat zur Abendmesse am 29.4.2023 eine Fachfrau zu diesem Thema eingeladen: Dr. Andrea Friedrich, geistliche Beirätin des Frauenbundes auf Diözesanebene. Pfarrvikar Sebastian Schiller leitete den Gottesdienst und unsere Gast-Expertin predigte zum Evangelium der namenlosen Frau. Die Gottesdienstbesucher konnten die Hintergründe und Ziele bestens nachvollziehen. Unsere geistliche Beirätin vor Ort, Lisa-Maria Eberhardt, hatte die textliche Gestaltung der Feier mit einem Vorbereitungsteam übernommen. Am Ende des Gottesdienstes nutzten nahezu alle Gottesdienstbesucher die Gelegenheit, sich mit einem Segenswunsch von den beiden Frauen salben zu lassen, so wie es die namenlose Frau im Evangelium mit Jesus getan hat. Eine neu gegründeter Musikgruppe mit Projektchor aus Frauenbundmitgliedern, Jugendlichen und der Band Believe umrahmte den Gottesdienst in beeindruckender, mitreißender Weise.
Dass Frauen durchaus und eigentlich selbstverständlich wichtige Aufgaben in der Eucharistiefeier übernehme sollten und das in Zukunft viel öfter so sein sollte, dürfte jedem/jeder klar geworden sein. Beim anschließenden Impulsvortrag durch Frau Dr. Friedrich entstand eine lebhafte Gesprächsrunde zu Gründen und Möglichkeiten, Frauen einen Weg in Weiheämter zu öffnen oder verschlossen zu lassen. Das diesjährige Oberthema “Wartet nicht“ fand Eingang in Gottesdiensttexten, Vortrag und Diskussion.
Als Zusammenfassung noch einige Stimmen von Gottesdienst und Vortragsbesuchern zu zwei Impulsfragen:
Was haben Sie empfunden, als Frau Dr. Friedrich im Gottesdienst gepredigt hat?
- "Endlich mal „Jemand“ ( nämlich eine Frau), die Missstände offen anspricht."
- "Frau Dr. Friedrich hat in ihrer Predigt sehr interessante Perspektiven aufgezeigt. Es macht für mich keinen Unterschied ob eine Frau oder ein Mann predigt, solange die Person authentisch ist."
- "Ich empfinde es als selbstverständlich, dass auch Frauen predigen - sehr wichtig sind mir dabei aber ein theologisch fundierter und menschlich guter Hintergrund."
- "Die Predigt hat mich sehr angesprochen und ich hatte das Gefühl ernstgenommen zu werden."
- "Es war eine aussergewöhnlich gut strukturierte und inhaltsreiche Predigt, das würde ich mir öfter wünschen."
Gibt es aus Ihrer Sicht gute Gründe dafür, die Rolle der Frauen in der Kirche, insbesondere in Ämtern, zu stärken, wie es im Synodalen Weg herausgearbeitet und gefordert wird?
- "Frauen handeln mit Herz und Bauch, deshalb braucht es sie in unserer Kirche in Ämtern!"
- "Schon immer habe ich mich gefragt, warum die Bischöfe und der Vatikan so vehement gegen die Weihe von Frauen zu Diakoninnen sind. In ihrem Vortrag gab Frau Dr. Friedrich einen Hinweis. Diakonat, Priesterweihe und Bischofsweihe werden als Einheit gesehen. Die Weihe zur Diakonin würde einer Frau dann auch den Weg zur Priesterweihe und zum Bischofsamt öffnen. Das soll wohl auf jeden Fall verhindert werden. Andrerseits gibt es ständige Diakone, die verheiratet sind, und die viri probati, die zum Diakon geweiht werden und dieses Amt neben ihrem Beruf ausüben. Diese Männer streben gar nicht nach dem Priesteramt. Auch Diakoninnen wären nicht gleich eine "Gefahr" für die Position der Priester und Bischöfe."
- "Frauen haben in allen Positionen zunehmend Verantwortung übernommen. Dem kann sich auch die katholische Kirche auf lange Sicht nicht verschließen."
- "Ich bin der Meinung, dass Frauen mit der erforderlichen Ausbildung, auch ein Recht auf Chancengleichheit haben sollen."
- "Gute Gründe, die Rolle der Frauen in Ämtern der Kirche offiziell zu stärken, sind eine bessere Wertschätzung und Akzeptanz der Begabungen und Charismen, die eine Frau als Person einbringen kann und damit eine kollegiale Ergänzung und Bereicherung in der Zusammenarbeit mit den männlichen Hauptamtlichen."
- "Es wird allerhöchste Zeit für ein gemeinsames Miteinander, da der weitaus größte Anteil der Gottesdienstbesucher Frauen sind und ehrenamtliche Mitarbeit ebenso mehrheitlich von Frauen geleistet wird. Oder anders formuliert: Frauen machen den größten Teil der Gottesdienstbesucher und ehrenamtlichen Mitarbeit in der Kirche aus. Weshalb sollte es trotzdem kein gemeinsames Miteinander auf Augenhöhe von Frauen und Männern geben?"
- "Ja; Kirche muss mit der Zeit gehen, Frauen nehmen in der heutigen Zeit eine Rolle ein, die über das Verständnis der Kath. Kirche hinausgeht , sie sind nicht nur die Handlanger, sondern durchaus in der Lage Verantwortung zu übernehmen."




