„Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“

Mit pastoralen Mitarbeitern unseres Seelsorgebereiches Hofer Land war ich erst kürzlich in Hamburg auf einer sogenannten „Pastoralfahrt“. Im Hamburger Dom unterhalb des Altarraumes befindet sich ein besonderer Ort: das Kolumbarium. Ein sehr würdevoller Raum, in dem die Urnen bestattet werden.
Gleich im Eingangsbereich erhält der Besucher und Beter eine Zusage: "Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind." Dieser Vers aus dem Lukasevangelium sagt sehr viel aus, wie Gott zum Menschen steht: Wir sind vor Gott nicht anonyme Wesen der Masse, sondern Personen, mehr noch: seine geliebten Kinder, Schwestern und Brüder Jesu Christi. Gott hat jeden Menschen „beim Namen gerufen“ (Jes 43,4). Die Offenbarung des Johannes bekennt: „Mit dem Tod tilgt Gott sie nicht aus dem Buch des Lebens aus, Christus bekennt die Namen der Sieger vor seinem Vater und seinen Engeln.“ (Offb. 3,5).
An der Osterkerze haben wir dann Lichter zum Gedenken und zur Erinnerung an unsere lieben Verstorbenen angezündet. Eine Osterkerze soll auch zukünftig in der Friedhofkapelle bei den Aussegnungsfeiern stehen. Die Osterkerze ist ein Symbol für die Auferstehung Jesu Christi, in die wir mit hinein genommen worden sind durch unsere Taufe. Bevor die Taufformel mit Wasser gesprochen wird, nennt der Priester den Täufling bei seinem Namen: „N. N., ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das ist unser Glaube, dass sich für unsere Verstorbenen dieser Kreis schließt, indem sie den schauen dürfen, der sie gerufen und beim Namen genannt hat.
In diesen Tagen (Allerheiligen/Allerseelen) erinnern uns besonders der Toten, die unter uns und die mit uns gelebt haben. Menschen behalten wir auch nach Tod und Beerdigung - selbst nach vielen Jahren- in Erinnerung. Sie haben Spuren hinterlassen: Spuren der Liebe, Spuren der Menschlichkeit, Spuren der Hingabe, Spuren der Barmherzigkeit – manchmal auf steinigem, steilem Weg. Wir halten sie im Herzen, so wie sie gewesen sind und was sie ausgezeichnet hat.
Die Bestattungsformen sind vielfältig geworden, und auch die Trauer- und Erinnerungskultur sind im Wandel. Der Kern unseres christlichen Glaubens bleibt und darf uns nicht verloren gehen. Durch Riten (Segnung unserer Gräber), Zeichen und Symbole (Osterkerze/Weihwasser) dürfen wir auf den hinweisen, der uns aus Sünde, Not und Tod errettet: Jesus Christus. Das gilt für jede und jeden von uns, der glaubt, hofft und liebt: "Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind."
Nicht umsonst schreiben wir zur Erinnerung den Namen unserer Verstorbenen auf das Grab; wir wollen keine anonymen Bestattungen. Wir wollen nicht, dass die aus der Kirche Ausgetretenen, die einmal mit unserer christlichen Gemeinde verbunden waren, einfach mit ihrem Tod von der Bildfläche verschwinden. Das entspricht nicht unserem christlichen Gottes- und Menschenbild. Wir erinnern uns ihrer in der Feier der Liturgie, im Gottesdienst. Wir zünden Kerzen an, legen Blumen nieder und Besprengen die Gräber mit Weihwasser- Zeichen des Lebens. Wir bleiben mit ihnen über Tod und Grab hinaus verbunden und erinnern uns an die Toten, nicht damit sie leben, sondern weil sie leben – bei Gott im Himmel: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du gehörst mir.“ Amen.
