Frühere Kirche Sankt Otto ist verkauft

Die Hofer Hospitalstiftung erwirbt das Gebäude und den großen Grund drumherum. Die Kirche soll abgerissen werden – davon, was hier entstehen könnte, gibt es einige Vorstellungen.
Der Notartermin ist schon über die Bühne gegangen, am Mittwoch gab es noch einen symbolischen Handschlag: Die katholische Kirche hat das Kirchengebäude Sankt Otto in Moschendorf an die Hospitalstiftung Hof verkauft. Das Kirchengebäude, eingeweiht 1963, war Anfang des Jahres profaniert worden, die Gläubigen finden seither eine Anlaufstelle wenige Hundert Meter entfernt in der Kapelle des neu gebauten Caritasheims. Dass das Gebäude auf absehbare Zeit nicht mehr als Kirche genutzt werden wird, steht seit einigen Jahren fest – parallel zum Trauerprozess für die Gemeindeglieder liefen seither die Überlegungen, wie sich Kirchenraum und Grundstück nutzen lassen könnten. Da gingen die Gedanken auch in Richtung Kita, Konzert- oder Aussegnungshalle. Letztlich wird es aber um etwas anderes gehen.
Das Vorhaben: Innerhalb der nächsten fünf Jahre, so sieht es der Kaufvertrag vor, soll das Kirchengebäude abgerissen werden. „Wir haben das auch von Anfang an klar kommuniziert“, sagt Sebastian Oehme, Geschäftsführer der Hospitalstiftung. „Möglicherweise gibt es noch eine städtische Zwischennutzung für das Dach.“ Grundsätzlich aber möchte man hier Wohnraum schaffen – in welcher Form und mit welchen Anteilen genau, das stehe allerdings noch nicht fest. So könnte es sein, dass das 8654 Quadratmeter große Grundstück parzelliert und in Erbpacht vergeben wird, es könnte aber auch um Wohnen mit sozialem Zweck gehen. Oehme betont: Man habe keinen Zeitdruck, da man nicht innerhalb weniger Jahre Rendite aus dem Grundstück ziehen müsse – da sind Besonnenheit und immerwährende Absprachen wesentliche Bestandteile der Kaufverhandlungen gewesen.
Die Kirche: Gebaut worden war das Gotteshaus ab 1960, und viele Moschendorfer haben sich damals wie heute mit Hand und Herz für ihre ureigene Kirche eingebracht. „Als ich 1993 nach Hof gezogen bin, saßen sonntags 100 Gläubige im Gottesdienst, es gab 20 Ministranten“, erzählt Ernst Schmiedl, Mitglied der Kirchenverwaltung Bernhard Lichtenberg. Und ergänzt, dass das heute eben ganz anders aussehe – da gebe es in Moschendorf noch zwei Ministranten. So sei spätestens 2017 mit dem Zusammenschluss der beiden Hofer Pfarreien Sankt Konrad und Sankt Marien klar gewesen, dass es auch in Sachen Immobilien nicht ewig so weitergehen wird wie bisher. Wie berichtet, hatten 2019 die damals verantwortlichen Pfarrer Hans-Jürgen Wiedow und Holger Fiedler in einer Gemeindeversammlung erklärt, dass die Kirche über kurz oder lang nicht mehr genutzt werden könne. „Seither gab es Diskussionen in der Kirchenverwaltung, ob man das Gebäude anders nutzen, verkaufen oder abreißen sollte“, erklärt Ernst Schmiedl. Am Ende beinhaltet der Ansatz alle drei Punkte.
Der Käufer: Die Hospitalstiftung Hof hat das Gebäude samt Grundstück erworben – und zwar des Grundstücks wegen. Die Gespräche über die 8654 Quadratmeter mitten in Moschendorf liefen bereits seit etwa einem Jahr. Die Stiftung hat sich aus zwei Gründen dafür entschieden, das Areal zu kaufen: „Unsere DNA ist der Grundbesitz, durch den wir in die Lage versetzt werden, unserem Stiftungszweck nachzukommen“, erklärt Geschäftsführer Sebastian Ohme. Die Hospitalstiftung hat bekanntlich umfangreiche Liegenschaften in der Region, ihre Bewirtschaftung trägt das eigentliche Kerngeschäft: die Hofer Altenhilfe. Der zweite Grund für den Zuschlag: Die Hospitalstiftung ist eine der Stiftungen, die von der Stadt Hof verwaltet werden – dadurch hat die Stadt indirekt Zugriffsmöglichkeiten auf das Grundstück. Um hier entweder eigene Vorhaben zu verwirklichen – oder aber solche, die aus städtischer Sicht eher nicht zu begrüßen wären, verhindern zu können.
Über den Kaufpreis sagen die Beteiligten, dass beide Parteien unzufrieden damit gewesen seien: die einen, weil sie sich mehr erhofft hatten, die anderen, weil sie weniger hätten bezahlen wollen – Anhaltspunkt für einen guten Kompromiss. Man spreche aber über einen Kaufpreis weit unterhalb der Bodenpreise für Hofer Grundstücke, schon allein des noch ausstehenden Abrisses und der Erschließungsfragen wegen, und auch, weil der Grund nicht gleichmäßig nutzbar ist. Wichtig für die Kirche war und ist derweil die Botschaft an die Gläubigen.
Der Prozess: „Das wird nicht das letzte Kirchengebäude in Deutschland sein, das veräußert wird, wir wollten also einen Prozess mit Vorbildcharakter haben“, sagt Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann. In einer Machbarkeitsstudie hatte ein Architekt Möglichkeiten für eine Nutzung als Kita, Konzert- oder Aussegnungshalle aufgezeigt, ein lokaler Träger hatte hier eine Tagespflege eröffnen wollen, auch eine andere religiöse Gruppierung hatte angefragt. Ihnen hat die Kirche genauso abgesagt wie Spekulanten aus dem Ausland: „Wir hatten mal eine Anfrage von einem Investor aus Österreich, da hat die Recherche aber ergeben, dass er schon diverse Insolvenzen hinter sich hatte – und so etwas wie am Strauß-Areal wollten wir den Gläubigen wirklich ersparen“, sagt Ernst Schmiedl. Es sei allen Verantwortlichen ein Anliegen gewesen, einen seriösen und verantwortungsvollen Nachnutzer zu finden.
Mit zum Prozess gehört: Die Gläubigen haben mit der Kapelle im Caritasheim eine neue Anlaufstelle erhalten. Viele der Intarsien und Teile des Inventars sind direkt mit umgezogen – vom Kruzifix über Wandverkleidungen bis hin zum Bildnis von Sankt Otto, das sich auch in der neuen Kapelle wiederfindet. Kirchenbänke und Co. sind beispielsweise für einen Kirchenneubau in der polnischen Gemeinde in Oppeln gespendet worden. „Die Menschen verbinden viel mit diesem Gebäude: Feste, Biografisches, Heimat – und das über Jahrzehnte: Da gibt es natürlich einen Trauerprozess“, sagt Stefan Fleischmann. Und ja: Von Gemeindegliedern sei auch die Frage gekommen, ob denn ihr ganzes Wirken für Sankt Otto umsonst gewesen sei über die Jahre. Das sei es natürlich nicht, betont Fleischmann. „Wir geben das Gebäude auf, nicht die Gemeinde und nicht die Menschen.“
Verkauft: Kirchengebäude und Grundstück gehören nun der Hospitalstiftung – das hintere Kreuz auf dem Dach wandert vielleicht auf die Filialkirche in Feilitzsch. Unser Bild zeigt, von links, Sebastian Oehme, Hospitalstiftung, sowie Stefan Fleischmann und Ernst Schmiedl von der katholischen Kirche.
Auszug aus der Frankenpost vom 23.11.2023