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Gaudete

3. Advent
Datum:
Veröffentlicht: 10.12.22
Von:
Stefan Fleischmann
Was ist eigentlich Hoffnung?

Am Adventskranz brannten vier Kerzen. Draußen lag Schnee und es war ganz still. So still, dass man hören konnte, wie die Kerzen miteinander zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: "Ich heiße FRIEDEN. Mein Licht gibt Sicherheit, doch auf der Welt gibt es so viele Kriege. Die Menschen wollen mich nicht." Ihr Licht wurde kleiner und kleiner und verglomm schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße GLAUBEN. Aber ich fühle mich überflüssig. Die Menschen glauben an gar nichts mehr. Was macht es für einen Sinn, ob ich brenne oder nicht?" Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze verlosch.

Leise und sehr zaghaft meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: "Ich heiße LIEBE. Mir fehlt die Kraft weiter zu brennen; Egoismus beherrscht die Welt. Die Menschen sehen nur sich selbst, und sie sind nicht bereit, einander glücklich zu machen." Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind ins Zimmer. Erstaunt schaute es die Kerzen an und sagte: "Warum brennt ihr nicht? Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein." Betrübt ließ es den Blick über die drei verloschenen Kerzen schweifen.

Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: "Sei nicht traurig, mein Kind. So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen immer wieder anzünden. Ich heiße HOFFNUNG."

Mit einem kleinen Stück Holz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und erweckte Frieden, Glauben und die Liebe wieder zu Leben.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich heiße HOFFNUNG.
Ja, was ist eigentlich  Hoffnung?
Wwas lässt uns hoffen?

 „Hoffnung heisst- Leiden am Wirklichen und Leidenschaft für das Mögliche.“ So formulierte es einmal Sören Kierkekaard.  

Was damit gemeint ist, zeigt ein sehr altes biblisches Buch, das Prophetenbuch Jesaja. Im Advent hören wir immer wieder Abschnitte daraus. Jesaja und seine „Mitautoren“ wissen genau, in welch schwierigen Zeit sie im 8. Jahrhundert vor Christus und in den darauffolgenden Jahrhunderten leben. Sie verschließen nicht die Augen, sondern schauen genau hin – auf das Volk, das sich von Gott abgewendet hat und schuldig geworden ist.  Sie  leiden unter der politischen  Situation, die oft von einer brutalen Unterdrückerpolitik geprägt ist  und unter den Mächtigen, die das Sagen haben. Besonders leiden sie durch Deportation und im Exil mit den Entrechteten und Vertriebenen, den Zukurzgekommenen und Vergessenen. Und doch haben sie eine Hoffnung, die sich durch Katastrophen hindurch bewährt. Sie greifen Bilder dazu auf ... die mehr sagen wie Worte:

eine alte Wurzel
ein grüner Zweig
der glimmende Docht
der heilige Samen
das geknickte Rohr
ein altes Klagelied
eine schützende Hand

und verknüpfen diese mit einer hoffnungsvollen Erwartung:

das geduldige Ausharren
die tröstliche Verheißung
ein rettender Strohhalm
ein leuchtender Stern
die wachsame Sehnsucht
das göttliche Wunder

Der Leser und Hörer des Prophetenbuches darf einen vertrauensvollen Weg vom Ort des Gerichtes zum Ort des endgültigen Heiles erahnen-  auch aufgrund des Heilswillen Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder,

„Leiden am Wirklichen und Leidenschaft für das Mögliche.“
Was lasst uns hoffen?

Da könnte heute jeder so eine Geschichte erzählen, die uns hoffen lässt und Hoffnung schenkt. Ich war vergangene Woche beim 600jährigen Stadtjubiläum von Helmbrechts. Bürgermeister Stefan Pöhlmann hat in seiner Begrüßungsansprache den Krieg erwähnt, ob man in diesen Zeiten überhaupt so ein Fest feiern könne. - Ein bunter Chor, Jung und Alt aus den unterschiedlichen Ortsteilen und  generationsübergreifend, es mögen 50 oder 60 Sängerinnen und Sänger gewesen sein, gab indirekt die Antwort. Sie führten Teile eines Musicals „Der Ursprung der Stadt Helmbrechts“ auf, das anlässlich dieses Jubiläums geschrieben wurde: „Welt.Weit.Wir.“ Der Chor gab den Gästen im Finale  „Wunsch und Vision“ eine hoffnungsvolle Perspektive mit auf den Wege  – ein ergreifender Augenblick für mich und eine ganz besondere  Atmosphäre im Saal:

Wir wünschen uns Frieden, ein wenig Sicherheit,
ein Leben ohne Angst, von falschen Mächten befreit.
Auch Rücksicht wünschen wir, zu List und Tücke sag’n wir „Nein!“
Der Starke hilft dem Schwachen: So und nicht anders soll es sein
.
(Gerd Koppitz)

Meine Bitte: Erzählen wir uns immer wieder Hoffnungsgeschichten. Sie machen uns allen Mut und stärken unser Vertrauen in eine von und mit Gott geführte Zukunft – ganz persönlich und weltweit. Amen.

 

Fürbitten:

Voller Erwartung und  Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest kommen wir zu dir mit unseren Anliegen und Bitten:

  • Für die Kirche, die Hoffnungszeichen und Ruferin der frohen Botschaft in unsere Welt durch den Lärm der Zeit hindurch ist.
  • Für die Kinder und ihre Familien, die sich auf die erste heilige Kommunion vorbereiten.
  • Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in diesen Tagen das Friedenslicht in die Gemeinden und Häuser tragen.
  • Für die kirchlichen Bands und Chöre, die Organisten und Kantoren, die mit ihrem Musizieren das Gotteslob bereichern und auf ihre Weise das Heilshandeln Gottes verkünden.
  • Für die Schausteller, Marktkauf- und Zirkusleute, die in der Advents-und Weihnachtszeit in unserer Stadt leben und arbeiten.
  • Für die Senioren, die mit ihrer Erfahrung und ihrem Humor anderen helfen und beistehen.
  • Für Kranken und Sterbenden und allen, die im Krankenhaus und in Pflegeeinrichtungen tätig sind.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.