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Geistliches Wort zum Bundeswehr Appell am 15.06.2026 aus Anlass des 55jährigen Jubiläums auf dem Bernhard Lichtenberg Platz

Appell
Datum:
Veröffentlicht: 16.6.26
Von:
Stefan Fleischmann
„Suche Frieden und jage ihm nach.“

Andreas Müller (Dekan): Liebe versammelte Gemeinde. „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Diesen Aufruf singt der Beter im 34. Psalm. „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Klingt wie zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Den Frieden zu suchen, klingt wie die Aufforderung, intensiv nach Auswegen oder Kompromissen zu suchen, damit es gar nicht erst zu einem Konflikt kommt. Aber kann man sich wirklich auf die Pirsch danach machen, ihm nachjagen wie einem scheuen Reh, dass sich gut versteckt nicht gern finden lässt?

Stefan Fleischmann (Pfarrer): ich höre es anders: Suche den Frieden und jage ihm nach, ist keine Einladung zu einer Schnitzeljagd, sondern eine Haltung. Ich bin beständig auf der Suche nach Konfliktlösungen. Ich möchte Kompromisse schließen, Interessen ausgleichen. Diesem Ziel jage ich nach. Es ist flüchtig. Man verliert es leicht aus den Augen, wenn erst einmal dem Gegner seine Menschenwürde abgesprochen wird. Wenn er keinen Namen und kein Gesicht mehr hat. Nur noch „der Feind“ ist. Wenn erst die Logik von Gewalt, Verletzung, Wut, Hass, Rache und Vergeltung die Oberhand gewonnen hat, sucht keiner mehr den Frieden durch einen friedlichen Ausgleich unterschiedlicher Bedürfnisse und Interessen.

Andreas Müller (Dekan): Ja Frieden ist eben keine Selbstverständlichkeit, die sich von selbst einstellt. Er ist ein kostbares Geschenk, dass wir in unserem Land seit 1945 immer wieder aufs Neue auspacken durften. Frieden und Versöhnung mit unserem westlichen Nachbarn Frankreich nach drei schrecklichen Kriegen. Frieden mit unseren Nachbarn auch im Osten war spätestens seit dem 09. November 1989 zu einer Gewissheit und Verlässlichkeit geworden.

Stefan Fleischmann (Pfarrer): Stimmt Andreas. Und dann fiel vor drei Jahren am 24. Februar ein Satz, der alles bei uns verändert hat: „Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht.“ Unsere ehemalige Außenministerin sprach vom Überfall russischer Truppen auf die Ukraine. Seither sind die Spannungen gestiegen. Länder wie Polen oder auch die baltischen Staaten fürchten eine zunehmende Bedrohung oder gar eine bewaffnete Invasion.

Andreas Müller (Dekan): Diese Sorgen teilen mittlerweile mehr und mehr Menschen in unserem Land. Das Gefühl, in Zukunft möglicherweise einer wachsenden Bedrohung ausgesetzt zu sein, breitet sich aus.

Stefan Fleischmann (Pfarrer): Ist dann nicht der Appell: Suche Frieden und jage ihm nach, ein Ruf, die Spirale gegenseitigen Rüstens nicht weiter in Schwung zu bringen?

Andreas: Suche Frieden und jage ihm nach, ist für mich vor allem ein Aufruf, Verantwortung für den Frieden zu übernehmen. Krieg ist ja nicht einfach das Gegenteil von Frieden. Das Gegenteil von Krieg ist Frieden machen. Das heißt für mich ein aktives Sich-Einsetzen um Frieden zu fördern, Frieden zu bewahren und im äußersten Fall Frieden auch unter Androhung oder Einsatz von Gewalt wiederherzustellen.

So hat mein Vater, der bis 1994 als Berufssoldat gedient, seinen Dienst immer verstanden. Ich trage meinen Teil dazu bei, dass unser Land und das Territorium unserer Bündnispartner gar nicht erst angegriffen wird.

Stefan Fleischmann (Pfarrer) : Dann konnte Dein Vater das miteinander verbinden: Sein Christsein mit seinem Soldatsein.

Andreas Müller (Dekan): ja, er hatte sich die gleiche Frage gestellt, die schon Martin Luther grundsätzlich angegangen ist: Kann ein Soldat im seligen Stand sein? Luther hat das bejaht- Vor zwei Jahren haben wir uns am Reformationstag im Gottesdienst mit eben dieser Frage beschäftigt. In einem spannenden Nachgespräch, an dem auch Oberst Grefe teilnahm, war der Konsens groß: Christsein und Dienst in der Bunderwehr sind heute miteinander vereinbar.

Stefan Fleischmann (Pfarrer): Das sieht meine Kirche genauso. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee. Unsere Soldatinnen und Soldaten sind Bürgerinnen in Uniform. Landes- und Bündnisverteidigung heißt der Auftrag und eben nicht Eroberung von Territorium.

Andreas Müller (Dekan): Eine solche Bunderwehr hat die im April erschienene Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland vor Augen. Unter dem Titel "Welt in Unordnung - Gerechter Frieden im Blick" setzt sie sich mit dem Konzept einer rechtserhaltenden Gewalt und der Frage nach einem Gerechten Frieden auseinander.

Ziel ist immer der Erhalt des Friedens. Im äußersten Fall auch seine Wiederherstellung durch Androhung oder Ausübung von Gewalt.

Stefan Fleischmann (Pfarrer): Suche Frieden und jage ihm nach. Bleibt unser aller Auftrag als Christen und Christen. Als Kirchen sind wir dankbar, dass die Soldatinnen und Soldaten sich dieser Aufgabe jeden Tag stellen. Im ganzen Land an vielen Standorten und auch und besonders hier in Hof. Ihnen allen gilt unser Respekt und unser Dank

Friedensgebet (des Hl. Franziskus)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
Amen.