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Glücklich die Gemeinde, die...

Seligpreisungen
Datum:
Veröffentlicht: 12.2.22
Von:
Stefan Fleischmann
Die Seligpreisungen im Matthäus- und Lukasevangelium zeigen, was Jesus unter Glück versteht.

Liebe Schwestern und Brüder,

in einem Kreuzworträtsel wird ein anderes Wort für „selig“ gesucht – mit 10 Buchstaben: „glücklich“. - So könnte man sagen: Die Seligpreisungen im Matthäus- und Lukasevangelium zeigen, was Jesus unter Glück versteht. Es sind sozusagen Impulse zum Glücklichsein, wo es vielleicht gar nicht danach so ausschaut: Glücklich werden Arme, Traurige, Leidtragende und Verfolgte genannt.

Jesus stellt das Denken des Menschen auf den Kopf. Was steckt dahinter? Ein Theologe sagte einmal: „Glück beschreibt das Gefühl, das sich regt, wenn man das Leben mit den Augen Gottes ansieht.“ D. h. von Gott her denken, Leben sehen, verstehen und wertschätzen. So sind die Seligpreisungen die Einübung einer christlichen Lebenshaltung, was ja auch eine Kirchengemeinde auszeichnet.

Aufgrund einer Vorlage (nach einer Predigt des Erzbischofs von Neapel, Domenico Battaglia) habe ich die Seligpreisungen ins Heute einer Kirchengemeinde übersetzt:

Glücklich die Gemeinde, die Armut und das Teilen zu ihrem Lebensstil macht, denn durch ihr Zeugnis baut sie das Himmelreich auf.

Glücklich die Gemeinde, die sich nicht scheut, Tränen zu weinen, damit sich in ihnen die Leiden der Menschheit und die Mühen der Engagierten widerspiegeln und sie in der Umarmung der Leidenden den Trost Gottes findet.

Glücklich die Gemeinde, die ihre Aufgaben und Ämter als Dienst und nicht als Macht betrachtet, die die Sanftmut und Menschenfreundlichkeit zu ihrer Stärke macht und jeden in ihrem Herzen wohnen lässt, um in dem Land zu leben, das den Sanftmütigen verheißen ist.

Glücklich die Gemeinde, die sich nicht in einem Palast einschließt und hinter Mauern versteckt, die nicht zu einem Bürokraten verkommt, die weniger auf Statistiken als auf Gesichter achtet, auf Verfahren als auf Geschichten, die versucht, an der Seite der Menschen für den Traum Gottes von der Gerechtigkeit zu kämpfen, weil der Herr, der ihr in der Stille des täglichen Gebets begegnet, ihre Nahrung sein wird.

Glücklich die Gemeinde, die ein Herz für das Elend der Welt hat, die sich nicht scheut, ihre Hände mit dem Schlamm der menschlichen Seele zu beschmutzen, um das Gold Gottes zu finden, die sich nicht über die Sünde und die Schwäche der anderen empört, weil sie sich ihres eigenen Elends bewusst ist, denn der Blick des gekreuzigten Auferstandenen wird für sie ein Siegel der unendlichen Vergebung sein.

Glücklich die Gemeinde, die die Doppelzüngigkeit aus dem Herz verbannt, die jede Scheinheiligkeit vermeidet, die auch inmitten des Bösen vom Guten träumt, denn sie wird sich am Antlitz Gottes erfreuen können und sein Spiegelbild in jeder Pfütze der Stadt der Menschen entdecken.

Glücklich die Gemeinde, die sich für den Frieden einsetzt, die die Wege der Versöhnung begleitet, die im Herzen der Menschen den Samen der Gemeinschaft sät, die eine gespaltene Gesellschaft und Kirche auf dem Weg der Versöhnung begleitet, die jeden Mann und jede Frau guten Willens an die Hand nimmt, um die Geschwisterlichkeit unter den Menschen aufzubauen.

Glücklich die Gemeinde, die sich um des Evangeliums willen nicht scheut, gegen den Strom zu schwimmen und ein strenges Gesicht aufzusetzen wie Christus auf seinem Weg nach Jerusalem, ohne sich von Missverständnissen und Hindernissen aufhalten zu lassen, weil sie weiß, dass das Reich Gottes immer auch im Widerspruch zur Welt voranschreitet.

Liebe Gemeinde,

ich möchte Ihnen die Seligpreisungen nach Lukas und Matthäus mit in die neue Woche geben – Impulse zum Glücklichsein. Jesus sagt, was er unter „Glück“ versteht und weist uns damit einen Weg, das Glück anders als bisher zu erfahren und anders als die anderen zu verstehen. „Glückselig sind“ – machen wir uns weiter auf den Weg. Und sehen wir, wohin er uns führt – jeden Einzelnen und uns als Kirchengemeinde!

Amen.