Gottesdienste zu Allerseelen im Hofer Land

Im Unterschied zu Allerheiligen wird an Allerseelen der verstorbenen Verwandten, Freunden und Bekannten gedacht. In fast allen Pfarrkirchen des Seelsorgebereichs Hofer Land fanden Gottesdienste statt, so auch in der Pfarrkirche St. Konrad in Hof, den stellvertretender Leitender Pfarrer Dr. Dieter Jung zelebrierte. Januka Gunaratnam als Organistin und Kantorin sorgte für die dezent musikalische Umrahmung.
„Wir lieben das Leben und leben in vollen Zügen - Genuss ist angesagt“, sagte Pfarradministrator Dieter Jung zu Beginn des Gottesdienstes, doch viele klammerten dabei aus, dass dieser Genuss flüchtig und nichtig sei, so schön das doch wäre. „Wir denken heute über unser Menschenleben nach, zu dem auch das Sterben dazu gehört. Und wir denken an unsere Verstorbenen und an das, was sie uns zu Lebzeiten geschenkt haben“.
In seiner hoffnungsvollen, auf die Auferstehung ausgerichteten Predigt bezog sich Dieter Jung auf die Lesung aus dem Buch Jesaja, wo im 25. Kapitel Gottes menschenfreundliche Zuwendung veranschaulicht wird: Gott gibt ein Festmahl, er wischt die Tränen aus dem Gesicht der Trauernden und er rettet tatkräftig. „Zu einer Beerdigung gehört hier in Franken für viele Trauernde der Leichenschmaus untrennbar dazu“, stellte Dr. Dieter Jung zu Beginn seiner emotionellen Predigt fest. „Es ist ein meist fröhliches Essen angesichts des Todes - in liebevoller Erinnerung an den Verstorbenen. Oft werden Geschichten vom Leben erzählt, Erlebnisse, die auch über den Tod hinaus verbinden. Das miteinander Essen und Trinken angesichts des Todes ist ein Zeichen dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern das Leben weitergeht, weitergehen muss.“ Pfarrer Jung erzählte, dass man in Lateinamerika Allerheiligen und Allerseelen sogar auf den Friedhöfen feiert. Man isst und trinkt an den Gräbern der Verstorbenen und feiert mit ihnen ein Fest des Lebens!“
Was uns hier in Europa befremdlich erscheine, sei ein Hoffnungszeichen, betonte der Redner, ein irdisches Zeichen des anbrechenden Festmahles am Ende der Zeiten, das die Lesung aus dem Buch Jesaja in hoffnungsvollen Bildern gezeichnet hat. Jede Eucharistiefeier sei ein Vorgeschmack auf dieses Festmahl am Ende der Zeiten. „In jeder Eucharistiefeier sind wir und auch unsere Verstorbenen hineingenommen in Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi. In jeder Eucharistiefeier feiern wir das Leben, das über den Tod hinausgeht, ewiges Leben, das uns im Leib und Blut Jesu Christi geschenkt wird!“, schloss Pfarrer Dieter Jung seine einfühlsamen Ausführungen. Im Anschluss daran waren die Gläubigen zu einer „Weihrauchspende“ eingeladen. Auf einem Tischchen vor der Osterkerze war eine Sandschale mit Weihrauchkörnern aufgestellt. Die Gläubigen waren eingeladen nach vorne kommen und im Gedenken an die Verstorbenen ihrer Familie, an ihre verstorbenen Ehepartner, Freunde und Bekannte ein Weihrauchkorn auf die glühenden Kohlen zu legen. Ihr stilles Gebet soll dabei wie der Weihrauch zu Gott aufsteigen! Dieser schön gestaltete Gottesdienst war sicher ein Geschenk für alle Gottesdienstbesucher!
geschrieben von Bernhard Kuhn
Foto 1: Stellvertretender Leitender Pfarrer Dr. Dieter Jung betet vor der Weihrauchschale: „Gott, oft fehlen uns angesichts von Tod und Trauer die Worte. Unsere Sprachlosigkeit und unser fürbittendes Gebet steige vor dir auf wie Weihrauch“.
Foto 2: Die Gläubigen schlossen sich der Weihrauchspende an.
