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Großartige Klänge in der Marienkirche

Chor der Dresdner Frauenkirche 2022
Datum:
Veröffentlicht: 9.10.22
Von:
Bernhard Kuhn
Chor der Dresdner Frauenkirche begeistert die zahlreichen Zuhörer
Chor der Dresdner Frauenkirche 2022

Wie von unsichtbaren Fäden gezogen führte es am Sonntag um 16:00 Uhr eine große Menschenmenge in die schließlich übervoll besetzte Stadtpfarrkirche St. Marien in Hof, in der mit dem Chor der Dresdner Frauenkirche, ein deutsches Spitzenensemble, zu Gast war. Unter der Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, der - wie schon bei seinen vormaligen Gastspielen in der katholischen Zentralkirche - auch als Konzertorganist brillierte, brachten die Sängerinnen und Sänger Chormusik der Romantik zu Gehör.

Das musikalische Spektrum war bewusst gesetzt, ist die Marienkirche doch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, und ihre einzigartige Akustik antwortet in besonders sensibler und präziser Weise auf die Klänge diese Zeit. Der Konzertnachmittag begann festlich mit dem Präludium in F-Dur des Dresdner Organisten und Komponisten Gustav Merkel, dessen Psalmmotette “Wie lieblich sind deine Wohnungen” die Marienkirche ebenso als einen vielfarbigen Klangraum erlebbar machte wie Felix Mendelssohn Bartholdys Terzet aus dem Oratorium “Elias” “Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen”. Mit der Sonate Nr IV in a-Moll von Joseph Gabriel Rheinberger zeigte Matthias Grünert an der Orgel erneut das breite Spektrum seines interpretatorischen Vermögens an der für die Wiedergabe dieser Musik ideal geeigneten historischen Steinmeyer Orgel, einem der großen Bauten des im 19. Jahrhundert führenden Orgelbauers und mit seiner mechanischen Kegellade ein besonders wertvolles Instrument. Mit der Messe in G-Dur hatte Frauenkirchenkantor Matthias Grünert ein besonders klangschönes katholisches Ordinarium ausgewählt, dessen mal sanfte, mal festliche Klänge die Herzen der Zuhörer bewegten. Dem zuvor schon erklungenen Komponisten Mendelssohn war der letzte Teil des Konzertes gewidmet. Seine machtvolle Sonate für Orgel in c-moll zeigte den tiefen Ernst Mendelssohn ebenso wie die fröhliche Leichtigkeit, die die Werke dieses besonders ökumenischen Komponisten auszeichnet, der Werke für den evangelischen Gottesdienst ebenso schrieb wie für den katholischen oder die Synagogalliturgie. Der Chor der Frauenkirche brachte danach aus dem Elias das vertraute und in diesen unruhigen Zeiten so bestärkende Quartett “Wirf dein Anliegen auf den Herrn” zu Gehör. Abschließend erklang die im eucharistisch durchbeteten Raum der Marienkirche in besonderer Weise resonierende Motette “Locus iste” von Anton Bruckner.

Dass den Hofern in der Marienkirche ein so wertvolles musikalisches Geschenk gemacht werden konnte - der Eintritt war, wie bei den Veranstaltungen in der Konzertreihe von Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer üblich - für alle frei. Es ist Teil der Netzwerkarbeit des Hofer Musikers, der nun seit 28 Jahre in der Stadt wirkt. Die in dieser Zeit fast 300 veranstalteten Konzerte konnte er vor allem dank seiner weit gespannten Kontakte anbieten. Aufgrund derer sind immer wieder Freunde bereit als Solisten, im Ensemble oder mit ihren Chören in der Marienkirche zu gastieren.

Das überaus zahlreich erschienene Publikum - es mussten noch Stühle zugestellt werden, da die Bankreihen der Kirche nicht ausreichten - bedankte sich bei den Musikern für die phantastische und begeisternde Standing ovations und einem lang anhaltenden Applaus. Der Chor erfreute das Publikum daraufhin als Zugabe mit der Chormotette “Uni caritas et amor” von Maurice Duruflé.

Chor der Dresdner Frauenkirche 2022
Chor der Dresdner Frauenkirche 2022