HOFER KATHOLIKEN FEIERN FRONLEICHNAM


Fronleichnam, was ist das eigentlich, so fragen mittlerweile nicht nur Andersgläubige sondern sogar viele Katholiken, die mit diesem Kirchenfest gar nichts anfangen können. Wie Pfarrer Holger Fiedler ethymologisch ausführte, kommt das Wort vom mittelhochdeutschen „vrôn“ = Herr und „lîchnam“ = Leib, also der Leib des Herrn. In anderen Ländern verwendet man die lateinische Bezeichnung Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi oder kurz Corpus Christi. Im Jahr 1264 hatte Papst Urban IV Fronleichnam zum Kirchenfest erhoben, in dem die leibliche Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Ein entsprechendes Dogma war 1215 im vierten Laterankonzil in der Transsubstantiationslehre präzisiert worden. Katholiken glauben also, dass in der Heiligen Messe Brot (Hostie) und Wein durch die Wandlung wahrhaft zum Leib und Blut Christi werden und Christus darin gegenwärtig ist und bleibt. Die Eucharistiefeier ist somit eine Wiederholung des letzten Abendmahls, als Jesus seine Jünger zum Abschied zum Mahl geladen, ihnen die Füße gewaschen und ihnen Brot und Wein gereicht hatte mit den Worten: „Dies ist mein Leib. […] Dies ist mein Blut.“
Obwohl das Fest inhaltlich den Ereignissen des Gründonnerstags, dem letzten Abendmahl, zuzuordnen sind, der Charakter der Karwoche es jedoch nicht erlaubte, ein prunkvolles Fest zu feiern, hatte man sich auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten als Festtag geeinigt. In überwiegend katholischen Bundesländern ist dies ein gesetzlicher Feiertag, der mit Messen und Prozessionen in der Öffentlichkeit begangen wird. Die Prozession ist ein „Gehen mit dem Herrn“, wie Pfarrer Fiedler formulierte. In Form einer geweihten Hostie wird er vom Priester unter einem Baldachin in einer prächtigen Monstranz aus der Kirche hinaus in Stadt, Wald und Flur getragen zu deren Segen und damit die Gläubigen den Herrn in Brotsgestalt sehen und verehren können.
Brot war das zentrale Thema der Begrüßungsworte von Pfarrer Wiedow, der Predigt von Pfarrer Fiedler und der Evangelientexte. Bezugnehmend auf das Matthäusevangelium von der der Speisung der Fünftausend mit fünf Broten und zwei Fischen, einer Parallelen zur Abendmahls-Geschichte, erklärt Fiedler, dass Jesus nicht nur den leiblichen Hunger stillen kann, sondern vielmehr unseren geistigen Hunger, die Suche nach dem Sinn des Lebens. Wie damals, als Jesus zu seinen Jüngern sagte „Gebt ihr ihnen zu essen“, so lautet auch der Auftrag an die Kirche, der Nachfolgeorganisation der Apostelgemeinschaft, den wie auch immer gearteten Hunger der Menschen zu erkennen und zu stillen. Leider ist die katholische Kirche oft betriebsblind und schickt die Leute weg. Deshalb erfahren auch die Freikirchen einen so gewaltigen Zulauf. „Wir als Katholiken haben es in der Hand, Zeugen dafür zu sein, dass Jesus auch heute noch satt macht. Und dafür legen wir heute öffentlich Zeugnis ab“, erklärte Fiedler in seiner Predigt.
Die feierliche Eucharistiefeier am blumengeschmückten Altar vor der Marienkirche wurde von vier Priestern (Pfr. Fiedler, Wiedow, Kräck, Pfister) zelebriert, 25 Ministranten assistiert, vielen Kommunionkindern im Festtagsgewandt bereichert und musikalisch traditionsgemäß von der Unterhartmannsreuther Blaskapelle begleitet. Dann setzte sich die Prozession, zu der sich mittlerweile etwa 400 Gläubige eingefunden hatten, unter Gesang und Gebeten in Gang. Durch die Altstadt und Ludwigstraße ging es zum Rathaus, wo ein weiterer Altar aufgebaut war, dann durch die Klosterstraße und Goethestraße zum Altar auf den Treppen des Hotel Central, bis zum krönenden Abschluss in der Konradskirche. Orgelklänge, Chorgesang und Weihrauch bildeten den jubelnden Abschluss der religiösen Feier, bevor man sich auf die Pfarrwiese begab, um dort den leiblichen Hunger und Durst zu stillen.
Auch in diesem Jahr hatte die Meinel Bräu wieder das „Konrad und Mariechen Bier“ gebraut. Es wartete nur noch darauf, von den beiden Pfarrern der Pfarreien St. Konrad und St. Marien angezapft zu werden. Pfarrer Wiedow holte zu einem kräftigen Schlag aus und schon floss der süffige Gerstensaft in Strömen. Trotz der recht kühlen Temperaturen fand er reichlich Zuspruch bei der Feiergemeinde, ebenso wie die heiße Gulaschsuppe und die leckeren Grillgerichte der Metzgerei Lochner. Wer sich allerdings lieber in wärmere Gefilde begeben wollte, konnte sich im Pfarrsaal Kaffee und Kuchen schmecken lassen.
