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Heimische Orgelwelt zwischen Buchdeckeln

Steinmeyerorgel, St. Marien
Datum:
Veröffentlicht: 27.6.25
Von:
Frankenpost/Von Jürgen Henkel

Von Jürgen Henkel

Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer aus Hof arbeitet derzeit an einem Buch über Orgeln im Hofer Land

Hof. Sie gilt als Königin der Instrumente. Ihr farbenreicher und außergewöhnlich vielseitiger Klang von sonoren und dunklen Basstönen bis zum strahlend-quirligen Zimbelstern vermag die Orgel Zuhörerinnen und Zuhörer in den Kirchenbänken zu begeistern, sei es das Publikum bei Konzerten oder auch die Gemeindeglieder bei Gottesdiensten. Dass Orgeln und Orgelbiographien auch zwischen Buchdeckeln interessant sein können, zeigt nun der Musikwissenschaftler, Kantor und Komponist Dr. Ludger Stühlmeyer aus Hof. Der katholische Musikdirektor arbeitet derzeit an einem Buch über Orgeln im Dekanat Hof.

Stühlmeyer selbst sitzt leidenschaftlich gerne auf der Orgelbank und musiziert. Nun hat er sich im Rahmen des noch von Papst Franziskus ausgerufenen „Heiligen Jahres 2025“ entschlossen, die Orgeln aus Hof und dem katholischen Seelsorgebereich Hofer Land in Buchform zu präsentieren. Das Werk entsteht zurzeit unter dem Titel „Orgelspaziergänge im Hofer Land“. Stühlmeyer hat dazu die Kirchen und ihre Orgeln in der Stadt Hof selbst, aber auch in den Gemeinden im Hofer Land besucht. Er sammelt akribisch Material und Informationen über die jeweiligen Orgeln in den Pfarreien, studiert dazu Archivquellen und systematisiert dann die Ergebnisse.

Für den an der Universität Münster promovierten Musikwissenschaftler, der auch Theologie und Philosophie studiert hat, ist es indes nicht die erste Publikation zur Hofer Musikgeschichte. Bereits seine 2010 veröffentlichte Doktorarbeit „Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Eine Studie zur Kultur Oberfrankens von der Gründung des Bistums Bamberg bis zur Gegenwart“ widmete sich diesem Thema. Nachdem er seit 1994 als katholischer Stadt- und Dekanatskantor in Hof wirkt, hat er zudem im Rahmen dieser Tätigkeit ohnehin schon eine dokumentarische Sammlung mit Berichten und Orgelakten zu den Orgeln seines Amtsbezirks erstellt, auf die er nun zurückgreifen kann. Jetzt allerdings macht er die Informationen öffentlich.

„Den Anfang bildete eine kleine Artikelserie im Heinrichsblatt, dem Sonntagsblatt des Erzbistums Bamberg, zu verschiedenen Orgeln. Diese Beiträge habe ich jetzt für das Buch ausführlich ausgearbeitet und um weitere Beispiele ergänzt. Es gibt jeweils Informationen zur Geschichte der Kirchen und der Orgeln. Nach dieser historischen Einordnung werden die technischen Daten beschrieben. Schließlich gibt es Hinweise auf Besonderheiten der jeweiligen Orgeln“, erläutert Stühlmeyer seine Vorgehensweise und die Methodik der Darstellung. Die so entstehenden „Orgelsteckbriefe“ bieten einen Einblick in die heimische Orgelwelt zwischen Buchdeckeln. Dazu gibt es natürlich auch Bilder von den Orgeln.

Doch Stühlmeyers Buch wird nicht nur die Orgeln einzeln vorstellen, sondern auch eine umfassende Einführung in die Geschichte der Orgel von ihrer Erfindung in der Antike über die Eigenheiten der einzelnen Epochen bis zur Gegenwart bieten. Dabei geht es um Kaiserhöfe und technikverliebte Mönche im Mittelalter, die technischen Weiterentwicklungen und die Stellung der Orgel in den jeweiligen Epochen der Musikgeschichte – von Gotik, Renaissance und Reformationszeit über Barock, Klassik und Romantik bis zur Moderne.

Darüber hinaus schenkt Stühlmeyer auch der lokalen Geschichte des Orgelbaus und der Orgelmusik in Hof Aufmerksamkeit. „Hof hatte vor Jahrhunderten namhafte Orgelbauer und andere Instrumentenbauer. Es gab hier im Mittelalter Zinn- und Glockengießer und auch Holzschnitzer. Letzteres war wichtig für die Orgelprospekte. So konnten hier Orgeln hoch professionell hergestellt werden“, gerät Ludger Stühlmeyer ins Schwärmen.

Neben Orgeln und Orgelbau zeigt sich Stühlmeyer nach wie vor auch von der Musikgeschichte der Stadt Hof begeistert, über die er promoviert hat. „Sowohl die Musikgeschichte der israelitischen Kultusgemeinde, als auch die Geschichte der Kirchenmusik ist in Hof faszinierend. Bereits seit 1375 gab es hier eine Orgel. Es war eine der ersten drei Orgeln in Franken. Hof hatte damit früher eine Orgel als der Bamberger Dom“, erzählt der Musiker und Autor.

Bei seinen Recherchen und Darstellungen konnte er immer wieder auf seine früheren Forschungsergebnisse zurückgreifen. Sein neues Buch „Orgelspaziergänge im Hofer Land“ wird allerdings zwar mit wissenschaftlich haltbaren Ergebnissen aufwarten, aber keine strikt akademische Darstellung liefern. „Das wird ein allgemeinverständliches Sachbuch, das inhaltlich leicht zugänglich sein soll und auch einladend und amüsant zu lesen sein wird“, kündigt Stühlmeyer an.

Er freut sich, dass er zu seiner Regionalstudie zur Kirchenmusik und zum regionalen Orgelbau 15 Persönlichkeiten gewinnen konnte, die in kurzen Statements ihre persönliche Beziehung zu Orgeln und Orgelmusik schildern. Dazu zählen unter anderem Landrat Dr. Oliver Bär und Oberbürgermeisterin Eva Döhla. Vom emeritierten Erzbischof Dr. Ludwig Schick wird eine Musterpredigt zu einer Orgelweihe abgedruckt sein. Hinzukommen eine Zeittafel und ein kleines Lexikon zu Orgelbegriffen.

Das Manuskript ist nun fertig und wird derzeit noch lektoriert. Das Buch selbst soll nach den Sommerferien in der Verlagsbuchhandlung Sabat in Kulmbach erscheinen und wird dann auch in Hof präsentiert. In diesem Band werden alle evangelischen und katholischen Orgeln der Hofer Innenstadt präsentiert, dazu die Orgeln katholischer Kirchen aus dem Seelsorgegebiet Hof, insgesamt 23 an der Zahl. In Zusammenarbeit mit seinem Hofer Amtskollegen, dem evangelischen Kirchenmusikdirektor Georg Stanek, ist übrigens bereits eine Fortsetzung geplant.