Impuls zur österlichen Bußzeit 2026: "Frühjahrsputz"

„Zwei Frauen schauen gemeinsam durch ein Fenster und ihr Blick richtet sich auf die frisch gewaschene Wäsche der Nachbarin, welche auf der Wäscheleine hängt. Da sagte eine der Frauen: So eine dreckige Wäsche würde ich nicht öffentlich an die Leine hängen“. Worauf die andere Frau antwortete: „Die Wäsche ist nicht schmutzig, deine Fenster sind so dreckig“.
Liebe Schwestern und Brüder,
„wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen die Dinge, wie WIR sind.“ Genauso ist es auch in der erzählten Geschichte. Wir sehen die Welt durch unsere schmutzige Brille. Die Psychologie nennt das Projektion. Man wirft den eigenen Schatten auf den anderen und bekämpft die eigenen Fehler beim Gegenüber.
Die heilige Edith Stein sagte einmal: „Du sollst sein wie ein Fenster durch das Gottes Liebe in die Welt leuchten will. Die Scheibe darf nicht stumpf oder schmutzig sein, sonst verhinderst du das Leuchten in der Welt“. Die österliche Bußzeit, im Volksmund die Fastenzeit, lädt ein, das Fenster der eigenen Seele zu reinigen. Die unbequemste Art der Fortbewegung ist das IN-SICH-GEHEN“. Schauen Sie trotzdem einfach mal in sich selbst hinein. Vielleicht gibt es im Herzen, in ihrer Seele nicht vielleicht auch viel unnötigen Schmutz und Ballast? Kummer und Groll? Versagen und Schuld? – alles, was wir viel zu lange mit uns herumtragen!
Die Fastenzeit bietet uns seit alter Zeit drei Fensterputzmittel, die wir anwenden sollten:
• Das Fasten ist ein kraftvoller Aktiv-Fettlöser für Leib und Seele. Durch das Fasten können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. „Weniger ist oft mehr.“ „Das zweite Stück schmeckt wie das erste“ verbunden mit der Frage: „Was schenkt mir Befreiung?“ „Was bringt mich in Bewegung?“ „Was führt mich zum wahren Leben?“
• Das Almosengeben ist ein gutes Mittel gegen den Egoismus, gegen Hamsterkäufe, gegen alle Selbstbezogenheit eigener Bedürfnisse. Man wird dadurch ein hilfsbereiter Mensch, der auch noch einen Blick für die Nöte der Mitmenschen hat und so einer ICH-AG entgegenwirkt. Noch mehr: Es wäre eine gute Übung in der Fastenzeit, sich mit der konkreten Wirklichkeit eines Migranten oder eines Pilgers zu befassen um herauszufinden, was Gott wirklich von mir verlangt?
• Ein Faschingsvers hieß gestern Abend: „Früher hat man vor dem Essen gebetet, heute wird das Essen fotografiert.“ Das Beten ist schließlich ein brauchbares Mittel, damit das Licht und die Kraft Gottes durch uns hindurchdringt. Im Gebet dürfen wir all unsere Sorge auf den Herrn werfen, ihm alles anvertrauen, was uns belastet und bedrückt. Die Fastenzeit lädt ein: Bet mal wieder!
Fasten, Almosengeben, Beten – sind drei Säulen in der Fastenzeit. Ich wünsche uns viel Freude beim Frühjahrsputz- dem Osterfest entgegen.
von Stefan Fleischmann