Ins neue Jahr mit Bruder Konrad

„Dem kommenden Jahr 2023 gehe ich mit großer Zuversicht und Optimismus entgegen“, das sagen 35 % der Befragten in Deutschland. Eine ähnliche Umfrage ergab, dass 65 Prozent der Deutschen angstvoll auf 2023 blicken. Schauen die Menschen zurück auf das Jahr 2022, war es aufgrund der aktuellen Krisen und Probleme für viele wohl das schlimmste Jahr seit langem. Umso mehr wünschen wir uns Mut, Hoffnung und Zuversicht für die kommende Zeit!
Liebe Schwestern und Brüder,
der Heilige Konrad begrüßt den Besucher dieser Kirche im Eingangsbereich -ganz unaufdringlich. Mit geschlossenen Augen steht er einfach da, fast meditierend, wegweisend oder vielleicht auch mahnend. Was hat der Kirchenpatron heute uns zu sagen –am 31.12.2022?
1. Die Schwelle: Der Heilige Konrad war Zeit seines Lebens an der Klosterpforte, über 40 Jahre lang, mit Leib und Seele. An der Pforte war immer Bewegung; und auch er war immer in Bewegung. Die Pforte hatte vor allem durch den Amtsinhaber eine verantwortungsvolle Schlüsselposition, die zum Segen für die „Anklopfenden“ wurde: Grenzen verschwammen zwischen Drinnen und Draußen. Denn an der Schwelle des Klosters wurde nicht gefragt, was du hast, was du kannst, wer du bist, was du glaubst und erhoffst, sondern ins Herz geschaut und Hand angelegt und geholfen, um Not zu begegnen, Schmerz zu lindern und Wunden zu heilen. Schauen wir auf den Heiligen Konrad, dann weist er uns darauf hin: Quelle und Maßstab allen Tuns ist die menschgewordene Liebe Gottes – Jesus Christus. Das ist Zuspruch und Anspruch zugleich.
2. Die Balance: Die Hände des Heiligen Konrads fallen dem Betrachter sofort auf. Ich deute sie so: Während die eine Hand Halt schenkt, wird die andere Hand gehalten. Das ist Leben- es ist ein Geben und Empfangen. Beides gehört zusammen. Der Heilige Konrad hat dieses Gehaltenwerden im Schauen auf Jesus Christus erfahren. Er hatte Mut, sich in den vielen kleinen und großen Katastrophen des Lebens und dieser Welt immer wieder auszuklinken, um IHN im Blick zu behalten - im Gebet, in der Stille. Ohne das Gebet können wir den Mut verlieren; ohne Gebet brennen wir aus. Im Gebet verwurzelt zu sein, schenkt unserem Leben Kraft und Hoffnung; gleichzeitig ruft uns das Gebet dazu auf, uns das Leiden anderer bewusst zu machen. Schauen wir auf den Heiligen Konrad, dann weist er uns darauf hin, im Gebet diese Verankerung in Gott immer wieder zu suchen –komme was wolle - und sich im Gebet an ihm vertrauensvoll festzuhalten.
3. Der Einzelkämpfer: Der Bruder Konrad steht da einsam und verlassen im Eingangsbereich. So muss man sich ihn auch an der Klosterpforte vorstellen. Anfangs war er im Kloster nicht hoch angesehen. Die Mitbrüder ließen ihn das spüren (heute würde man dazu Mobbing sagen), dass er aufgrund seiner mangelnden Bildung nur aus Barmherzigkeit in die Ordensgemeinschaft aufgenommen wurde. Ein Einzelkämpfer war er, ein Eigenbrötler – aber das blieb nicht immer so. Nach und nach schätzten und liebten sie Bruder Konrad, weil seine Haltung vielleicht auch ein Zeichen war, dass der helle Blick für das Wesentliche gerade auch den Geringen gegeben ist, der den Weisen und Verständigen so oft abgeht (vgl. Mt 11,25). Ich denke, nur deshalb konnte er langfristig seinen Dienst tun - integriert in eine große Glaubens- und Lebensgemeinschaft. Schauen wir auf unseren Kirchenpatron den Heiligen Konrad, dann weist er uns darauf hin, aufeinander angewiesen zu sein und füreinander einzutreten. In diesen Tagen spüren wir das in besonderer Weise und erhoffen uns diese Solidarität weltweit zur Lösung der globalen Probleme, aber auch in unserem Seelsorgebereich Hofer Land und im familiären Bereich.
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn Pater Weibel immer wieder schreibt, dann erinnere ich mich: St. Konrad war einmal ein Kloster. Hier waren die Jesuiten. Und das spürt und hört man bis heute, wie die Menschen diese Zeit mit den Patres erlebten: ihre Spiritualität, ihr Gebets-und Glaubensleben, mit dem sie ihre Kirchengemeinde jahrzehntelang geprägt haben. Ein wenig Wehmut stellt sich dann immer wieder selbst bei mir ein, weil ich gerne im Kloster Zeit verbringe und im Gebet und in der Betrachtung dort verweile.
Das Kloster gibt es nicht mehr. Jedes Kloster, das in Deutschland geschlossen wird, schmerzt und hinterlässt nachhaltig eine Lücke- auch in unserer Gesellschaft - die nicht zu schließen ist. Das ist so! Die strukturellen, personellen und konzeptionellen Veränderungen der letzten 10 Jahre waren enorm. Rollen und Aufgabenbereiche haben sich dementsprechend in unseren Kirchengemeinden und im größer werdenden Seelsorgebereich verschoben; Bauprojekte wurden angestoßen und vollendet, andere aufgeschoben oder sind gerade im KITA-Bereich gescheitert. Gleichzeitig nehmen seit Jahren die kirchlichen Vorgaben, gesetzlichen Bestimmungen und Rundschreiben weiter zu, die das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg oft kompromisslos vorlegt und die vor Ort nur wenig oder gar keinen Handlungsspielraum ermöglichen. Hinzu kommen Prozesse, die möglichst gleichzeitig bewerkstelligt werden sollen, und die Haupt- und Ehrenamtliche an ihre Belastungsgrenzen bringen. Allen ein herzliches Vergelt`s Gott allen, die sich in der Pastoral und Verwaltung und in und für unsere KITA-Einrichtungen haupt –und ehrenamtlich im vergangenen Jahr 2022 engagiert haben.
Die Veränderungen werden uns weiterhin begleiten; aber der Heilige Konrad, der ja für ein klösterliches Leben steht, erinnert uns an eine wesentliche Haltung: Ruhe zu bewahren, den Überblick zu behalten, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und vor allem unseren Grundauftrag nicht aus dem Blick zu verlieren, den Gott des Lebens zu feiern und den Menschen zu dienen. Das Pastoralkonzept für unseren Seelsorgebereich Hofer Land möchte hierfür ein guter Kompass sein. Und vor allem, dass es Pförtner und Pförtnerinnen – wie den Heiligen Konrad - braucht, damit die Menschen Trost, Stärke und Ermutigung erfahren und sie neue Hoffnung schöpfen. Auf die Fürsprache der seligen Gottesmutter Maria und des Heiligen Konrad möge uns das im neuen Jahr 2023 gelingen! Wir schaffen es nur gemeinsam!
Amen.