Interview zu Ostern

Welche Bedeutung hat die Auferstehung Jesu Christi?
Für Christen ist der Glaube an die Auferstehung Dreh- und Angelpunkt des Christentums. Der Apostel Paulus bringt es in seinem Brief an die Korinther auf den Punkt, wenn er sagt: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“
Welche Rolle spielt dabei das leere Grab?
Man muss sagen, dass die Erscheinungen den Auferstehungsglauben begründet haben, nicht das leere Grab. Es gibt Osterlieder, die das leere Grab besingen. Ich singe diese Lieder sehr gerne. Man muss aber wissen, dass das leere Grab ein Bild für die Auferweckung Jesu und die Stärke Gottes ist – nicht mehr und nicht weniger. Am leeren Grab hängt also nicht mein Glaube und ich meine, dass am leeren Grab auch nicht der Osterglaube entsteht. Die Evangelien weisen schon auf diese Tatsache hin, indem beispielsweise die Frauen vom leeren Grab weggeschickt werden.
Was hat Ostern mit dem Menschen zu tun?
Ich denke, jeder hat schon einmal darüber nachgedacht: „Ist mit dem Tod alles aus?“ „Was bleibt von mir und meinem Leben?“ „Was ist mit meinen lieben Verstorbenen?“ Ostern konfrontiert uns mit ganz existenziellen Fragen, die weit hineinreichen in unseren Alltag: „Die Liebe ist stärker als Not und Tod.“
Wie stellen Sie sich persönlich die Zeit nach dem irdischen Leben vor?
Ein französischer Schriftsteller hat einmal auf eine solche Frage gesagt: „Ich stelle es mir überhaupt nicht vor. Ich überlasse es Gott, wie er die Seinen überraschen wird.“ Weil ich in meinem Leben alles auf Gott setze, bin ich schon jetzt gespannt, was mich da erwartet. Ich rechne damit, dass ich Gott in seiner Herrlichkeit schauen werde – wie immer man sich das auch vorstellen mag; und dass er mich mit seiner Liebe durchschaut – was vielleicht auch schmerzlich sein kann, weil es heißt, auf verpasste Lebenschancen hingewiesen zu werden.
Welchen Rat geben Sie Menschen, die wissen, dass sie bald sterben werden, und das Gespräch mit ihnen suchen?
Vielfach habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Sterbende – aufgrund seiner Erkrankung und der zurückgelegten Wegstrecke – in vielerlei Hinsicht gewachsen ist. Der Sterbende ist oft den Angehörigen hinsichtlich des Loslassens und seiner Hoffnung auf Gott hin weit voraus. Freilich begegnen mir auch Menschen, die nach dem „Warum“, „Warum ich?“ „Warum, jetzt?“ fragen und nicht loslassen können. Das beiderseitige Aushalten und Zulassen solcher Fragen ist wichtig, auch wenn man nicht immer Antworten findet. Letztlich signalisiere ich mit meinem Dasein und dem gemeinsamen Gebet, dass es noch einen Größeren gibt, der den Weg kennt und auch mitgeht – über den Tod hinaus.