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Jesus geht mit den Leidenden

Krankensalbung
Datum:
Veröffentlicht: 8.10.22
Von:
Stefan Fleischmann

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht ist es Ihnen schon einmal aufgefallen:

Der Evangelist Lukas lässt Jesus immer wieder – Stück für Stück - nach Jerusalem pilgern: „Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.“ Jesus ist dabei grenzüberschreitend tätig und begegnet auf diesem Weg Menschen in Not: „Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen.“ Diese Begegnungen mit den leidenden Menschen auf dem Weg nach Jerusalem haben für mich eine tiefe Bedeutung:

1) Jerusalem ist der Ort des Leidens, des Todes und der Auferstehung. Jesus möchte, dass die Menschen mit seinem Weg in Berührung kommen, ja noch mehr: sie sollen mit in dieses Mysterium des Leidens, Todes, aber in besonderer Weise Auferstehung mit hinein genommen werden. Was dieses neue Leben in Gott bedeutet macht Jesus bruchstückhaft deutlich: Schon jetzt in diesem Leben erfahren die Aussätzigen Gottes Heil und Heilung – ob es ihnen bewusst ist oder nicht!

2) Schauen wir nochmals  genauer hin: Die Aussätzigen bleiben in der Ferne stehen – sie sind unberührbar. Sie sind Aussätzige und Ausgestoßene, und so verhalten sie sich auch. Und so geht man auch mit ihnen um! Sie halten Abstand und rufen: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns.“ Fällt ihnen etwas auf? Zum ersten Mal im Evangelium nach Lukas wird das Wort „Jesus“ genannt: Jesus das heisst „Retter“, „Erlöser“, „Heiland“. - Und sie sagen nicht: Jesus heile uns, mach uns gesund. Sondern hab Erbarmen mit uns. Schenke uns dein Herz, deine Barmherzigkeit, schenk uns deine Aufmerksamkeit. Das genügt uns schon. Und Jesus – er schaut sie an – in ihrem Leid, in ihrer Bedürftigkeit, in ihrer Armut.  

3) Jesus schickt sie auf einen Weg, der den Rechtsvorschriften entspricht –nicht mehr und nicht weniger: Er schickt sie zu den Priestern. Einer von Zehn kommt zurück, der umkehrt, der bemerkt, da gibt es einen Mehrwert!  Ein Samariter, ein Fremder, ein Ausländer, spürt als einziger die im Gang zur Gesundheitsbehörde liegende Gnade, um sie dann nicht nur wahrzunehmen, sondern auch am rechten Ort zu verdanken. „Und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm.“ „Euchariston“ (griech.) –verstehen Sie, was in diesem Wort Eucharistie steckt –ganzheitliches Leben in Dankbarkeit?

4) Was die anderen machen, wissen wir nicht. Aber dieser eine Geheilte wird nochmals gestärkt, seinen zukünftigen Weg aus dem Glauben an Gott zu gehen: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Schauen wir auch hier in den griechischen Urtext: „Anastas“ (griech.), Auferstehung: Der Geheilte feiert seine innere Auferstehung, hat jetzt schon Anteil an der Auferstehung am Ende des Lebens.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

in der vergangenen Woche wurde ich zur Krankensalbung gerufen. Wie im Evangelium mit den Aussätzigen und Kranken, so geschieht heute Ähnliches. Drei Punkte sind mir dabei neu deutlich geworden:

  • Gott selbst möchte den Kranken und Leidenden in seinem Sohn Jesus Christus begegnen. Er möchte sie mit hinein nehmen in sein Leben und Leiden. Das Leid junger wie alter Menschen ist seit eh und je mit vielen Fragen und Zweifeln verbunden: Warum? Wozu? Warum ich? In der Begegnung mit Jesus Christus- im Gebet, im Hören auf sein Wort, in der Feier des Abendmahles - leuchtet das Kreuz als Hoffnungszeichen auf, so wie es der Apostel Paulus an die Gemeinde von Korinth beschreibt: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft.“
  • Bei der Salbung der Hände und der Stirn mit dem Krankenöl spricht der Priester und zeichnet das Kreuz auf Stirn und Hände: „Durch diese Heilige Salbung helfe dir der Herr Jesus in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“ Die Worte sind uns aus dem heutigen Evangelium vertraut: Herr Jesus – Erbarmen – Aufrichten/Auferstehen – Glaube/Gnade.
  • „Steh auf und geh. Dein Glaube hat dir geholfen.“ Wir wissen selbst: Kranke und sterbende Menschen werden  nicht sogleich aufstehen können und gehen. Der Glaube ist aber eine Stütze, eine Gnade, manches zu tragen,  zu ertragen und auszuhalten – mit Jesus Christus an der Seite auf dem Weg nach Jerusalem. 

Amen.