Johanna Stahl, eine bemerkenswerte Frau, letzte Repräsentantin der jüdischen Gemeinde in Würzburg

Wer kannte vor diesem Vortrag Johanna Stahl oder konnte gar ihre Bedeutung einordnen? Vermutlich niemand aus der 35 köpfigen Zuhörerschaft war dazu in der Lage, bevor Dr. Riccardo Altieri, Leiter des Johanna Stahl Zentrums in Würzburg in seinem Vortrag Klarheit schaffte. Die Lebensgeschichte Johanna Stahls, von der es übrigens nur eine einziges Foto gibt, zeugt von großem Mut im Einsatz für jüdische Mitmenschen und Nächstenliebe ganz generell. Sie war als Emigrationsberaterin tätig und vermittelte zusammen mit der Pazifistin Gertrud Luckner elternlose jüdi-sche Kinder in christliche Familien. Bemerkenswert, dass auf den vorhandenen Dokumenten für Johanne Stahl, beispielsweise auf den Schriftstücken zu ihrer Doktorarbeit 1914 ausschließlich männliche Bezeichnungen standen, die erst handschriftlich um die weibli-chen Formen ergänzt wurden. Beweist das doch, wie untergeordnet die Rolle der Frauen in der Gesellschaft war. 1943 wurde sie nach Auschwitz verschleppt und vermutlich unmittelbar danach ermordet. Stolpersteine für sie und ihre Familie sowie die Benennung einer Straße in Würzburg und ganz besonders das gleichnamige Zentrum würdigen die mutige Kämpferin für Frauen in der jüdischen Gesellschaft und ganz allge-mein. Respekt! Ein ganz besonderer Abend mit viel Gesprächsbedarf, dank eines Referenten erster Klasse.