KFB: Frauenfrühstück unter dem Motto: „Frauenaufbruch – Frauenausbruch“

Vortrag von Sr. Katharina Ganz aus Kloster Oberzell

Mit dem „Mut einerLöwin“ gegen den Kirchen-Klerus: OrdensgründerinAntonia Werr im Blickpunkt
„Frauenaufbruch –Frauenausbruch“ – unter diesem Motto stand ein lebhafter Diskussions-Vortragvon Sr. Katharina Ganz aus Kloster Oberzell beim Katholischen Frauenbund St.Konrad in Hof. Die 42jährige Franziskanerin verband vor über 100Teilnehmerinnen des „Frauenfrühstücks“ die Beweggründe der OberzellerOrdensgründerin Antonia Werr im 19. Jahrhundert mit der Situation von Frauen inder Kirche heute.
Frauenbunds-VorsitzendeSieglinde Palitza erinnerte daran, dass die Oberzeller Schwestern fast 50 Jahrelang segensreich in St. Konrad gewirkt haben. Auch nach Auflösung des Konvents2006 durch den plötzlichen Tod von Sr. Irmingard bestehen weiterhin Kontakte zwischender Hofer Pfarrei St. Konrad und Kloster Oberzell. „Beim Frauenbunds-Ausflug imSeptember 2011 haben wir Sr. Katharina als fesselnde Erzählerin und überzeugteVertreterin ihres Ordens erlebt“, erinnerte Sieglinde Palitza. Und freute sich,dass sich Sr. Katharina Ganz trotz ihres prallgefüllten Terminkalenders dieZeit für das Frauenfrühstück in St. Konrad genommen hatte.
Die Ordensfrauschreibt zur Zeit - zusätzlich zu ihren Aufgaben in Kloster Oberzell - ihreDoktorarbeit in Graz, im Zentrum steht dabei die Ordensgründerin Antonia Werr.1813 in Würzburg geboren, gründete Werr an Pfingsten 1855 in unmittelbarer Näheihrer Heimatstadt die “Gemeinschaft der Dienerinnen der Heiligen Kindheit JesuOberzell“. Der junge Frauen-Orden war in einem kleinen Teil des ehemaligenPrämonstratenser-Klosters untergebracht, das damals nach der Säkularisationweitgehend von einer Druckmaschinen-Fabrik genutzt wurde.
Es war eine vonzahlreichen Ordensgründungen im sogenannten „Frauen-Kongregations-Frühling“ des19. Jahrhunderts. Durch die Industrialisierung war eine neue Armut entstanden,es gab gesellschaftliche Veränderungen – und wo die Gesamtkirche den neuenHerausforderungen noch nicht gewachsen gewesen sei, hätten Frauen ganztatkräftig und pragmatisch angepackt, so Sr. Katharina Ganz: „DieseOrdensfrauen gaben der Kirche innerhalb weniger Jahrzehnte ein weiblichesGesicht und zählten damals zu den respektiertesten Vertretern der katholischenKirche.“ Neu war, dass die Nonnen nicht in Klausur hinter Klostermauern lebten,sondern rausgingen, direkt in den Alltag der Menschen und zum Beispiel mitSuppenküchen, Krankenpflege, Kindergärten und Schulen direkt auf bestimmteNotstände antworteten. Die Oberzeller Schwestern kümmerten sich vor allem umstrafentlassene Frauen.
Mit dem Verehrungder Kindheit Jesu im Ordensnamen habe Antonia Werr ganz bewußt jeden Menschenals Kind Gottes in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt. Sr. Katharina Ganzerinnerte in ihrem facettenreichen Bild von Antonia Werr auch an dieGlaubenszweifel der Ordensgründerin und auch an ihre Auseinandersetzungen mitdem Klerus. So wurde zum Beispiel das von ihr verfasste Gebets- undAndachtsbuch für Frauen vom damaligen Generalvikar abgelehnt – doch von seinerkränkenden Rede ließ sich Antonia Werr nicht entmutigen, im Gegenteil -„er hatmeinen Mut gereizt, wie bei einer Löwin, der man die Jungen wegnimmt.“
SolcheOhnmachts-Erfahrungen prägen bis heute die Arbeit von Frauen in der Kirche, soSr. Katharina und sie rief auf, sich davon nicht entmutigen lassen, sondernselbstbewußt sich mit ihren unterschiedlichen Talenten einbringen. Dabeiverwies sie auch auf Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der DeutschenBischofskonferenz, der eine Frauenquote von 30-40 Prozent in kirchlichenLeitungspositionen anstrebt – bislang gebe es 13 Prozent.
Ihrenabwechslungsreichen und auch mit Gebeten begleiteten Vortrag, der für weitereanregende Gespräche beim Frauenfrühstück sorgte, endete die FranziskanerinKatharina Ganz mit einem fundierten Kommentar zur Namenswahl von PapstFranziskus.
Annerose Zuber


