Karl Valentin und der Sinn des Lebens

Ein regelmäßiger Gast der Veranstaltungen des Katholischen Frauenbundes hielt diesmal selbst einen Vortrag. Am Valentinstag, an dem sich etwa 60 Personen, darunter 12 Paare, im Pfarrzentrum Bernhard Lichtenberg einfanden, stellte Karl Palitza einen anderen Valentin vor. Nicht der Sprachakrobat oder Sprachverdreher, was auf den bekannten Komiker sicher zutrifft, stand im Zentrum der Ausführungen, sondern der Karl Valentin, der in der Welt und im Leben keinen Sinn erkennt, wie der Referent zeigte. Alle echten Valentin-Filme, also Filme, bei denen KV seine Ideen vollständig selbst entworfen und umgesetzt hat, enden im Chaos und hinterlassen beim Publikum eher Beklemmung denn Frohsinn. So wurden zwangsläufig theologische Überlegungen angestellt, weil die Sinnfrage das zentrale Menschheitsthema ist. Für uns Christen liegt der Sinn in Gott, für Karl Valentin gibt es gar keinen Sinn. Am Beispiel des Filmes „Die Erbschaft“ – vom deutschen Verbrecherregime 1936 wegen „Elendstendenzen“ verboten und rund 40 Jahre später ausgerechnet in Moskau wieder aufgetaucht – wurde den Anwesenden die Trostlosigkeit der Valentinschen Gedankenwelt vor Augen gestellt. Dennoch konnten die Besucher (Valentin: Gästinnen und Gäste) dem Film viel Positives abgewinnen, z.B. den Zusammenhalt des Paares in der aussichtslosen Situation. Das belegt die Wichtigkeit des Gedankenaustausches besonders bei existentiellen Themen. Die Wiedergabe des sinnfreien und albernen (?) Liedes „Maskenball der Tiere“ zeigte den lustigen Karl Valentin. Nach Meinung des Referenten ist das Veralbern eine Waffe des Künstlers, die er gegen die Hoffnungslosigkeit gebraucht. Zwei wohl nur bedingt als Parodien zu verstehende Gebete KVs, in denen er Gott um die Vernichtung der Menschheit bittet, beendeten die Veranstaltung. Die Schlussverse:
Wenn ich einmal der Herrgott wär‘
Ich glaub, ich käm in Wut,
Weil diese Menschheit auf der Welt
Grad tut, was sie gern tut.
Ich schaute nicht mehr lange zu,
Wenn’s miteinander raufen;
Ich liesse eine Sintflut los
Und liess‘ sie all‘ ersaufen.
Ja, lieber Herrgott, tu das doch,
Du hast die Macht in Händen,
Du könntest diesen Wirrwar doch
Mit einem Schlag beenden.
Die Welt, die Du erschaffen hast,
Die sollst Du auch regieren!
Wenn Du die Menschheit nicht ersäufst,
Dann lass sie halt erfrieren. (1942)
Oder soll, wie bei der biblischen Sintflut, doch jemand gerettet werden?
