Kein Mensch ist und geht in der Barmherzigkeit Gottes verloren: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“

1) Sie verstehen Jesus nicht; sie wollen ihn nicht verstehen, vor allem die Schriftgelehrten und Pharisäer. Ihr Herz ist verstockt. Sie können mit diesem Jesus aus Nazareth einfach keine Beziehung aufbauen; finden keinen Zugang zu ihm; sie stellen ihn auf die Probe, sie treiben ihn mit ihren Fragen in die Enge: Er ist für sie unerträglich. Und Jesus: Ihm gelingt es ebenso nicht, ihre Herzen zu öffnen, sie zu erreichen und anzusprechen. Seine Worte und Taten gehen ins Leere. Wie ein Sog ziehen die führenden Männer das ganze Volk mit hinein und legen Jesus letztlich aufs Kreuz und bringen ihn ans Kreuz: „Ans Kreuz mit ihm!“
2) Hinterher weiss man es oft besser! Da gehen einem die Augen auf. Manchmal ist es aber zu spät, die Gelegenheit ist verpasst, der rechte Augenblick vorbei! Hätte ich doch..; könnte ich noch..; warum habe ich nicht... ? Was hat mich dazu geritten... ?
3) Nur wer glaubt, dem gelingt es, in Jesus mehr zu erkennen. Nur wer tiefer sieht, beugt seine Knie vor dem Gekreuzigten. Der römische Hauptmann bekennt am Schluss: „Dieser war wirklich Gottes Sohn.“ Wir wissen, die Geschichte Jesu geht weiter –Gott sei Dank! Nicht immer ist uns im Augenblick des Scheiterns eine solche Perspektive geschenkt, aber doch eine Lebenserfahrung, dass Gott aus allem Bösen etwas Gutes entstehen lassen kann.
4) Das sind Worte des Theologen Dietrich Bonhoeffer, der vor 80 Jahren hingerichtet und gestorben ist. Für die Nationalsozialisten ein unbequemer Zeitgenossen, weil Dietrich Bonhoeffer die Würde des Menschen für alle eingefordert hat; der totalitäre Geist der Gleichschaltung und die kriegstreiberische Politik waren für ihn zutiefst unchristlich.
5) Die letzten beiden Jahre seines Lebens war er im Gefängnis; er wartete dort auf seinen Prozess und auf seinen Tod. Man könnte sagen, er war in jeder Hinsicht gescheitert: im Heute verantwortungsvoll zu leben, an Christus als das Zentrum zu glauben und nach vorne hoffnungsvoll zu denken. Sein Ende war der Galgen!
6) Als Gescheiterter hat er Trostbriefe in der Todeszelle geschrieben, Ermutigungsbriefe im Widerstand, christliche Zeugnisse des Glaubens in einer finsteren Zeit. Dietrich Bonhoeffer hat Hoffnung verbreitet, als sie am Nötigsten war. Das bekannteste Gedicht ist „von guten Mächten treu und still umgeben“ an seine Verlobte und Familie: zu Weihnachten 1944.
7) Ein zweites Gedicht: „In mir ist es finster, aber bei Dir ist das Licht; ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld; ich verstehe Deine Wege nicht, aber Du weißt den Weg für mich.“
8) Auch wenn alles an menschlicher Hoffnung zusammenbricht, es bleibt immer eine Geborgenheit in Gott, es bleibt die Zuversicht, von Gott nicht alleine gelassen zu sein. In diesem Vertrauen hat Jesus zu seinem Vater am Kreuz gebetet: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ In dieser Zuversicht ist Dietrich Bonhoeffer gestorben. Auch uns schenkt dieser Glaube, dieses Verankertsein in Gott, Halt und Kraft gerade in schwierigen Lebenssituationen und verbindet uns miteinander. Karfreitag sagt uns: Kein Mensch ist und geht in der Barmherzigkeit Gottes verloren: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Amen