Licht, das die Wände durchdringt

Die Kirchenfenster von St. Konrad
Anlässlich des 70-jährigen Kirchenjubiläums St. Konrad gab es einen weiteren Höhepunkt. Ordinariatsrätin Dr. Birgit Kastner kam zum Gemeindegottesdienst und hat den Verkündigungsteil übernommen.
Die Hauptabteilungsleiterin für Kunst und Kultur am Ordinariat Bamberg beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Gottesdienstraum von St. Konrad, der thematisch nach dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes (Apokalypse), gestaltet wurde. Vor allem die bunten Kirchenfenster zeigen einen Teil der Offenbarung. Dr. Birgit Kastner nahm insgesamt den Kirchenraum in den Blick unter dem Motto: „Gott ist Licht. Licht, das die Wände durchdringt“. Der Festgottesdienst wurde von der „Konrad-Band" mit schwungvollen Lieder aus dem "“Neuen Geistlichen Liedgut Cantate II" umrahmt.
Die Lesungstexte waren auf diese Thematik dezent abgestimmt. In der Lesung blickt der Seher Johannes (nicht der Evangelist!) in die heilsgeschichtliche Zukunft und sieht sie als wunderbaren Neubeginn, als „einen neuen Himmel und eine neue Erde“; er sieht eine leuchtende Stadt, die „Wohnung Gottes unter den Menschen“ genannt wird, in der der Tod überwunden ist und es kein Leid mehr gibt „Denn was früher war, ist vergangen.“ Und als Evangelium wurde der wunderbare Prolog des Evangelisten Johannes verkündet.
„Gott ist Licht. Licht ist Leben. Eine frohe Botschaft. Und hören wir sie zusammen mit dem Offenbarungstext, dann gibt es am Ende der Zeit keine Finsternis mehr, sondern eine leuchtende Stadt, ein Himmlisches Jerusalem, eine Wohnung Gottes unter den Menschen. Das sind Bilder voller Zuversicht und Gnade", begann Dr. Birgit Kastner ihre einfühlsamen und gut verständlichen Ausführungen. „Gott ist Licht in allen Farben. Jeder Stein aus dem Text der Offenbarung leuchtet in einer anderen Farbe." Das bunt leuchtende Himmlische Jerusalem war schon im Mittelalter Vorbild für den Kirchenbau und die Leuchtenden Wände, die Kirchenfenster. „Sehen wir uns die Kirchenfenster von St. Konrad an“, fuhr Dr. Birgit Kastner fort. An der Straßenseite, beginnend mit dem 6. Kapitel der Offenbarung vier apokalyptischen Reitern, die grausam über die Menschen hinwegfegen. Sie bringen Machtgier und Krieg, Gewalt, Teuerung und Hunger und schließlich den Tod. Die Welt hat Böses hervorgebracht und erntet Zerstörung. Wo ist Gott? Wofür das Blut der Märtyrer? (im 5. Fenster), Was tun, wenn die Erde bebt, alles aus den Fugen gerät und ich den Boden unter den Füßen verliere? (6. Fenster)
„Das wahre Licht war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.“, heißt es im Johannesevangelium, „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Die Menschen befolgen Gottes Gesetze nicht und Gott zürnt. Dann, im nächsten Fenster (7) Stille, Ruhe vor dem Sturm, der sich mit Blitz und Donner ankündigt. Sind wir verloren oder gibt es noch Rettung?
Auf der gegenüberliegenden Seite tönen die sieben Posaunen:
Im ersten Fenster (8) sehen wir ein Zeichen am Himmel: die Frau, mit der Sonne bekleidet und den Mond unter den Füßen und einem Sternenkranz um das Haupt, sie ist schwanger, aber der Drache bedroht sie und das Kind. Wer ist sie? Muttergottes? Oder die Kirche? Verstehen wir dann richtig: Das Böse bedroht die Kirche, den Heilsplan Gottes für uns Menschen? Im nächsten Bild sehen wir den Erzengel Michael, er schreitet ein und stürzt das Ungeheuer, das fortan auf Erden wütet. Was kann uns noch retten? (9. Fenster). Die Frau, die Kirche, das Volk Gottes bleibt, Gott schützt sie vor dem Ungeheuer (10. Fenster), denn das Lamm steht auf dem Berg Zion (11. Fenster), dem Tempelberg, siegreich steht es auf dem Thron, der Messias ist da, die Zeit der Gnade beginnt. Das Rot des Erlöserblutes mischt sich mit dem Blau des Volkes, das Gott ein Loblied singt. Auch die vier mächtigen Wesen sind um den Thron zugegen: Löwe, Stier, Adler und Engel.
12. Fenster: Nun folgt das Gericht: der thronende Messias, der die Sichel schwingt und „erntet“, also richtet: Die Auserwählten (Ähren, Getreide) und die Verworfenen (Trauben, Kelter). In dieser Vision wird unsere Frage beantwortet: Wer sein Leben in festen Glauben an Gott und seinen Sohn, Jesus Christus, unseren Erlöser, führt, hat das Urteil nicht zu fürchten, dem wird die Gnade und Liebe Gottes zuteil.
Doch kaum atmen wir durch, folgt das nächste Fenster: Sieben Engel mit sieben Plagen in sieben Schalen erscheinen. Sie schütten erneut den Zorn Gottes über uns aus. Reicht unser Glaube nicht, führen wir unser Leben nicht nach Gottes Willen, was läuft falsch? Was muss ich ändern? (13. Fenster)
Nach allem Leid, nach allen Prüfungen, erscheint schließlich der Weltenrichter auf dem Thron und das Böse ist besiegt: Er spricht zu uns „Seht ich mache alles neu... Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende (Off 21, 5-6).
Im letzten Fenster sehen wir das Leuchten des Himmlischen Jerusalems. Alles Leuchten der Edelsteine, all ihre Farben feiern den Glanz des neuen Himmels und der neuen Erde, die Überwindung des Bösen, die Überwindung der Welt, die ihren Anfang und ihr Ende in Gott hat.
Was hat den Künstler Hubert Weber und den Jesuitenpater Johannes Sommer als damaligen Pfarrer der Konradskirche, in den 1970er Jahren dazu bewegt, die ganzen Schrecken der Offenbarung hier auszubreiten? Warum wird uns hier immerwährend das Grauen, das Böse vor Augen geführt?
Die Entstehungszeit der Fenster und zunächst der Bau dieser Kirche 1954 ist eng mit der Nachkriegszeit verbunden. Bei der Weihe am 13.10.1954 war die Kirche St. Konrad karg und einfach ausgestattet – ein typischer schneller und günstiger Nachkriegsneubau für die vielen Menschen, auch die Geflüchteten, die ein Gotteshaus brauchten. Erst mit der Liturgiereform, also nach dem 2. Vatikanischen Konzil, als man gefordert war, den Altarraum umzugestalten, den Altar zur Gemeinde hin zu rücken, um zur Gemeinde hin zu zelebrieren, wird ein Künstler mit der Gesamtgestaltung beauftragt. Der Lichtenfelser Maler und Bildhauer Hubert Weber erhält 1971 den Zuschlag. Er selbst ist Kriegsgeschädigter, verlor beide Hände, arbeitet mit Prothesen. Wir haben es hier mit einem außergewöhnlichen Künstler zu tun, aber auch mit besonderen Zeiten.
Vor diesem Hintergrund machen diese Fenster Sinn! Wir fragen uns heute umso mehr, wo geht die Welt hin? Mit ihren Krisen, mit Krieg, Armut, Hunger Tod, Klimakatastrophen und Kirchenkrise! Was muss noch alles passieren, damit wir umkehren, damit wir handeln? Wo bleibt in unser Bekenntnis und unsere Verantwortung für die Schöpfung? Was tun wir?
Die Antwort ist: Gott ist da. In jedem der sieben Siegelfenster, in jeder Katastrophe, ist Gott da. Der Künstler Hubert Weber hat in diesen Fenstern drei hellleuchtende Glasbrocken eingearbeitet, die reliefartig aus der Fläche stehen als Zeichen der Gegenwart Gottes.
Gott ist da. Gott ist Licht, Licht das Wände durchdringt. Er kann auch unsere Wände durchdringen, die Schranken unseres Verstandes, unsere inneren und äußeren Zwänge, die uns manchmal hindern zu handeln oder das Richtige zu tun. Er ist das Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Eine wunderbare Predigt. Ein großes Geschenk für die Konradiner in ihrem Jubiläumsjahr 2024- Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann und die Pfarrgemeinde haben sich sehr gefreut und bedankten sich mit großem Beifall.



