Zum Inhalt springen

Maria – Schutzpatronin von Bayern

SSB Gottesdienst Marienweiher 2023
Datum:
Veröffentlicht: 2.5.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann

Meine Mutter erzählte mir mal: Sie hatte im Frühjahr 1945 Erste Heilige Kommunion. Als man gerade aus der der Kirche trat, fuhren ihnen die Panzer entgegen. Da breitete eine Ordensschwester ihren weiten schwarzen Mantel über sie, damit sie nicht ins Blickfeld der Soldaten geriet.

Liebe Schwestern und Brüder,

über dem Tabernakel des Hochaltars thront unter einem festlichen Baldachin das viel verehrte Gnadenbild, eine spätgotische Madonna aus Holz (um 1450). Seit alters her ist die Statue mit einem prächtigen barocken Mantel bekleidet. Tausende von Wallfahrern kommen alljährlich nach Marienweiher, um hier vor dem Gnadenbild ihre Sorgen und Nöte auszusprechen. Wir reihen uns heute Morgen in diese große Schar ein in der Hoffnung, dass Maria – wie bei der Hochzeit zu Kana – unsere Nöte sieht und auch heute noch  für uns  eintritt: „Sie haben keinen Wein mehr!“ Maria hat einen weiten Mantel. Wir dürfen uns vorstellen, dass unter diesem schützenden Mantel  alle Platz haben, und dass sie in ihrer Beziehung zu Gott ein Auge für die Welt hat.

Der weite Mantel gilt in vielen Kulturkreisen als Schutzsymbol. Im 13. Jahrhundert beginnt die abendländische Kunst mit der Darstellung der Schutzmantelmadonna. Gerade in Pestzeiten wird sie beliebt. Die Christen spürten den Schutz Mariens und in ihr den Schutz Gottes vor den Gefahren des Krieges, der Krankheit und vor persönlichen Feinden. Persönliche Notsituationen, Pandemien und Kriege erinnern uns mehr denn je daran, dass wir schutzbedürftig sind und diesen Beistand brauchen.

So wird das Bild der Schutzmantelmadonna  in dem beliebten Marienlied aus dem Jahre 1640 besungen, das während des 30jährigen Krieges in Innsbruck entstanden ist: „Maria breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus. Lass uns darunter sicher stehn, bis alle Stürm vorübergehn. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte.“

Maria verweist uns  auf den schützenden Aspekt. Zunächst war sie als Mutter die Schützerin ihres Kindes. Aber wie wirkte sich dieser Schutz aus? Nicht dadurch, dass sie ihrem Kind das harte Leben und den bitteren Weg zum Kreuz ersparen konnte. - Ihre Aufgabe lag darin, dazu sein, bei ihrem Sohn auszuhalten: im Stall von Betlehem, in der Fremde von Ägypten, in der armen, kleinen Familie zu Nazareth, unter dem Kreuz. Und je weiter  das Leben ihres Sohnes seinen Lauf nahm, desto mehr musste sie erkennen, dass nicht sie die eigentlich Schützende war, sondern sie - in ihrer Haltung des Daseins und Dienens - von Gott die Geschützte und Gehaltene ist.

So heisst es im Psalm 121:  „Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben.“  Die Bitte um den Segen Gottes und der Zuspruch behütet zu sein, sind  für mich eine wertvolle und wichtige Schnittstelle zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch– sich und die uns anvertrauten Menschen jeden Tag neu unter den Schutz Gottes zu stellen – so wie es Maria selbst getan und erfahren hat. Mit Maria verbünden sich viele, die hier Kerzen anzünden. Denken wir dabei an die  vielen Menschen und Zielgruppen, die wir in unserem Pastoralkonzept für das Hofer Land im Blick haben.

Maria lädt uns aber auch ein, unseren eigenen Mantel schützend über alles  in uns zu halten, über das Starke und Große und über das Kleine und Schwache: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut!“, so besingt es Maria in ihrem Lobgesang!“ Alles soll in uns Raum finden und  angenommen sein. Es ist ein Mantel der Barmherzigkeit, den wir über unsere eigenen Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen, Fragen und Glaubenszweifel breiten dürfen – in dem Glauben, dass unser Leben ein im Herrn geborgenes ist.   Auch diese Kunst des Liebens gehört dazu, mit sich selbst behutsam und barmherzig umzugehen, um dann gegenüber dem Nächsten wertschätzend, barmherzig und achtsam sein zu können. Nichts anderes lehrt uns der Besuch Marias bei Elisabeth – bei sich  im Herrn zu sein und Füreinander da zu sein –z. B. in den jeweiligen Arbeitsbeziehungen und Rollen unseres pastoralen Teams,  in den AG`s, in den Räten und Ausschüssen der Pastoral und der Verwaltung, in den Verbänden und Gruppen unserer Pfarreien.

Wenn wir auf Maria - die Schutzpatron von Bayern – schauen und ihr vertrauen,  sie in Gebeten und Liedern um Fürsprache anrufen, dann wird uns bewusst, dass wir als Kirche eine Solidargemeinschaft sind, dem pilgernden Gottesvolk auf Erden und denen, die ihren irdischen Weg bereits beendet haben. Marien, die uns liebend Jesus entgegenhält, weitet unseren Blick eine Gemeinschaft  zu sein, in IHM, durch IHN und mit IHM zu leben - hier auf Erden und im Himmel droben! Diese Gemeinschaft der Heiligen feiern wir in jeder Liturgie. Wir dürfen uns das immer wieder bewusst machen, wenn wir Gottesdienste besuchen und miteinander feiern.

Eine der ältesten Mariengebete – wohl entstanden im 4. Jahrhundert – spricht vom Schutz Mariens. „Unter deinen Schutz und Schirm flehen wir, heilige Gottesmutter.“ Es ist nicht unbedingt jedermann Sprache, die hier zum Ausdruck kommt. Die Marienverehrung hat im Lauf der Zeit viele Formen entwickelt und viele haben sich auch verändert. Was ist geblieben? die Liebe des Kindes zur Mutter, die besondere Beziehung des Christen zur Mutter des Herrn. Zeugnis geben Wallfahrtsorte, die wir aufsuchen; Marienbilder, die wir haben und verehren; Marienlieder, die wir gerne singen; Gebete, die wir auch in Erinnerung an unsere Vorfahren dankbar  sprechen, die uns den christlichen Glauben an Jesus Christus in unser Herz gelegt und weitergegeben haben, freilich auch in der Hoffnung, dass es uns ebenso gelingt.

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin;

verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,

sondern errette uns jederzeit aus allen Gefahren.

O du glorreiche und gebenedeite Jungfrau,

unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin.

Führe uns zu deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne,

stelle uns vor deinem Sohne. Amen.