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Maria aus Magdala – verehrte und verkannte Apostolin der Apostel

Vortrag Maria Magdalena
Datum:
Veröffentlicht: 11.8.21
Von:
Kath. Frauenbund

Vortrag im Pfarrzentrum „Bernhard Lichtenberg“ am 20. Juli 2021

Der Katholische Frauenbund in Hof hatte nach langer Zeit wieder zu einem Vortrag eingeladen, natürlich unter Coronabedingungen, und vierzig Interessierte kamen. Zwei Tage vor dem Festtag der heiligen Maria Magdalena am 22. Juli zeigte die Referentin Christine Lorenz die Bedeutung dieser faszinierenden Heiligen auf: Für den aktuellen kirchlichen Dialog, den „Synodalen Weg“, vor allem aber für viele Frauen in der Katholischen Kirche ist sie zur Symbolfigur des beginnenden Erneuerungsprozesses geworden.

Frau Lorenz präsentierte das Ergebnis ihrer gründlichen Suche nach dem unverfälschten Bild der wichtigsten Frau im Neuen Testament hinter Maria, der Mutter Jesu. Schon in manchem biblischen Text, vor allem aber in der frühen und mittelalterlichen Kirche wird großteils ignoriert, dass sie die erste Zeugin der Auferstehung Jesu [vgl. Joh 20, 1-18] gewesen ist, mit klarem Verkündigungsauftrag, den Maria Magdalena auch ausführt. Damit steht ihr der Titel „Apostola apostolorum“ zu, denn „Apostel“ ist laut Paulus, wer dem Auferstandenen begegnet ist, an diesen glaubt und von diesem beauftragt und ausgesandt worden ist. Dieser Titel wird Maria Magdalena in der alten Kirche schon vereinzelt verliehen, aber ohne Auswirkung. Denn diese Frau, das veranschaulichte Frau Lorenz anhand von Texten und Bildern aus zahlreichen Jahrhunderten eindringlich, wird zum Opfer männlicher Auslegungsgeschichte in einer weitgehend patriarchalisch strukturierten Männerkirche. Der reinen Gottesmutter Maria wird Maria Magdalena als Hure und Geliebte Jesu gegenübergestellt, als große Sünderin und reumütige Büßerin. Erst durch theologische Forschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und das Zweite Vatikanische Konzil in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird sie rehabilitiert: Sie ist nicht mehr die schöne, sündhafte und demütig büßende Frau, sondern Gesandte mit besonderer Beauftragung. Auf die kirchliche Verkündigung und das allgemeine Bild von Maria Magdalena hat sich dies allerdings kaum ausgewirkt. Erst 2015 wertet (im Gegensatz zu der unglaublichen Herabsetzung der Heiligen als Sünderin) Papst Franziskus Maria Magdalena auf, indem er dieser als einziger Frau neben Maria, der Mutter Jesu, ein eigenes Fest mit liturgischen Texten (22. Juli) im Generalkalender der katholischen Kirche zuordnet und ihr den alten Titel „Apostola Apostolorum“ zuspricht.

 

Am Ende ihres Vortrages betonte die Referentin nachdrücklich, dass erst dann die Vision des auferstandenen Jesus von seiner Kirche erfüllt sei, wenn Frauen in der katholischen Kirche wie Maria Magdalena den Verkündigungsauftrag als „Apostolinnen“ ganz erfüllen könnten.

Sicher hätte es Maria aus Magdala gefallen, dass Frau Lorenz mit dem ihr vom Frauenbund als Präsent überreichten Wein auf die „Magdalenerin“ und auf alle tapferen Frauen anstoßen wird. Mag sein, dass diese sogar ein Gläschen mitgetrunken hätte!