„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter“

Liebe Schwestern und Brüder,
Maria lässt ihren Gott groß sein.
Sie jubelt über Gott und seine machtvollen Taten.
Das ist der Kern des marianischen Lobpreises,
der uns innerlich anrührt, weil wir Gott nicht immer als den Großen und Mächtigen in der Welt und in unserem Leben erkennen, geschweige denn so groß von ihm denken und sprechen. Umso wertvoller ist das Glaubenszeugnis von heiligen Frauen und Männern, die vor uns gelebt haben – wie Maria.
Maria lässt ihren Gott groß sein,
weil sie sein Handeln, seine Nähe und seinen Geist, unmittelbar erfahren hat.
„Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkennen?“ – „Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ Wer glaubt denn heute noch diesen Worten: „Denn für Gott ist nichts unmöglich!“ Rechnen wir heute noch mit diesem großen Gott? Rechnen wir heute noch mit seinem wundersamen Handeln in unserer Welt? Oder haben wir verlernt ihm zu vertrauen und uns ihm ganz anzuvertrauen, weil wir es gewohnt sind, die Dinge lieber selbst in die Hand zu nehmen oder ganz zu resignieren? Gott ist immer größer und größer als all die Möglichkeiten, die wir uns mit unserem menschlichen Verstand ausmalen können. Maria hat diesem Gott vertraut und ihr Fiat aus ganzen Herzen gegeben: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Diese Entscheidung auf Gott ganz zu setzen lässt sie singen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.“
Maria lässt ihren Gott groß sein.
Sie behält diese Gotteserfahrung nicht für sich. Das gibt es heute zu genüge, dass Menschen erst einmal auf ihr eigenes Seelenheil schauen, und dann lange nichts kommt. Maria stand auf und macht sich auf den Weg. Es ist sozusagen eine innere Auferstehung, die sie in Bewegung setzt: Sie ist innerlich bewegt und lässt sich bewegen nämlich dorthin, wo Solidarität gefragt ist. Es heisst, sie eilt zu ihrer viel älteren Cousine Elisabeth. In der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth findet eine gegenseitige Bestärkung im Glauben statt, noch mehr: Maria kann erst jetzt durch diese Dialog diese Größe Gottes in Worte fassen, nund singt ihr Loblied auf diesen Gott: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.“ D. h. für uns, dass wir einander brauchen, indem wir von unseren Lebenserfahrungen erzählen. Im gegenseitigen Austausch erkennen wir erst Gottes Handeln im eigenen Leben, so dass die Lebenserfahrungen zu kostbaren Glaubenserfahrungen werden. Das ist Kirche, das ist Gemeinde, ein Netzwerk von Menschen, die eine Erzählgemeinschaft sind und die dann in den großen Lobpreis Gottes einstimmen.
Maria lässt ihren Gott groß sein,
denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Gott schaut auf den ganz Menschen, weil er ihn liebt. Gott schaut den Menschen ganz – so wie er ist, mit Haut und Haaren, mit Herz und Verstand, mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Talenten und Unzulänglichkeiten. Die Kirche glaubt, dass Maria als Erste von Christus in den Himmel aufgenommen wurde. Und das erhoffen wir auch für unsere Verstorbenen und für uns selbst, einmal in unserer Ganzheit diese Größe und Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. „Wie geht das?“ Wenn ich an der Urne oder am Sarg stehe frage ich mich: „Wie geht das?“ Gott ist immer größer und größer als all die Möglichkeiten, die wir uns mit unserem menschlichen Verstand ausmalen können. Wir dürfen ihm auch etwas zutrauen, was unserem menschlichen Denken übersteigt. „Denn für Gott ist nichts unmöglich!“
„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.“
Schauen wir immer wieder auf Maria, sie ist ein Zeichen unserer Hoffnung und unseres Trostes. Und bleiben wir gemeinsam auf dem Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, der uns hinführt zu seiner Herrlichkeit, wo wir einmal vereint mit den Engeln des Himmels einstimmen in den großen Lobgesang Gottes. Amen.