Missbrauch - eine Art Erdrutsch in der katholischen Kirche, was hält Menschen noch in der Kirche?

(1. Teil )
Diese Frage hat sich eine Gruppe von Gläubigen gestellt, für die Kirche sehr viel bedeutet, für die Kirche zum täglichen Leben gehört. Hier die ersten Statements:
Autorin und Theologin Dr. Barbara Stühlmeyer sagt in einem sehr beeindruckenden Statement: "Warum bleibst du in dieser Kirche, fragen sie mich.
Weil ich Ihn, Jesus Christus, meinen Herrn und Gott, dessen zerschundenes Antlitz mir in ihrer gegenwärtigen Gestalt auf dem Kreuzweg begegnet, doch nicht ausgerechnet jetzt allein lassen kann, sage ich.
Er braucht mich so, wie ich Ihn brauche. Getrennt von Ihm und dem überzeitlichen Strom des Lebens, der mir aus der Quelle des Heil zufließt, kann ich nichts vollbringen. Vor allem aber deshalb: Ich liebe Ihn. Darum bleibe ich."
Dr. Barbara Stühlmeyer, Autorin und Theologin
Christus ecclesiam dilexit- Christus liebt seine Kirche, lesen wir im 5. Kapitel des Epheserbriefes. Ja, auch wir lieben unsere Kirche von ganzem Herzen und können unseren Herrn nicht allein lassen. Wir müssen ihm jetzt "helfen das Kreuz zu tragen", wie sich Barbara Stühlmeyer so schön ausgedrückt hat.
Wir wissen alle, dass die Kirche in ihrer Geschichte schon immer dunkle Kapitel hatte, und so ist es leider bis heute geblieben. Wir finden aber trotzdem in unserer Kirche Heimat und stehen mit Leib und Seele zu ihr, weil es eben die Kirche unseres Herrn ist, den wir alle lieben, und der die Kirche auf dem Fundament der Apostel gegründet hat!
Wir müssen uns der Würde, die uns in der Taufe geschenkt wurde, bewusst sein, und dürfen uns nicht unserer christlichen Verantwortung entziehen, wenn es gilt für unsere Kirche einzutreten. Wir haben uns so weit von seiner frohmachenden Botschaft entfernt, und ich meine damit nicht nur den Missbrauch und unseren Umgang damit. Der Missbrauch ist ein schweres Verbrechen, dass ich nicht beschönigen möchte.
Aber wir dürfen trotzdem keine verurteilende, hasserfüllte Kirche sein, weil unser Herr da ganz anders ist und auch etwas ganz anderes von uns erwartet. Noch am Kreuz zeigt er sich als der Gütige und Verzeihende. "Vater, sie wissen nicht, was sie tun!" Oder ein anderes Herrenwort: "Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!"
Nur mit dieser Einstellung des Verzeihens können wir in seine Fußstapfen treten und ihm dabei helfen des Kreuz durch diese Krise zu tragen. Nehmen wir uns dabei den Apostel Paulus zum Ratgeber. In seinen Briefen an seine Gemeinden beschreibt er, was er unter Kirche versteht. Er verwendet vor allem zwei Begriffe: Zum einen spricht er die Gemeinden als "Volk Gottes" an. Zum anderen prägt Paulus im 1. Korintherbrief das Bild von der Gemeinde als dem "Leib Christi". Was die verschiedenen Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenschweißt, dass sie alle Glieder des einen Leibes sind, ist ihre Beziehung zu Christus. Kirche ist ein Ort wo Menschen gemeinsam beten und in den Sakramenten Gottes bleibende Nähe und seine heilsame Zuwendung erfahren.
Aber wir müssen die Reihenfolge wieder klar bekommen: Christus ist unser Heil, nicht die Kirche. Doch die Kirche ist das Werkzeug, und wir alle sind ein Teil dieses Werkzeuges. Wie der Handwerksmeister täglich sein Werkzeug putzt und poliert, müssen auch wir uns selbst reinigen von unserem Versagen und uns polieren, damit wir in seiner Kirche mit all unseren Fähigkeiten und Begabungen neu erstrahlen.
Wir dürfen keine passiven Kirchenmitglieder sein, sondern müssen aktiv für eine segenreiche Kirche eintreten, statt auszutreten! Wir sind heute gefordert, einen anderen Umgang zu leben, als wir das in der Vergangenheit hatten: Nämlich dass die Opfer gehört werden. Aber dass auch Menschen mit Brüchen in ihrem Leben trotzdem bei uns sein dürfen - auch eine neue Liebe wieder leben können!
Wenn uns das gelingt, dann ist es nicht wichtig, ob dies noch die Kirche unserer Kindheit ist, denn dann können wir freudigen Herzens dem Psalmisten zustimmen: "Wie freute ich mich, da man mir sagte: Wir ziehn zum Hause des Herrn!"
Bernhard Kuhn, Pfarrsekr./Mesner i.R., ehrenamtlicher Mitarbeiter im SSB "Hofer Land"
Susanne Hoch schreibt: Ich glaube an Gott, an Jesus Christus und an den Heiligen Geist. Deshalb bin ich katholisch und bleibe es auch. Solange mich dieser Glaube trägt, gibt es für mich keinen Grund aus der Kirche auszutreten. Denn ich bin nicht Mitglied in irgendeiner Vereinigung, deren Personal mich überzeugen muss.
Ich folge nicht Bischöfen, Kardinälen oder Päpsten nach, sondern einzig und allein Jesus Christus. Es ist seine Kirche, nicht die irgendwelcher menschlichen Stellvertreter. Deshalb macht es mich wütend, dass Verbrecher sich als seine Diener tarnen und den Ruf seiner Kirche dermaßen beschädigen. Als Psychotherapeutin weiß ich, wie viel Leid Missbrauch verursacht. Daher finde ich es absolut unerträglich, dass so etwas im kirchlichen Rahmen geschehen konnte und dann auch noch vertuscht wurde. Von den kläglichen Rechtfertigungsversuchen ganz zu schweigen. Ich kann nicht verstehen, warum es den Kirchenvertretern so schwer fällt, Schuld einzugestehen. Jesus hat seine Kirche ganz bewusst in die Hände schwacher, fehlbarer Menschen gegeben.
Es ist die Aufgabe aller Getauften, die Kirche zu einem Ort werden zu lassen, an dem Jesu Wort gelebt und weitergegeben wird, an dem Gottes- und Nächstenliebe für die Menschen erfahrbar wird. Wir alle tragen Sorge dafür – jede und jeder da, wo Gott sie oder ihn hingestellt hat. Nur wer bleibt, kann etwas verändern und an Jesu Kirche mitbauen.
Ich liebe Jesus und er liebt mich – deshalb bleibe ich ihm gerade auch in stürmischen Zeiten treu.
Susanne Hoch, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin,Stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Pfarrbriefredakteurin in der Pfarrei Bernhard Lichtenberg Hof, 2.Vorsitzende der Kolpingsfamilie Hof e.V.
Manuel Pötzl hält fest zu seiner Kirche:
Ich bleibe in der Kirche, weil ich glaube. Ich glaube an Jesus Christus, die Bibel und die Lehre der Kirche, die sie, angefangen von den Aposteln, durch die Zeit verkündet hat. Die Kirche bewahrt den Glauben durch die Zeit und auch wenn manches in der Kirche unbequem und lästig scheint, glaube ich, dass sie das beste für jeden Menschen will und jeden Menschen zu Gott führen möchte. Sie will dabei helfen, dass jeder den Willen Gottes erkennt und danach lebt. Die Tatsache, dass sich Menschen innerhalb der Kirche nicht an deren Gebote und die Liebe Christi halten, tut weh. Jedoch ändert es nichts an meinem persönlichen Glauben, dass wir durch die Lehre der Kirche und die gespendeten Sakramente letztlich zu Gott kommen. Deswegen bleibe ich.
Manuel Pötzl, 21 Jahre, Student
Alexander und Lilli Adler leben ihren Glauben im Alltag:
Warum wir in der Kirche bleiben? Die Kirche ist unsere Heimat, da wir durch Sie immer wieder Gott erfahren dürfen.
Es gibt in der Kirche Menschen die schwer gesündigt haben oder die so leben, als gäbe es Gott nicht. Und auch wir selbst erleben oft unsere Begrenztheit und Sündhaftigkeit. Das ist aber für uns kein Grund der Kirche den Rücken zuzukehren. Denn wir haben in unserem Leben erfahren, dass Gott existiert und dass er uns in unserem Leben wundervoll führt. Ja sogar, dass das Leben mit Gott viel besser ist, als wir es uns selbst hätten vorstellen können. Dass letztlich nur Gott es ist, der die Sehnsüchte in unseren Herzen stillen kann. Hierbei – so sind wir der Überzeugung – hat Gott uns die Kirche geschenkt: So ist es für uns das Größte, wenn wir Jesus in der heiligen Messe begegnen; Ihn, den lebendigen Gott, in der Eucharistie empfangen dürfen. Auch haben wir schon unzählbar oft die Barmherzigkeit des Vaters erfahren; welche Freude es ist, wenn Jesus uns in der Beichte von unseren Sünden erlöst; welch tiefen Frieden er schenkt in einem Neuanfang.
Wir lieben auch die Lehre der Kirche, die sehr schön und tief ist. Auch das Leben und die Schriften der Heiligen sind für uns eine große Bereicherung. Als Ehepaar sind wir außerdem sehr dankbar für die kirchliche Sexualmoral. Wir haben erfahren, wie wunderbar und hilfreich es ist, was uns die Kirche mit auf den Weg des Lebens gibt.
Für uns gilt ohne Einschränkungen, was wir in dem alten Kirchenlied singen: „Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad, in seine Kirch berufen hat, nie will ich von ihr weichen!“
Außerdem wollen wir allen, die jetzt an der Situation der Kirche in Deutschland leiden, zur Ermutigung mitgeben, wie Jesus zu Petrus gesagt hat, dass die Mächte der Unterwelt sie nicht überwältigen werden.
Alexander Adler, Jurist, vielseitig ehrenamtlich engagiert, Ehefrau Lilli, Erzieherin und ebenfalls vielseitig ehrenamtlich engagiert
Weitere Statements werden folgen...




