Mitreißende Klänge aus dem Mittelalter

Die Capella Antiqua Bambergensis musizierte in der Stadtpfarrkirche St. Marien
Eine Hochzeit der Kultur präsentierte die Capella Antiqua Bambergensis den Besucherinnen und Besuchern des Konzertes in der voll besetzten Stadtpfarrkirche St. Marien.
Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer hatte das renommierte Ensemble gewinnen können, die Premiere ihrer Jubiläumskonzertreihe zu Ehren des 1000. Todestages von Kaiser Heinrich II. in Hof zu veranstalten. Der Gründer des Erzbistums Bamberg war, wie Dr.Barbara Stühlmeyer ausführte, die die Besucherinnen und Besucher im Namen des Fördervereins der Kirchenmusik begrüßte, ein geistlicher Mensch, einer, der Kultur liebte und förderte und eine Perspektive hatte, die über das irdische Leben hinausreichte. Kulturförderung ist in unserer Zeit essentiell. Daher dankte Barbara Stühlmeyer Prof. Dr. Schneiderbanger, der dieses Konzert mit einer großzügigen Spende ermöglicht hatte. So vernetzt wie Heinrich, in dessen Reich sich viele Kulturen miteinander verbanden ist auch die Capella Antiqua Bambergensis. Mit ihren Projekten setzen die Musikerinnen und Musiker, die in Schloss Wernsdorf bei Bamberg zuhause sind, weltweit Akzente. Ausgezeichnet wurden sie zuletzt für ihr Projekt Deutsch-Jüdisches Liederbuch, das Reprint eines Menschen verschiedener religiöser und kultureller Hintergründe miteinander verbindenden Werkes, das im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs dazu beitragen sollte, den Hass zu überwinden. Dass solche Projekte keine Eintagsfliegen sind, sondern zu bleibenden Bindungen zwischen Menschen führen, die zu Leuchttürmen der Mitmenschlichkeit in dunkler Zeit werden, zeigte sich daran, dass auch der Pianist, Musikpädagoge und Kulturnetzwerker Daniel Donner aus Tel Aviv dem Konzert beiwohnte.
In St. Marien präsentierten die Musikerinnen und Musiker der Familie Spindler, Andreas, Anke, Nina, Thomas und Prof. Dr. Wolfgang Spindler, sowie Jule Bauer auf einem breiten Spektrum mittelalterlicher Instrumente mitreißend tänzerische, nachdenklich besinnliche, licht- und klangvolle Werke aus der Musikwelt des Mittelalters. Das Konzert begann mit einem Einzug durch den Mittelgang der Marienkirche zu den Klängen des Danse Real eines anonym gebliebenen französischen Komponisten des 13. Jahrhunderts. Prof. Dr. Wolfgang Spindler, Gründer und Leiter der Capella Antiqua Bambergensis führte die interessierten Zuhörer dann humorvoll und mit hohem inhaltlichen Nährwert in die Kultur des Mittelalters ein. Der Wechsel zwischen informativen Texten, die über das geistliche und weltliche Leben des Mittelalters gleichsam gegenwärtig setzten und der Musik dieser Zeit prägte den gesamten Konzertnachmittag, der die Zuhörer sichtlich begeisterte und immer wieder zu donnernden Applaus hinriss. Mitreißend interpretierten die Musikerinnen und Musiker den Gesang aus den Cantigas de Santa Maria von König Alfons dem Weisen für die Gläubigen auf dem Jakobsweg getextet und komponiert. Elegisch die Liebe der Jüngerin Jesu zum Auferstandenen in ihrer emotionalen Dichte zum Ausdruck bringend interpretierte Jule Bauer das Lied der Magdalena von Laudario del Cortona. Dass Könige auch als Kulturschaffende wirkten, war im Mittelalter kein Einzelfall. Der englische König Richard Löwenherz textete und komponierte in seiner zweijährigen Gefangenschaft beim österreichischen Herzog Leopold, der ihn auf dem Rückweg vom Kreuzug nicht durch Bayern ziehen lassen wollte ein hinreißendes Lied, das die Capella Antiqua Bambergensis ebenfalls zu Gehör brachten. Prof Wolfgang Spindler führte unterhaltsam in die Hintergründe dieser Geschichte von Krieg, Geiselnahme, politischen Intrigen und einem wunderbaren Lied ein. Dass im Mittelalter nicht nur Männer, sondern auch Frauen den Ton angaben, hörten die Konzertbesucher in der Marienkirche an dem Lied der Troubairitz Beatriz de Dia. Mit Parlamento des italienischen Anonymus aus dem 14. Jahrhundert, der Totenklage auf Kaiser Heinrich II, dem mitreißenden Wallfahrtslied Stella spendend aus dem Codex Montpellier und dem sephardischen. Lied La Rosa Enflorece eines anonymen Komponisten aus dem 11. Jahrhundert schloss sich der musikalische Reigen, der die Zuhörer wie auf einer Zeitreise in das Mittelalter geführt hatte, eine Zeit, die der unseren so ähnlich und von ihr doch so verschieden ist.
Die Konzertbesucher dankten den Musikern mit langanhaltendem begeisterten Applaus und Standing Ovations.

