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Nur Mut

Mut
Datum:
Veröffentlicht: 18.11.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann

1. Wie gefällt ihnen diese Geschichte? Vor allem den dritten Diener haben wir ein wenig ins Herz geschlossen, weil das Ende für ihn erschreckend ist: „Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.“

2. Natürlich müssen wir wissen. Zum einen: Es handelt sich um ein Gleichnis. Zum zweiten: Um den Kern der bildhaften Geschichte zu erfassen, dürfen wir den Zusammenhang, d. h. die Sache nicht aus den Augen verlieren: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.“ In seiner Abwesenheit vertraut er den Dienern je nach den Fähigkeiten und ihren Kräften Talente an mit dem Auftrag etwas daraus zu machen.

3. Der Knackpunkt steckt wohl im Wort „Vertrauen“. Während die zwei Diener das geschenkte Vertrauen erwidern und aus ihrem Vermögen etwas machen, vielleicht auch etwas riskieren und sich selbst und ihr Leben einbringen, hat der dritte Diener Angst. Er entzieht sich dem Leben und versteckt sogar das Geld in der Erde. „Hier hast du es wieder.“ Wir können uns diese Szene gut vorstellen. Die Angst wird ihm zur Blockade, dem Leben zu trauen!

4. Der Evangelist Matthäus weist in seinem Evangelium immer wieder auf das Vertrauen in Gott und seine Botschaft hin, um letztlich am Auf- und Weiterbau des Himmelreiches selbst mitzuwirken, das in Jesus Christus begonnen hat.

Denken wir an die Bergpredigt: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht im Verborgenen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und eueren Vater im Himmel preisen.“

5. Wie das geht, am Himmelreich mitzuwirken, hören wir am nächsten und letzten  Sonntag im Kirchenjahr, wenn uns die Werke der Barmherzigkeit vor Augen gestellt werden: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

6. Die Geschichte ist durch eine Erklärung auch nicht besser oder leichter geworden. Fragen wir uns: Warum handelt der dritte Diener in dieser Weise? Es scheint so, dass er seine Lebenssituation - mit geringeren Fähigkeiten und Begabungen ausgestattet zu sein – nicht annimmt. Anstatt das Leben auf den Leuchter zu stellen und etwas zu wagen, vergräbt er es. Er zieht sich zurück – vielleicht aus der Verantwortung. Man kann fragen: Hätte er nicht im Laufe seines Lebens Vertrauen und Glauben schöpfen können, um aus dem Wenigen, aus dem Kleinen, das ihm anvertraut wurde, etwas Großes zu machen? Oder hat es wirklich keine Menschen gegeben, die ihm dieses Selbstvertrauen geschenkt haben?

7. In meiner Berufswahl stellte ich mir die Frage: Was mache ich aus dem, was Gott mir geschenkt hat? Kann ich in meinem Leben, in dem was ich bin und kann, Vertrauen schöpfen? Manchmal ist es nicht viel, und doch ist es wertvoll und einzigartig. Unsere heiligen Männer und Frauen sind uns darin ein Vorbild – aus dem Wenigen und Defizitären viel, sehr viel zu machen: Pfarrer von Ars muss wirklich keine Leuchte gewesen sein, aber er wollte unbedingt Priester werden und hat den Menschen auf seine Weise beigestanden. Denken wir an den Bruder Konrad, der ein Leben lang Menschen an der Pforte des Klosters empfangen hat. Die Zeit in unserer Welt und Gesellschaft hat ihre Herausforderungen, die nicht zur Ausrede werden dürfen, um Talente und Begabungen zu vergraben und die Hände in den Schoß zu legen: "Macht doch alles keinen Sinn!" Auf der anderen Seite braucht es immer auch sogenannte Geburtshelfer, die Menschen helfen, eigene Fähigkeiten zu entdecken, um diese einmal für andere in den Dienst stellen zu können: in der Schule, am Arbeitsplatz, zu Hause, im Sport- und Musikverein.

8. Das Evangelium möchte Mut machen, Vertrauen in Gott zu schöpfen und am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Es ist das Reich der Wahrheit, der Lieb und Heiligkeit, des Lebens und des Friedens und der Gerechtigkeit, so wie es in einem alten Christkönigslied besungen wird. Gleichzeitig stößt dieses Evangelium und eine ganze Reihe anderer Abschnitte im Matthäusevangelium unsere Aufmerksamkeit in provozierender Weise auf das Ende des Lebens und das Schauen Gottes von Angesicht zu Angesicht: Wie würde ich gerne am Lebensende mein Leben sehen? Und wie möchte ich, dass Gott mein Leben anschaut?