Ökumenische Hauptamtlichenkonferenz in St. Michaelis

Am Dienstag, 10. Februar 2026 fand in der St. Michaeliskirche ein ökumenisches Treffen der Hauptamtlichen aus der evangelischen und katholischen Kirche in Stadt und Landkreis Hof statt. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Person des heiligen Franziskus von Assisi, der sowohl als geistliches Vorbild als auch als Impulsgeber für die heutige Kirche und Gesellschaft eine zentrale Rolle spielt.
Diesbezüglich fand zunächst eine Andacht in der Kirche St. Michaelis geleitet von der evangelischen Pfarrerin Nicola Aller statt. Im Anschluss hörten wir einen interessanten Vortrag des katholischen Pfarrers Dr. Dieter Jung zur Person und Spiritualität des heiligen Franziskus. Visuell ergänzt wurde dieser durch eine anschließende Filmvorführung.
Zur Biographie des Hl. Franziskus:
Franziskus von Assisi wurde um das Jahr 1182 in Assisi, Italien, geboren. Er war der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns. Als junger Mann lebte Franziskus ein ausschweifendes Leben und strebte nach Ruhm und Anerkennung. Er war ein begeisterter Ritter und nahm an militärischen Kämpfen teil, doch aufgrund seiner Erfahrungen im Krieg hinterfragte er zunehmend seine Lebensweise und Werte. Nach seiner Rückkehr nach Assisi begann er, sich von den weltlichen Vergnügungen abzuwenden und den Weg der Armut, Demut und Nächstenliebe zu gehen. 1209 gründete Franziskus den Orden der Franziskaner, dessen Ziel es war, in Armut und Einfachheit zu leben, die Botschaft Jesu Christi zu verbreiten und den Dienst an den Bedürftigen zu leisten. Franziskus lebte sein Leben in Einklang mit der Vorstellung, dass wahre Nachfolge Christi im Verzicht auf weltliche Besitztümer und im Dienst an anderen liegt. Ein weiteres zentrales Element seiner Spiritualität war die Christusnachfolge – er verstand seine eigene Berufung als Nachahmung des Lebens und der Armut Jesu. Um seinen Glauben und seine Hingabe zu vertiefen, zog er sich oft in die Einsamkeit zurück und suchte den direkten Kontakt mit Gott durch Gebet und Meditation.
Dr. Jung stellte Franziskus dabei als eine Person vor, die nicht nur für die katholische Kirche von Bedeutung ist, sondern auch die protestantische Tradition in ihrer Auseinandersetzung mit Themen wie Armut, Nächstenliebe und der Bewahrung der Schöpfung inspiriert. Für die katholische Kirche ist Franziskus ein bedeutendes Vorbild des christlichen Lebens und wird als Heiliger verehrt. Im Jahr 2013 wählte der Kardinal Jorge Mario Bergoglio den Namen „Franziskus“ bei seiner Wahl zum Papst, was nicht nur eine persönliche Verehrung des Heiligen ausdrückt, sondern auch eine Betonung seiner Werte und seines Einsatzes für die Armen. Papst Franziskus hat mehrfach die "Franziskanische Spiritualität" als Weg zur Reform der Kirche hervorgehoben und betont, dass die Kirche eine Kirche der Armen und für die Armen sein müsse.
Für die evangelische Kirche ist Franziskus ebenfalls von großer Bedeutung, insbesondere in der Frage der Armut und des Dienstes an den Bedürftigen. Auch in der protestantischen Tradition wird seine Hingabe an das Evangelium und die Nachfolge Christi hervorgehoben. In der Ökumene wird Franziskus als ein Heiliger angesehen, der die Werte des Evangeliums lebendig gehalten hat – und das in einer Weise, die sowohl Katholiken als auch Protestanten inspiriert.
Doch welche Rolle spielt das Wirken des Hl. Franziskus in der heutigen Zeit? Auch auf diese Frage lieferten der Vortrag und die Filmvorführung Antworten.
In der heutigen Zeit, die von Materialismus, Umweltzerstörung und sozialer Ungerechtigkeit geprägt ist, hat Franziskus’ Lebensweise auch heute noch eine tiefgreifende Bedeutung. Sein Engagement für den Umweltschutz und seine Sichtweise, dass die Schöpfung ein heiliges Gut ist, gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Diskussion um Nachhaltigkeit und den Schutz der Erde. Papst Franziskus, der 2015 die Enzyklika Laudato si’ veröffentlichte, beruft sich explizit auf den heiligen Franziskus als Vorbild für den respektvollen Umgang mit der Natur. Darüber hinaus stellt Franziskus’ Betonung der Armut und des Dienstes an den Bedürftigen einen wertvollen Impuls in einer Gesellschaft dar, die oft von Konsum und sozialer Ungleichheit geprägt ist. Franziskus fordert die Menschen auf, nicht nach materiellem Wohlstand zu streben, sondern nach spirituellem Reichtum und einem Leben im Einklang mit den Werten des Evangeliums. In einer Welt, in der viele Menschen unter Armut und Ausgrenzung leiden, ist seine Botschaft der Barmherzigkeit und Solidarität daher besonders relevant.
Anschließend gab es Zeit für informelle Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Dieser Teil des Treffens bot die Möglichkeit, in einer entspannten Atmosphäre persönliche Eindrücke auszutauschen und über die ökumenische Zusammenarbeit sowie die Zukunft der Kirchenarbeit zu reflektieren. Die Mischung aus fachlicher Auseinandersetzung und persönlichem Austausch trug dazu bei, die Gemeinschaft zwischen den katholischen und evangelischen Hauptamtlichen zu stärken.
Im zweiten Teil der Veranstaltung fand auf den Vortrag aufbauend ein kollegialer Austausch zwischen den evangelischen und katholischen Geistlichen sowie den Gemeinde- und Pastoralreferenten statt. Dabei wurde nicht nur die Spiritualität und der Einfluss von Franziskus auf die heutige Kirche diskutiert, sondern auch neue Formate für Gottesdienste und die kirchliche Arbeit in der modernen Gesellschaft erörtert. Die Diskussionen drehten sich um die Frage, wie Kirche in einer zunehmend säkularisierten Welt relevanter und zugänglicher werden kann. Es wurde über kreative Formate, wie die Kirche Kunterbunt gesprochen, die Gottesdienste lebendiger und zeitgemäßer gestalten, etwa durch interaktive Elemente oder durch einen stärkeren Dialog zwischen den Gemeindegliedern.
Das ökumenische Hauptamtlichentreffen in St. Michaelis bereicherte nicht nur inhaltlich, sondern förderte auch die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen der katholischen und evangelischen Kirche. Die anschließenden Gespräche und der kollegiale Austausch gaben wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Kirche und Gottesdiensten im 21. Jahrhundert. Es war ein gelungenes Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen und ein Zeichen dafür, dass der ökumenische Dialog auch in praktischen und alltäglichen Fragen weiter vorangetrieben werden sollte.
