Pfingsten 2025

Liebe Schwestern und Brüder,
was ist der Heilige Geist? Interessiert das heute noch jemanden? Oder kommen wir ganz gut ohne ihn aus?
In der Apostelgeschichte erfahren wir, dass es den Heiligen Geist gibt und vor allem, wie er wirkt: „Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ Was sie verbindet, was sie eint? Sie verkünden alle miteinander Gottes große Taten –in den je eigenen Sprachen. Die verschiedenen Sprachen stehen heute für die unzähligen Möglichkeiten der Verkündigung in Tat und Wort, ob präsent oder medial; die Bandbreit ist hierfür sehr groß und fast schon sehr unübersichtlich geworden. Die Sprachen – sie stehen für die Generationen unserer Zeit, die auf je eigene Weise an Gott denken, an ihn glauben, ihn loben und preisen.
Kraft unserer gemeinsamen Taufe, Firmung oder Konfirmation sind wir eingeladen, diesen Geist zu erbeten, sich immer wieder diesem Geist zu öffnen, ihn zu reaktivieren und in den Gabe des Rates, der Weisheit, der Erkenntnis, der Gottesfurcht, der Frömmigkeit, der Einsicht, der Liebe wirken zu lassen.
Von großer Bedeutung ist sicherlich- heute mehr denn je - die (Geistes) Gabe der Unterscheidung, die untrennbar mit den anderen Geistesgaben zusammenhängt:
• Ist es wahr oder falsch: „Kann ich das glauben?“ „Entspricht das der Wahrheit?“ „Möchte ich das glauben, weil es so einfacher und bequemer ist!“
• Ist es der richtige Weg oder führt dieser Weg eher in eine Sackgasse, weil das Ganze mich überfordert oder gar keine Freude macht: Ich denke hier an die Schul- und Berufsausbildung.
• Handelt es sich um den guten Geist, der das Leben will und ermöglicht, oder den Ungeist, ich spreche gerne vom Abergeist, der uns abbringt von Gott und seinem Gebot der Liebe. Die Abergeister sind unsere innere Stimmen: „Aber die anderen machen es doch auch so.“ „Aber ich bin nicht daran schuld!“ „Aber ich möchte mich hier nicht einmischen!“ Abergeister – wir haben genug davon!
• Eine andere Stimme flüstert uns ein: „Du bist nichts; du kannst nichts; das schaffe ich nie.“ Alles Kleingeister, weil sie mich klein machen wollen. Kleingeister, ,weil ich mir etwas einreden lasse. Kleingeister, weil ich mich mit Anderen vergleiche.
• Dann gibt es noch die „Bessergeister“: Von diesem Geist beseelt stehen sie oft am Spielfeldrand, meckern, wissen alles besser, rühren keinen Finger und übernehmen auch keine Verantwortung. Bessergeister eben!
Liebe Schwestern und Brüder,
vergangene Woche war ich mit einer kleinen Gruppe in Altötting. Schon in meiner Jugendzeit habe ich mich sehr mit den Heiligen Frauen und Männern beschäftigt. Seitdem ich Priester bin gehe ich vor allem der Frage nach, was die Heiligen, in besonderer Weise unsere Kirchen- und Stadtpatrone, heute noch – unserer Pfarrgemeinde und auch ganz persönlich – sagen können? Können Sie Inspiratoren und Impulsgeber sein für unser christliches Leben? Der Bruder Konrad hat einmal gesagt: „Das Kreuz ist mein Buch!“ Was meint er damit?
Auf den Gekreuzigten zu schauen, bedeutet für mich, auf das Leben Jesu zu schauen, sein Sterben, seinen Tod und seine Auferstehung. „Das Kreuz ist mein Buch.“ Immer wieder komme ich im Alltag an den Punkt, wo ich mich frage: „Was würde jetzt Jesus tun?“ „Was würde Jesus tun – in meiner Situation, in meiner Lage?“ In den Geist eintauchen, der in Jesus lebendig war und ihn befähigt hat, nach dem Gebot der Gottes-, Nächsten – und Selbstliebe zu leben und zu handeln. Probieren Sie es einmal aus – gerade wenn die Unterscheidung schwer fällt und gefragt ist, wenn die Unentschiedenheit umso mächtiger wird und Entschiedenheit gefragt ist, auf das Kreuz zu schauen: „Was würdest du, Jesus, jetzt tun?“ Sie kennen Jesus aufgrund der Evangelien und der paulinischen Briefe; sie lernen ihn immer besser kennen im Gebet und in der Anbetung, ob in der Kirche oder in der Schöpfung; sie sind ihm nahe im Empfang der Sakramente und folgen so seinen Spuren der Liebe und Barmherzigkeit: „Das Kreuz ist mein Buch!“
Ich war heute /gestern bei der Priesterweihe in Würzburg, meiner alten Wirkungsstätte. Es hat mich berührt, als der Kandidat vom Bischof Schale und Kelch überreicht bekommen hat mit folgenden Worten: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“ Mit Jesus Christus, dem Gekreuzigten, verbunden, gelingt es, die Früchte des Geistes hervorzubringen. Der heilige Paulus beschreibt sie im Galaterbrief: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“
Liebe Schwestern und Brüder,
was ist der Heilige Geist? Interessiert das heute noch jemanden? Oder kommen wir ganz gut ohne ihn aus. Nein, ich komme nicht ohne ihn aus. Amen.