Pfingsten -mehr als nur Ferien

Wenn ich im Unterricht die Kinder frage, was ihnen zu Pfingsten einfällt, höre ich oft zuerst nur ein Wort: „Ferien“. Gefolgt von der zweitbeliebtesten Antwort: Stille. Das ist verständlich und die freien Tage sind auch etwas Kostbares und Verdientes.
Hinter Pfingsten versteckt sich aber so viel mehr, als nur ein Grund für Ferien und viele wissen, anders als bei Ostern oder Weihnachten, gar nicht, was genau eigentlich dabei gefeiert wird.
Als 50 Tage nach Jesu Tod die Jünger warteten und plötzlich Feuerzungen erschienen und sie in fremden Sprachen reden konnten, da wurden sie von Mut erfüllt. Sie gingen hinaus in die Welt und sprachen über ihren Glauben. Pfingsten ist damit ein Fest des Mutes und der Verständigung, mit dem Heiligen Geist als Symbol für Gemeinschaft.
Dieser Heilige Geist wird dabei als Kraft beschrieben, die Menschen grenzen übergreifend verbindet und Verständigung über verschiedene Sprachen hinweg möglich macht. Diese Erfahrung gilt auch als die Geburtsstunde der Kirche: eine Gemeinschaft, entstanden nicht durch Gleichheit, sondern Zusammenhalt in Vielfalt.
Mut und Verständigung werden gerade jetzt für uns alle immer bedeutender. Verständigung ist es, die fehlt, bei immer mehr eskalierenden Kriegen und einem Auseinanderwachsen der Gesellschaft – dabei braucht es sie gerade dann am Meisten. Mut ist der einzige Weg, wie die Differenzen und Sorgen der Menschheit zusammen überwindet werden können. Besonders Kindern und Jugendlichen, die in einer Welt groß werden, die ihnen eine Sicherheit vergangener Generationen nicht bieten kann und oft auch negativ auf sie herabblickt, kann das Pfingstfest, das genau den Mut und die Veränderung feiert, auch Kraft geben und sie motivieren.
Passend dazu war auch das Motto des diesjährigen Katholikentags, der vom 13.-17. Mai in Würzburg stattfand, „Hab MUT, steh auf“. In einer Zeit, in der oft nach Gründen gesucht wird, die einen vom anderen unterscheiden und in der die Generationen sich gegenseitig Vorwürfe machen, ist ein positiver Zusammenhalt verschiedenster Menschen genau im Sinne von Pfingsten eine Hoffnung und eine Veränderung.
Pfingsten soll Mut machen, sich einzumischen, Fragen zu stellen und für das einzustehen, was richtig erscheint. Es erinnert daran, dass Verständigung über Unterschiede hinweg möglich ist. Eine weitere starke Botschaft dahinter ist: Deine Stimme zählt! Du darfst und sollst sagen, was dir wichtig ist. Du bist Teil einer Gemeinschaft. Und gerade das ist, was viele junge Menschen, die sich nicht beachtet fühlen, hören müssen.
Deshalb ist es auch so spannend, dieses Thema im Unterricht zu besprechen: Kinder und Jugendliche entdecken, dass der Glaube und die kirchlichen Feste nicht starr und altertümlich sind, sondern etwas Lebendiges, das ihr eigenes Leben berühren kann.
Veränderung beginnt nicht im Großen, sondern im Kleinen: durch Zuhören, durch „Stop“ sagen, wenn Unrecht geschieht, dadurch, nicht wegzusehen und auch, wenn junge Menschen ihre Ideen einbringen und ernst genommen werden. Als Lehrkraft, die junge Menschen – unsere Zukunft – begleiten darf, glaube ich daran, dass diese, mit dem Mut gestärkt, die Welt zu einer besseren verändern können.
Pfingsten ist deshalb weit mehr als Ferien oder ein verlängertes Wochenende. Es ist eine Einladung an uns alle, auf die eigene innere Stimme zu hören. Ganz nach dem Motto „Habe MUT, steh auf!“ und im Vertrauen darauf, dass die Gemeinschaft zusammenhält und so etwas verändern kann.