Pilgerfahrt "Auf den Spuren des Heiligen Konrad"

Ein Reisebericht

70 Jahre St. Konrad-Kirche in Hof. Eine gute Gelegenheit, sich mit dem Kirchenpatron eingehender zu beschäftigen. Wer war dieser Bruder Konrad? Wo kam er her? Warum wurde er als einfacher Pförtner heiliggesprochen?
Mit diesen Fragen brechen sechs Pilgerinnen mit Pfarrer Fleischmann und mir nach Altötting auf. An Christi Himmelfahrt 2024, dem 9. Mai, fährt die Gruppe los. Eine kleine, aber feine Schar. Und bereits am Abend erkennen wir, dass wir uns untereinander verstehen. Bei einem Zwischenstopp in Sossau bei Straubing feiern wir in der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau eine Heilige Messe. Das deftige Mittagessen darf auch nicht fehlen. Gut gesättigt kommen wir in Altötting an und können sofort die Ortschaft erkundigen. Um 21 Uhr beenden wir den ersten Tag mit der Novene mit dem Bruder Konrad. Sie wird uns in den nächsten Tagen begleiten.
Der zweite Tag steht unter dem Motto: Bruder Konrad in Altötting. Wir sehen einen Film über Konrad, der zwar schon alt ist, aber noch Zeitzeugen zur Sprache kommen. Uns berührt, wie bedingungslos und vertrauensvoll sich der junge Johannes Birndorfer im Gebet vertiefte. Auf dem Weg zur Schule betete er einen Rosenkranz. Später, als er auf dem elterlichen Hof mitarbeitete, hatte er den Rosenkranz um die Hand gebunden. Ganz selbstverständlich begleitete sein Gebet die schwere Arbeit auf dem Feld und im Stall. Er sagte von sich, nur wenn er bete, sei er glücklich. Viele Jahre rang er mit sich, um seine Berufung zu erkennen. Schließlich lehnte er die Übernahme des elterlichen Hofes ab und bat die Kapuziner in Altötting, ihn aufzunehmen.
Unter diesen Eindrücken des Filmes versammeln wir uns in der Kirche St. Konrad um den Schrein des Heiligen und feiern eine Messe.
In der Gnadenkapelle ministrierte Bruder Konrad während seiner Jahre als Pförtner des Klosters jeden Tag um 5 Uhr bei der Messfeier. Wir dürfen an diesem besonderen Ort eine Kreuzwegandacht beten.
Die Führung mit Bruder Marinus durch die Konradkirche und das Kloster gibt uns einen tieferen Einblick in das Leben Bruder Konrads als Pförtner. Tausende Menschen klopften jährlich an die Tür des Klosters. Wichtige Persönlichkeiten, Pilger, Arme – jedes Anliegen hörte er sich an und musste durch das ganze Kloster laufen, um seinen Auftrag zu erfüllen. (Ohne Handy mussten das täglich viele Kilometer sein!) Bruder Konrad tat dies, ohne zu klagen. Allen Menschen trat er mit Respekt und Geduld entgegen. Er wurde nie ungeduldig oder wütend. Er sagte und lebte: „Das Kreuz ist mein Buch.“ Wenn er Jesus am Kreuz anblickte, wusste er, wie er mit Menschen umzugehen hatte: Er begegnete ihnen mit der Liebe Jesu. Da er als Pförtner die gebotenen Gebetszeiten nicht einhalten konnte, betete der Bruder in der Nacht. Er gönnte sich kaum Schlaf – zwei bis drei Stunden. Das musste genügen. Besonders die Armen und die Kinder hatte er ins Herz geschlossen. Für ein Gebet bekamen sie Brot und Wasser. Auf die Klage der Mitbrüder, dass sie bald selber nichts mehr zu essen hätten, antwortete Konrad: „Das kommt alles wieder herein, was man den Armen herausgibt!“ Und tatsächlich kam z.B. einmal abends eine Lieferung mit Speisen von einem großzügigen Pilger zum Kloster.
Tag drei unserer Fahrt führte uns nach Parzham. Hier wurde Bruder Konrad geboren und wuchs in seiner Familie auf. Ein beeindruckend großer Vierkanthof. Der Hausmeister und Betreuer des Hofes erzählt uns viel – einiges kennen wir schon, anderes ist neu und höchst interessant. So erzählt er, dass die Bruder-Konrad-Verehrung auf der ganzen Welt verbreitet ist. Menschen kommen aus allen Landen und beten hier in ihren Anliegen. Besonders gern wird das Geburtszimmer als Bet- und Bittraum von Ehepaaren aufgesucht, die einen Kinderwunsch haben.
Das Wohnhaus der Familie Birndorfer ist gut erhalten. Die Räume sind mit Möbel aus dieser Zeit ausgestattet. Ich kann die Menschen, die hier lebten und arbeiteten, spüren.
Auf dem Weg zur Holzkapelle im Wald bei Birndorf, die Bruder Konrad oft besuchte, trennt sich die Spreu vom Weizen. Die geübten Wanderer (z.B. Pfarrer Fleischmann) sind für die weniger erfahrenen (z.B. meine Wenigkeit) bald nicht mehr zu sehen. Doch in der Kapelle sind wir wieder zusammen und unser Beten vereint uns mit Bruder Konrad und den vielen Menschen, die hier ihre Glaubenszeugnisse in Form von Kerzen und Andachtsgegenständen abgelegt haben.
Abends feiern wir in der Basilika St. Anna die Abendmesse und schließen uns der Lichterprozession zur Gnadenkapelle an. Wieder sind wir ein Teil einer großen Gemeinschaft von Gläubigen und erfahren die Kraft des Gebetes, die uns untereinander, mit Bruder Konrad und mit Gott verbindet.
Und schon ist der letzte Tag angebrochen. Nach dem Morgengebet und einem ausführlichen Frühstück treffen wir uns in St. Magdalena zum Sonntagsgottesdienst und fahren danach wieder Richtung Hof. Am Pfarrzentrum beenden wir unsere Pilgerreise mit einem Abschlussgebet an Gott für diese prägende Tage und mit einem Dank an Pfarrer Fleischmann, der uns sicher überall hingefahren hat.
Enden möchte ich mit einem Zitat Papst Johannes Pauls II., der 1980 Altötting besucht hatte: „Durchbrechen auch wir (wie Bruder Konrad) mitten im Alltag die Mauern des Sichtbaren, um immer und überall den Herrn im Auge zu behalten.“
von GR Mechthild Fröh



















