Predigtreihe zum Hofer Kirchenpatron Bernhard Lichtenberg

Am 5. November gedenkt die katholische Kirche des Seligen Bernhard Lichtenberg, der an diesem Tag des Jahres 1943 in Hof gestorben ist. Eine Predigtreihe, die Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann und Pfarrvikar Holger Fiedler rund um den Gedenktag des Seligen gehalten haben, beleuchtet dessen Persönlichkeit und Spiritualität.
Durch seinen Tod in Hof fühlen sich die Hofer Gemeinden diesem mutigen Zeitzeugen ganz besonders verbunden. 2013 ehrte die Stadt Hof Bernhard Lichtenberg, indem der Platz vor der Marienkirche der Hofer Altstadt in Bernhard-Lichtenberg-Platz benannt wurde, und seit dem 1. Juli 2017 bilden die beiden Hofer Seelsorgebereiche St. Marien und St. Konrad die Katholische Pfarrei Bernhard Lichtenberg. Am 27. Juni 2021 hat Erzbischof emeritus Dr. Ludwig Schick in der Marienkirche eine Reliquie von Bernhard Lichtenberg in einem Schrein am Herz-Jesu Altar eingesetzt, und seitdem kann diese von den Gläubigen verehrt werden.
Die Predigtreihe zum Gedenken des Hofer Kirchenpatrons eröffnete Leitendender Pfarrer Stefan Fleischmann unter dem Gedanken: „Pazifist - Lichtenberg und der Einsatz für den Frieden“. Zunächst skizzierte Fleischmann die Biografie des Seligen und resümierte daraus folgende Punkte. Bernhard Lichtenberg lebte zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg. Ein Krieg beginnt nie, wenn geschossen wird, und er endet nicht, wenn die Waffen schweigen, folgerte der Redner. Das habe Bernhard Lichtenberg sicher für sich erkannt, sozusagen „bedenke das Ende!“. „Der Selige Bernhard Lichtenberg tritt für den Frieden unerschrocken ein und legt den Finger in die Wunde, wenn er den Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ zeigt!“, fuhr Pfarrer Stefan Fleischmann fort. „Lichtenberg traut sich etwas zu, ohne auf seine Person und sein Ansehen zu achten!“ Und schließlich sagt Bernhard Lichtenberg: „Ich werde meinem Gewissen folgen!“ Anpassung sei nicht sein Lebensmotto gewesen, stellte Pfarrer Fleischmann fest. „Denn in einer Welt voll Krieg und Gewalt kann eine christliche Kirche nicht als Sakrament des Friedens wirken, wenn sie sich anpasst!“ Die Welt brauche keine Verdoppelung des Unfriedens durch eine Religion, die zu allem Ja und Amen sagt. „Schließlich treffen wir mit dem Taufversprechen eine Wahl, unterscheiden uns durch Entscheidung, bekräftigt durch die dreimalige Absage an Satan und all seinen Werken, die dem dreifachen Bekenntnis zum Vater, zum Sohn und zum Heiligen Geist vorausgeht!", so Pfarrer Stefan Fleischmann. Lichtenberg und der Einsatz für den Frieden war sehr facettenreich, im Verhältnis zum Judentum, im Eintreten für die Menschenwürde und Menschenrechte, im Umgang mit Fremden. Der Selige Bernhard Lichtenberg ist für Pfarrer Stefan Fleischmann ein Beispiel dafür, dass der Friede in den Köpfen und Herzen der Menschen gewonnen oder verloren werde. Alles Tun müsse vom Geist Jesu geprägt sein, der gesagt hat: „Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt!“, schloss der Geistliche seine Predigt.
Die Predigten der nächsten beiden Tage stellte Pfarrvikar Holger Fiedler unter den Aspekten: „Resistent- Lichtenberg und die Ideologie seiner Zeit“ und „Resilient- der Selige und sein Widerstand!“
Holger Fiedler stellte in der ersten Predigt die Resistenz des Seligen Bernhard Lichtenberg in den Vordergrund. Sie kann beispielhaft in den Verhören durch die Gestapo beobachtet werden, in denen der Selige ungeachtet der für den über 60-jährigen, gesundheitlich schwer angeschlagenen Priester sehr belastenden Situation vollkommen gelassen blieb und statt sich in die Enge treiben zu lassen vielmehr die Situation nutzte, um Katechese zu betreiben und dies logischen Fehlschlüsse der Gestapo offenzulegen. Er stellte die falschen Grundsätze der Nationalsozialisten den richtigen des katholischen Glaubens gegenüber und betonte, dass aus falschen Grundsätzen ebensolche Taten zwingend folgen würden. Eine solche Aufmerksamkeit für Grundsätze ist, so Fiedler, auch für uns heute wichtig. Es geht dabei um die geistliche Gabe der Unterscheidungen, um nicht den Zwängen von Ideologien nachzugeben. Die Gemeinde bekräftigte dies zur Danksagung mit dem Lied “Herr, mach uns stark, im Mut, der dich bekennt”. In der Folgepredigt beleuchtete der Pfarrvikar die Resilienz, die psychische Widerstandskraft, die Fähigkeit schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Bernhard Lichtenberg war in schwerster Zeit deutscher Geschichte resilient, betonte der Redner. Körperlich hätte er durch Erkrankungen seine Schwächen und Begrenzungen gefühlt, aber seine Widerstandskraft sei ungebrochen gewesen. „Das Gewissen war für unseren Seligen der innerste Kern seiner Gottesbeziehung!“, sagte der Pfarrvikar. „Im Gewissen, wusste Bernhard Lichtenberg, kann ich Wahr und Falsch unterscheiden, weil Gottes Stimme zu mir spricht!“. Im Abendgebet im Sinne des Seligen Bernhard Lichtenberg, das ebenfalls Holger Fiedler gestaltete, brachten Aki Yamamura vom Theater Hof, Gesang, Jens Wilkens von den Hofer Sinfonikern, Violine, gemeinsam mit und unter der Leitung von Musikdirektor Dr. Ludger Stühlmeyer dessen Kompositionen “Schaut auf den Seligen Bernhard”, “Wie schön leuchtet der Morgenstern” aus den Zehn Choralvorspielen für Gesang, Violine und Orgel sowie das “Vater Unser” von Joseph Kronsteiner zu Gehör. Im Abendgebet wurde auch die neuntägige Novene um Fürbitte und Heiligsprechung des Seligen eröffnet, die in diesen Tagen in jeden Gottesdienst gebetet wird. Das Triduum rund um den Gedenktag zeugt von einer tiefen Verbundenheit der Hofer Gemeinden zu diesem großen Seligen, um dessen Heiligsprechung gebetet wird!


