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Reliquiar des Seligen Bernhard Lichtenberg in der Stadtpfarrkirche St. Marien in Hof eingesetzt

Datum:
Veröffentlicht: 27.6.21
Von:
Bernhard Kuhn

Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick

Anlässlich des 25. Jahrestages der Seligsprechung Bernhard Lichtenbergs fand in der Hofer St. Konradskirche ein Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick und den Konzelebranten Leitendem Pfarrer Hans-Jürgen Wiedow und Pfarrvikar Holger Fiedler statt. Dabei wurde das Reliquiar von Bernhard Lichtenberg, das im Kloster Münsterschwarzach gefertigt wurde, der Pfarrei übergeben, deren Patron Bernhard Lichtenberg ist und die seinen Namen trägt. Anschließend wurde es während einer Andacht in der Marienkirche durch den Erzbischof im Herz-Jesu-Altar, dem Ort seiner Bestimmung, eingesetzt.

Musikdirektor Ludger Stühlmeyer, der den Festgottesdienst gemeinsam mit der Sopranistin Aki Yamamura vom Theater Hof und dem Geiger Jens Wilkens von den Hofer Symphonikern musikalisch gestaltete, hatte zu diesem Anlass erneut eine dem Seligen Bernhard Lichtenberg gewidmete Komposition geschaffen, die in diesem Pontifikalamt uraufgeführt wurde. Der Text des Werkes für Stimme, Violine und Orgel basiert auf den Aufzeichnungen, die Bernhard Lichtenberg während seiner Haft im Strafgefängnis Berlin-Tegel niederschrieb. Im Gottesdienst sang die Gemeinde zudem das bekannte Lichtenberglied, das der frühere Bamberger Generalvikar Alois Albrecht und Ludger Stühlmeyer im Jahr 2012 geschaffen haben.

In seiner Predigt rief Erzbischof Ludwig Schick zum Widerstand gegen Populismus und Nationalismus auf. Der Berliner Pfarrer und Dompropst Bernhard Lichtenberg sei ein Priester und Seelsorger gewesen, der sich der Menschen annahm und alles für sie gab. Er habe die Unterwerfung unter den Führer Adolf Hitler und das Nazi-Regime immer abgelehnt und vor dem Nazi-Tribunal bekannt: „Mein Führer ist Christus.“ Er habe Widerstand gegen den Führerkult und gegen die Menschenrechtsverletzungen an Juden und Menschen mit Behinderungen geleistet. Dafür habe er den Märtyrertod erlitten.

Der Bischof erinnerte an die Worte von Papst Johannes Paul II. bei der Seligsprechung am 23. Juni 1996 in Berlin, wo er für die deutsche Einheit und das Ende der kommunistischen Zwangsherrschaft dankte. „Politische Systeme, die die Freiheit des Menschen einschränken, wie das Naziregime und der Kommunismus, sind lebensfeindlich!“

1941 wurde Lichtenberg zum ersten Mal verhaftet, gefoltert und zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. 1943 sollte er in das KZ Dachau gebracht werden. Als der Zug dorthin in Hof Halt machte, wurde der schwerkranke Lichtenberg zuerst in ein Gefängnis, später ins Krankenhaus gebracht, wo er zwei Tage später am 5. November starb. Dadurch besteht bis heute die besondere Verbindung zu Hof, wo die katholische Pfarrei Bernhard Lichtenberg den Namen des Märtyrers trägt. Der Jahrestag der Seligsprechung rufe auf zum Einsatz für das Leben, für die Menschenwürde, die Menschenrechte, die Solidarität untereinander sowie für die Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, für Bildung und Sozialsysteme. Die Feier vom Seligen Bernhard Lichtenberg fordere auf zum Widerstand gegen Nationalismus und Populismus, aber auch gegen die eigenen Schwächen und bösen Neigungen. „Nur wenn wir im eigenen Leben glaubwürdig sind, nehmen uns die Menschen unseren Einsatz für die Mitmenschen und die Gesellschaft ab“, betonte Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Nach seiner Ansprache segnete er das Reliquiar.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Markus Reinisch bedankte sich am Schluss bei Erzbischof Dr. Ludwig Schick für sein Kommen und für das Überbringen der Reliquie. Sich an einen Märtyrer wie Bernhard Lichtenberg zu erinnern, heiße nicht, dies im stillen Kämmerlein zu tun, sondern miteinander in der Gemeinde, im Gottesdienst, im Gebet. Die Reliquie könne uns als sichtbares Zeichen immer wieder Anlass sein, darüber nachzudenken, wie Bernhard Lichtenberg auch für uns ein Vorbild im Glauben sein kann, sagte Markus Reinisch und überreichte dem Erzbischof ein Geschenk der Pfarrei. Im Anschluss des Festgottesdienstes war im Pfarrgarten von St. Konrad bei Getränken und Gebäck Gelegenheit zur Begegnung mit dem Bamberger Oberhirten.

Bei einer Andacht in der Marienkirche wurde schließlich das Reliquiar dem Ort seiner Bestimmung übergeben. Erzbischof Ludwig Schick setzte es im Tabernakel des Herz-Jesu-Altares ein. Möge von diesem Ort viel Segen für die Gläubigen ausgehen.

Gefertigt wurde das Reliquiar des Seligen Bernhard Lichtenberg in der Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach. Auf der Homepage der Abtei finden Sie einen Bericht über die Entstehungs­geschichte des wunderschönen Kunstwerks:

https://www.abtei-muensterschwarzach.de/arbeiten/goldschmiede/goldschmiede-aktuelles/reliquiar-des-seligen-bernhard-lichtenberg