Seid gut, wenn ihr könnt

Fastenvortrag über „Philipp Neri“ im Pfarrzentrum der Pfarrei Bernhard Lichtenberg
Auch zum 2. Fastenvortrag konnte Pfarrvikar Holger Fiedler wieder interessierte Mitglieder der Hofer Pfarrei begrüßen. Diesmal ging es auf der „Suche nach Spiritualität“ – wie die Vortragsreihe überschrieben ist- um den heiligen Philipp Neri: „Seid gut, wenn ihr könnt“ – dieses Wort des Heiligen aus dem 16. Jahrhundert bildete die Überschrift.
Holger Fiedler führte aus, dass Philipp Neri keine Systematik des Geistlichen Lebens hinterlassen hat. „Freilich hat er auch Briefe geschrieben. Wenn ich aber den Heiligen richtig verstehe, dann ist er keiner, der die Menschen systematisch hinführen will, sondern einer, der das Leben einfach mit den Menschen teilt und ihnen so Wege ins geistliche Leben aufzeigt. Bei ihm geht es um eine, wie es häufig genannt wird, natürliche Frömmigkeit.“
Vom Heiligen sind viele Anekdoten überliefert. Es wäre aber eine Fehlinterpretation von Philipp Neri, wenn man ihn auf solche Anekdoten und witzige Sprüche reduzieren würde. Er war ein Mensch, der ganz von Christus ergriffen war. Philipp sagt: „Wer etwas anderes ersehnt als Jesus Christus, der weiß nicht, was er ersehnt. Wer etwas anderes wünscht als Jesus Christus, der weiß nicht, was er wünscht. Wer für etwas anderes arbeitet als für Jesus Christus, der weiß nicht, wofür er arbeitet“.
Selbst Johann Wolfgang von Goethe, der sonst der katholischen Kirche distanziert gegenüberstand, zählte Neri zu seinen Lieblingsheiligen. Philipp ist ungewöhnlich modern: Er schätzt die Laien in ihrem Glaubens-Dienst; bei ihm braucht es kein Amt, sondern lebendigen Glaube; er hält Ausschau nach den Charismen und fördert diese; besonders junge Menschen befähigen will er zum Glauben befähigen.
Zusammenfassend kann der Referent festhalten, was die Spiritualität des Heiligen Philipp Neri auszeichnet:
Philipp glaubte an die Liebe Gottes; sie war Ausgangspunkt und Ziel seiner Pastoral – dorthin wollte er die Menschen führen und sie lehren, der Liebe Gottes zu vertrauen. Er suchte die Begegnung mit Menschen. Um die Liebe Gottes weitergeben war ihm jeder Weg recht. Sein Umgang mit den Menschen war spontan und daher oft originell. Was ihn auszeichnete: ein einfacher Lebensstil. Er war nicht bürgerlich eingerichtet, hatte es nie gemütlich. Er teilte das Leben der einfachen Leute. Fröhlichkeit und Weitherzigkeit – auch das sind Haltungen, die ihn auszeichneten. „Eines passt nicht für alle.“ – Spiritualität darf für jeden anders aussehen, auch für die Jugend anders als für das Alter. Fröhlichkeit zeichnete ihn aus; Musik, Gedichte, Gesänge: Alles, was die Seele erhebt und zum Lobe Gottes dient, hat ihm gefallen und war Mittel, um Menschen zu Gott zu führen. Katholisch heißt allumfassend, weit, weitherzig. Manche fromme Menschen sind engherzig, ihnen fehlt das Lächeln im Gesicht, das aus der Fröhlichkeit der Seele kommen sollte. Und Frömmigkeit führt immer zur Nächstenliebe – dieser Zug der Spiritualität ist bei Philipp immer zu finden.
Am Schluss bedankten sich die interessierten Zuhörer bei Pfarrvikar Holger Fiedler mit großem Beifall und freuen sich schon auf den nächsten Vortrag aus dieser Reihe, der über Therese Neumann geht: „Kernig und mystisch“, so der Titel.